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Tanz zur Spitze ohne Spitzenschuh
Anna Hein (28) tanzte bereits um die halbe Welt. Als einzige Österreicherin im Team geht sie ab Gründonnerstag im Stadttheater Klagenfurt auf "Winterreise".

Foto © PeutzAusdrucksstarke Bühnenpersönlichkeit: Anna Hein vereinigt Charme und tänzerisches Können
Die heiße Zitrone wird kalt. Zuerst muss doch ein Kaffee her. Und eine Zigarette. "Viele Tänzer rauchen," zuckt Anna Hein die Schultern: "Schließlich lebe ich eh so gsund. Mit der vielen Bewegung." Der Hustenanfall klingt zwar nicht gut, ist aber beruflicher Natur: In der "Winterreise" (Premiere am Gründonnerstag) muss sich die Co-Choreographin von Karl Schreiner "als Opfer der Krähe viel am Boden bewegen" der Kunstschnee, vermischt mit Staub macht ihr halt zu schaffen.
Lob für Klagenfurt. "Sonst ist das hier die beste Atmosphäre, die ich bisher an einem Theater erlebt habe," lobt die Spittalerin das Stadttheater Klagenfurt. Gesehen hat die 28-Jährige schon etliche Häuser von innen. Auf die einmalige Chance unmittelbar nach der Matura (Internat in Wien und Staatsopernballettschule) beim Impuls-Tanzfestival "zu arbeiten, zu schauen und zu lernen en masse", folgte gleich ein Engagement am Landestheater Innsbruck. Nach dreieinhalb Jahren zog sie weiter, mit einer Bühnenerfahrung, die "super für meinen Lebenslauf" war.
International. Ein Stipendium teilte sie zwischen Venedig und New York (Trisha Brown Dance Company) auf, in Toronto arbeitete Anna Hein erstmals in einer Filmproduktion ("Lapinthrope") mit, erlebte die intensive Beziehung zwischen Tanz und Kamera.
Immer auf Achse. Heimweh? Nein. Aber ihre "Beziehung in Innsbruck" hat die Trennung nicht überlebt. Das "Talent of the Year" 1999 war praktisch permanent auf Achse: Bei internationalen Festivals in Bilbao, Paris, Lyon, Sao Paolo, Istanbul oder Bregenz, mit Arbeiten am Wiener Tanztheater Homunculus, am Stadttheater Fürth. "Jenseits aller Erdschwere" wurde ihre "Julia" in Kritiken gelobt, ihre "Alma" sei "ein süßer Traum" hieß es. In Kärnten tanzte sie unter anderem an der neuenbühnevillach ("Die roten Schuhe"), zur Eröffnung des Carinthischen Sommers, mit dem "Turm" bei den Internationalen Musikwochen Millstatt oder im Landesmuseum ("Kassandra").
Zweiter Anlauf. Anna Hein gestikuliert lebhaft, schnappt sich die zweite Gauloise, ignoriert die nicht mehr heiße Zitrone. Ihr erster Anlauf an der Staatsopernballettschule dauerte exakt von Mittwoch bis Freitag: "Nach den ersten drei Tagen habe ich meinen Eltern erklärt, ich geh´ da nie wieder hin," litt die Zwölfjährige unter Heimweh. Ein Jahr später zog die kleine Schwester dreier älterer Brüder mit einer Freundin aus der Ballettschule Zechner noch einmal los; und die Sache durch.
Klassische Ausbildung. Die fundierte klassische Ausbildung möchte die im zeitgenössischen modernen Tanz gelandete Anna Hein nicht missen. Die "militärische Organisation" schon. "Dabei hatte ich Glück: Andere Mädchen wurden täglich gewogen und bekamen Diätpläne," war die burschikose "Spätentwicklerin" im Vorteil.
Lebensmittelpunkt Wien. Das einmalige Pech - in Darmstadt sprang ihr der Partner kurz vor der Premiere ins linke Knie und sie musste eine Zeitlang kürzer treten - nutzte das 1,67 Meter große Energiebündel zu einer Schauspielausbildung an der First Film Academy in Wien. Mit dem Ergebnis, dass sie dann selbst als Bewegungspädagogin eingesetzt wurde. Ihr derzeitiger Lebensmittelpunkt liegt in Wien, obwohl sie dort gerade weder tanzt noch unterrichtet. "Stimmt nicht," korrigiert sie sich. "Ich unterrichte ja doch. In einem Pilates-Studio". Sie sei zwar "von Natur aus kein Stadtmensch", habe sich aber vorgenommen, "einmal drei Jahre an einem Ort zu bleiben."
Unter freiem Himmel. "Schade, dass es in Kärnten tanzmäßig nichts gibt," bedauert sie und blättert im Terminkalender: Ein Intensivworkshop in Klagenfurt, Luxemburg, dann Wiederaufnahme von "Ödipus" mit Karl Schreiner, danach Bregenz. Ihre Teilnahme am Klagenfurter "Sommernachtstraum" im September hat sie abgesagt. Da macht sie Urlaub, möchte zum Bruder nach Spanien. Oder nach Kroatien. "Unter freiem Himmel schlafen, mit der Sonne aufstehen und ins Meer hupfen: Das ist es für mich," schwärmt sie. Die Zitrone ist vermutlich längst kalt.
Winterreise. Ballett von Karl Alfred Schreiner. Musik: Franz Schubert/Hans Zender. Premiere: 9. April, 19.30 Uhr, Stadttheater Klagenfurt.








