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Zuletzt aktualisiert: 22.11.2008 um 19:15 UhrKommentare

Eine Frau für "alle Fälle"

Staatsanwältin Carmen Riesinger ist die höchste Strafjuristin des Landes. Sie erhob auch die Anklage gegen jene zwei Hypo-Manager, die nun überraschend Geständnisse ablegten.

Sie steht regelmäßig im Gerichtssaal und damit in der Öffentlichkeit: Staatsanwältin Carmen Riesinger (58). Diese Woche brachte sie mit ihrer Anklage zwei der drei Hypo-Manager zu Fall. Klar, war sie nach den Geständnissen erleichtert, sagt sie. Und wirkt dabei so unaufgeregt, wie in den drei Verhandlungswochen, die nun hinter ihr liegen. Trotz Routine lasse sich aber nicht jeder Fall so leicht weg stecken. "Kindesmissbrauch geht mir immer noch unter die Haut. Wenn einen das nicht mehr berührt, müsste man sich ja selbst hinterfragen", findet Riesinger.

Nahegehende Fälle. Sie vertrat auch die Anklage gegen jene Linzer Mutter, die ihre drei Töchter jahrelang von der Außenwelt abgeschirmt hat. "Das war sehr belastend. Da habe ich sogar von den Kindern geträumt", gesteht sie. Ob sich solche Familientragödien irgendwann vermeiden lassen? Die Antwort kommt ohne zu zögern: "Nein. Das zeigt der Fall Amstetten. Was von der Gesellschaft nicht gesehen wird, kann nicht geahndet werden." Das habe sie gelernt - in jahrzehntelanger, oft harter - Erfahrung.

Erster weiblicher Staatsanwalt. Riesinger war Anfang der 80er die erste Frau Staatsanwalt in Kärnten. Heute sind Damen im Talar Alltag. Doch damals war ein "weiblicher" Staatsanwalt wie eine Sehenswürdigkeit, verraten Riesingers Weggefährten. "Natürlich war ich auf einem großen Prüfstand," bestätigt die Klagenfurterin. "Mein damaliger Chef hat bei Morden oder Rotlicht-Fällen immer gesagt: das ist nichts für Dich. Er hat es nur gut gemeint." Trotzdem war es es der jungen Anklägerin wichtig, ihren Chef vom Gegenteil überzeugen.

MANUELA KALSER

Karriere

Nach Studium und Praktikum in Wien, war Riesinger kurz Richterin in Favoriten. Dann zog es die gebürtige Klagenfurterin mit ihrem damaligen Mann zurück in die Heimat. 1980 wurde sie Richterin in St. Veit, 1982 Kärntens erste Anklägerin. Bis 1987 war sie der einzige "weibliche" Staatsanwalt.

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