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Zuletzt aktualisiert: 06.09.2009 um 05:20 UhrKommentare

Das Glück, der eine von 7000 zu sein

Hörfunkdirektor Willy Mitsche überlebte einen Herzstillstand ohne Schäden. In der Gailtal-Klinik tankt er neue Kraft.

Willy Mitsche überlebte Herzstillstand

Foto © APA/ArchivbildWilly Mitsche überlebte Herzstillstand

Schmal schaut er aus in dem roten Lacoste-Shirt und der schlackernden blauen Trainingshose. Um genau zu sein: zehn Kilo schmäler. "Kein Wunder", sagt Willy Mitsche, "ich bin fast dreieinhalb Wochen künstlich ernährt worden."

An ein Wunder grenzt dafür alles andere, was dem 57-Jährigen seit dem 12. Juni widerfahren ist. Ein geruhsames verlängertes Wochenende daheim in Kärnten hätte es werden sollen für den Hörfunkdirektor. Und dann haut es ihn einfach um. Herzstillstand. Am Freitag nach Fronleichnam. Beim Rasenmähen. "Das Frappierendste für mich ist, dass ich nicht einmal um Hilfe rufen konnte", beginnt er das Gespräch. Wenn es wirklich aus gewesen wäre . . . er hätte es nicht gemerkt. Zufall, dass seine Frau in den Garten hinausschaute und ihn da liegen sah. Zufall, dass die Nachbarssöhne zuhause waren. Zufall, dass die Freundin des einen Krankenschwester ist. "Wenngleich, Zufall ist die in Schleier gehüllte Notwendigkeit", zitiert er Marie von Ebner-Eschenbach und meint: "Die ganze Dramatik hat nur meine Frau mitbekommen und sie hat intuitiv richtig gehandelt." Knapp nach 11 Uhr dürfte er zusammengeklappt sein, um 12 Uhr war er im LKH Klagenfurt. "Der Notarzt dachte, ich sei tot."

Nachrichtensperre

Die dürre Meldung, wonach ORF-Generaldirektor Alexander Wrabetz nach der plötzlichen schweren Erkrankung des Hörfunkdirektors dessen Geschäfte übernommen habe, nährte die wildesten Gerüchte. Was stimmt: Die Ärzte rechneten eine Woche lang mit seinem Tod, baten seine Frau und die Kinder auf das Schlimmste gefasst zu sein. In den folgenden drei Wochen habe es dann geheißen, er würde überleben, vermutlich mit bleibenden Schäden. Willy Mitsche sagt das sehr gefasst, eine Spur von Staunen in der Stimme. Bis auf ein "Ameisengefühl" in der rechten Hand, fehle ihm nichts mehr. Ein implantierter Defibrillator wird einen zweiten 12. Juni verhindern. Bis auf den Gewichtsverlust schaut der Patient Mitsche aus wie immer: "Foto brauch' ma keines." Konsequent und konzentriert, wie es seine Art ist, absolviert er noch bis Ende September in der Gailtal-Klinik in Hermagor seine Therapieeinheiten.

Als Medienprofi, der schon während des Studiums beim ORF arbeitete, weiß er natürlich, dass in den Redaktionen schon die Nachrufe bereitlagen. "Aber es hat nicht sein sollen." Gelesen hat er übrigens keinen. Auch beim Befund hat er w. o. gegeben: "Wenn du liest, dass du auf 33 Grad abgekühlt worden bist und wozu . . . das konnte ich nicht." Dafür hat der Workaholic "als ich wirklich aufgewacht bin, sofort in Wien im Büro angerufen". Beim Gedanken, wie diese Geste bei den Kollegen eingeschlagen hat, muss Mitsche schmunzeln. Was soll's: "Der ORF war immer mein Lebensmittelpunkt", hat er sich 2006 mit der Wahl zum Hörfunkdirektor und der damit verbundenen Übersiedelung nach Wien arrangiert und voll in seine neue Aufgabe hineingekniet: "Ich hab' halt gedacht, ich bin unabkömmlich." Seine Frau habe ihre Lehrverpflichtung am Freitag reduziert, damit sich gemeinsame Wochenenden ausgingen.

"Nachdenklich wirst schon", meint er, wenn der Arzt sagt: "So überlebt das nur einer von 7000." Trotzdem: Im Oktober, nach den Kontrolluntersuchungen, trifft er sich mit Wrabetz. Konkrete Pläne? Nein. Eventuell ein Besuch in Strasbourg - seine Tochter absolviert dort ein Praktikum bei arte. Oder zum Sohn, der an der Uni Barcelona arbeitet. Man wird sehen. Aber vielleicht kann er im Frühjahr wieder seine Runden im Belvedere-Park laufen.

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