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Zuletzt aktualisiert: 20.09.2009 um 19:20 UhrKommentare

Braumeister mit Bier im Blut

Michael Möller (48) aus Hirt leitet die bekannteste Brauerei Münchens. Das Hofbräuhaus hat seit gestern am Oktoberfest Hochsaison.

Blut ist dicker als Wasser, sagt man. Wahrscheinlich ist Bier das auch, schaut man sich den Werdegang von Michael Möller an. Beim Sprössling aus der Familie der Hirter Brauereibesitzer war die Karriere als ?Bier-Baron“ vorgezeichnet. Seit 2000 ist er Direktor der kleinsten, aber renommiertesten Brauerei Münchens: dem Staatlichen Hofbräuhaus.

Bevor er Herr über 102 Mitarbeiter und 260.000 Hektoliter Bierproduktion pro Jahr wurde, machte sich Möller mit allen Aspekten des Bier-Geschäftes vertraut. Nach der HTL-Matura und Praktika in der familieneigenen Brauerei wechselte er fürs Studium ins bayerische Weihenstephan. Als Jahrgangsbester schloss er im Brauwesen ab, den technischen Teil der Ausbildung absolvierte er in Freising. Mit diesem Wissen brach er nach Brasilien auf, wo er mit der bayerischen Brautradition auftrumpfte. Als ihn schließlich das Angebot der Hofbräu München ereilte, konnte er nicht Nein sagen: ?Das ist die Münchner Bier-Institution schlechthin. Wir sind weit über die Grenzen Bayerns bekannt, das man als Österreicher mit der Leitung betraut wird, ist eine besondere Ehre.“

Über seine anfänglichen Schwierigkeiten beim Einleben in Bayern kann Möller heute nur mehr lachen: ?Zuerst habe ich viel Norddeutsche kennen gelernt, da dachte ich, in Preußen gelandet zu sein. Heute merken die Bayern aber nur noch an manchen Kärntner Dialektwörtern, dass ich keiner von ihnen bin“, erzählt er mit zünftigem bayerischen Zungenschlag. München ist inzwischen zu seiner Heimat geworden, die er als ?charmant mit Herz und Tradition“ beschreibt. Hier hat er seine Frau kennen gelernt, ein ?echtes Münchner Kindl“. Gemeinsam haben sie zwei Kinder, die für?s Biertrinken noch zu jung sind.

Erstes Bier mit 13

An sein erstes Bier als Kind kann sich der Brauereichef noch erinnern: ?Das muss mit 13 gewesen sein, natürlich mit Erlaubnis der Eltern. Aber dafür schon ein anständiger Schluck.“ Seine Beziehung zu Bier ist eine emotionale, er bevorzugt ?Biere mit Charakter“. Er ist im Brauprozess seiner Firma stark eingebunden, sein Büro liegt genau neben dem des Braumeisters. ?Ich liebe es, mit Geschmäckern zu spielen“, beschreibt er seinen Zugang zum Bierbrauen.

Sein Berufsstand ist in München besonders angesehen. Konzernchefs von Milliardenunternehmen wie Siemens, BMW oder der Telekom ließen sich von ihm schon ein Bier einschenken: ?Als Brauereichef ist man mit solchen Wirtschaftskapitänen im Hofbräuhaus auf Augenhöhe. Das gibt es nur in München.“ Solche bierige Gipfeltreffen stehen dieser Tage für Möller wieder gehäuft an, immerhin hat seine Brauerei beim Münchner Oktoberfest Hauptsaison. Im 10.000-Mann-Zelt der Hofbräu wird er an der ?pulsierenden, einzigartigen Stimmung“ teilhaben – und dabei kein alkoholfreies Bier trinken: ?Das ist der Vorteil wenn man der Brauereichef ist, man hat einen Chauffeur. So macht der Heimweg keine Probleme.“

JOSEF PUSCHITZ

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