Bezirks- und Gemeindesuche
Lobbyist der kleinen Sparer
Alois Hochegger (60) tritt diese Woche sein Amt als Vizepräsident des europäischen Sparkassenverbandes an.

Foto © KK"Ein Foto von mir beim Golfen können Sie haben, der Rest bleibt privat."
Vor zwei Wochen erlebte Alois Hochegger das, was er ohne Umschweife "einen Freudentag" nennt. Da hat der Vorstandsvorsitzende der Kärntner Sparkasse nämlich seinen "Lebenshirsch" getroffen. "So einen 16-Ender schießt man kein zweites Mal im Leben", geräter der Waidmann in Hochegger ins Schwärmen.
Doch der nächste "Freudentag" ist auch schon im Kalender eingetragen. Kommenden Freitag wird er erstmals als Vizepräsident an einer Sitzung der "European Savings Banks Group" teilnehmen - dem Europäischen Verband der Sparkassen. Als Vertreter von 880 eigenständigen Sparkassen und Retailbanken aus 26 Ländern mit insgesamt 84.000 Filialen und 925.000 Mitarbeitern im Hintergrund, vermutet man in Hochegger nun ein Aushängeschild der Hochfinanz. "Keinesfalls", korrigiert Hochegger. "Mir geht es darum der Lobbyist der kleinen Sparer zu sein", sagt der 60-jähige Betriebswirt und zieht auch eine scharfe Abgrenzung zwischen Sparkassen und Banken. "Im Kundengeschäft macht man vordergründig das Gleiche. Im Hintergrund hat man als Mitarbeiter einer Sparkasse aber schon das Bewusstsein, mit dem Geld anderer Leute zu arbeiten." Entsprechend sorgsam solle man mit dem Vermögen umgehen. Entsprechend leichter falle aber auch das Wirtschaften, wenn man nicht auf die Umsatzrendite achten müsse.
Leidensfähigkeit
Das Wirtschaften hat Hochegger schon im elterlichen Hotelbetrieg am Klippitzthörl gelernt. Aus der vom Vater erhofften Karriere in der Gastronomie wurde aber ebenso wenig, wie aus dem mehrmals angebotenen Sprung in die Politik. "Die nötige Leidenskraft hätte ich vielleicht, dafür hat mir der Liebe Gott andere Eigenschaften, derer es für die Politik bedarf, nicht mitgegeben", sagt Hochegger ohne Klage. "Denn in der Politik fehlt es an Gestaltungsmöglichkeiten."
Am Sparkassenverband, in dem er sich seit mehr als 30 Jahren vom Prüfungsverband über die Sparkasse Wolfsberg bis hinauf zum Präsidenten des Österreichischen Verbandes gearbeitet hat, schätzt Hochegger vor allem eines: "Dass wir in Form der Sparkassen Privatstiftung doch einen beträchtlichen Teil des Erwirtschafteten Gewinns in kulturelle, sportliche und soziale Projekte der Region fließen lassen."
Wissbegier als Tugend
Aus der Rolle des smarten Bankers, der die noble Zurückhaltung übt, bricht Hochegger nie aus, wohl weil es keine Rolle gibt. "Man wächst in ein gewisses Wertegefüge ein." Eines, in dem bei ihm auch die Religion eine wichtige Rolle einnimmt. "Man hört als gläubiger Mensch ein anderes Echo, wenn man in sich geht."
Der Ausblick auf das Brüsseler Parkett bereitet dem Bad St.Leonharder keine Sorgen. Nicht, weil ihn nichts überraschen könnte, sondern weil er die Wissbegier zur obersten Tugend erklärt hat.
Die nächsten drei Jahre wird er sich nun als Vertreter der kleinen Banken mit Finanz-Ungetümen wie der Deutschen Bank oder der Societe Generale um die Gunst der Brüsseler Abgeordneten matchen. Und für die Zeit danach? "Da hab ich mir noch vorgenommen zu leben." Was die programmierten "Freudentage" erfüllen wird, behält er für sich. Fix ist nur: Ehefrau Renate und Tochter Bernadette haben ihre Fixplätze.








