Bezirks- und Gemeindesuche
"Jahrhundert-Liebespaar" erhält den Segen Gottes
Ex-Hausfrau Johanna Spiess (79) und Ex-Bauarbeiter Janus Schober (83) besiegelten ihre Bezirksaltenwohnheim-Liebe.

Foto © Schusser
Janus "Johann" Schober und Johanna Spiess haben gestern kirchlich geheiratet. Nichts Ungewöhnliches, wäre die Braut nicht 79, hätte der Bräutigam nicht am Hochzeitstag zugleich seinen 83. Geburtstag gefeiert und hätten sich die beiden nicht erst im Vorjahres- Mai (!) kennen gelernt - im Bezirksaltenwohnheim des Sozialhilfeverbandes Feldkirchen.
Liebespaar.
"Alle sagen: ,Da kommt das Liebespaar des Jahrhunderts' und gönnen den beiden ihr Glück", berichtet Gertrude Thaler, die Tochter der Braut. "Wir sind wie die Turteltauben", ergänzt Schober lachend. Wie jede ordentliche Liebe, haben sie auch Widerstände überwunden, wie Thaler weiß: "Von Anfang an waren sie jeden Abend ,brenteln', konnten voneinander nicht lassen, sind heimlich gegenseitig in ihre Zimmer geschlichen." Sie nennt ihn "Schatzale" oder Mausale", er sagt zu ihr "Mamale" und "mein Puppale". Täglich spazieren sie Hand in Hand ums Haus oder zu Spar für Süßigkeiten, ein "Stiftale Rotwein" für ihn oder ein "Stampale Likör" für sie.
Eifersucht.
Ihr Tagesprogramm - aufgelistet von Tochter Thaler - hat etwas Paradiesisches: "Im Bett Liegen, Essen, ab und zu Fernsehen und Kleine Zeitung Lesen. Sie haben keine Pflichten." Manchmal fordert das Alter sein Tribut und Johanna Spiess fällt das Denken schwer. "Aber wenn er da ist, ist sie geistig fit", sagt die Tochter, "und er schaut so schön auf sie, dass man sich keine Sorgen machen muss." Gelegentlich flackert sogar Eifersucht auf. "Dann ist er böse, wenn sie zu viel mit anderen spricht oder ihnen zuwinkt. Und sie ist genauso."
Hochzeit.
Sonntag Mittag war also die lang ersehnte kirchliche Hochzeit, "damit die Leute nicht mehr fragen, wann wir endlich heiraten". Wer von den 80 Heimbewohnern gehen oder Rollstuhl fahren konnte, war dabei. Es gab Anstecksträußchen, eine festliche Tafel mit Frittatensuppe, Backhuhn und Kartoffelsalat, gefolgt von einer Kaffee-Jause. "Danach wird sich die Mutti wohl niederlegen." Hochzeitsreise gibt's nicht, höchstens einen Hochzeitsausflug ins Gasthaus. Und wie ist das mit der Hochzeitsnacht? Da lacht die Tochter laut auf: "Hochzeitstag? Das haben die zwei doch eh schon jeden Tag!"








