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Zuletzt aktualisiert: 27.09.2008 um 20:22 UhrKommentare

Er rettet den Nachlass von 5000 Jahren

Jürgen Steiner schützt fünf Felsmalereien in Australien, die tausende Jahre alt sind - auch deshalb, weil er die Aborigines respektiert.

Zur gleichen Zeit, als Ötzi und seine Stammesgenossen durch die Alpen stromerten, machten sich auf der gegenüber liegenden Seite der Erde, in Nord-Queensland, einige Männer ans Malen. Sie nahmen die Farbstoffe der Natur und zeichneten Tiere, Geburten, Menschen, Tänze, Jagd, ihren Alltag und ihr spirituelles Leben. Nässe und Vandalismus gefährden die Zeugnisse der Menschheit - und dass die Aborigines 90 Jahre lang nicht zu ihren heiligen Stätten durften, wo sie die Bilder über Jahrtausende aufgefrischt hatten. Die Felsmalereien sind vom ewigen Untergang bedroht . . .

Stein-Profi. Wenn Jürgen Steiner (39) über Steine spricht, gerät er ins Schwärmen. Von den 400 gebräuchlichen Sorten, von ihrer Schönheit, ihren Schwächen und vor allem Krankheiten, von denen er sie befreit. Ob 6000 Quadratmeter in einem Grazer Einkaufszentrum, ein paar Dutzend Quadratmeter in den Stadtpfarrkirchen in Klagenfurt und Villach, ob verpickter Lavagestein-Boden oder die Probleme einzelner Fliesenleger: Steiner kennt alle Chemikalien, Methoden und "die Charaktere" der Steine, um ihren Reiz dauerhaft wiederzubeleben und zu erhalten.

Als Einziger Zugang. Diese Fähigkeit, seine Geduld - manchmal bereitet er sich Jahre lang auf ein Projekt vor - und sein Gespür haben dem 39-Jährigen einen sensationellen Auftrag eingebracht. Er soll (und darf) ab November fünf 30.000 Jahre alte Felsmalereien der australischen Ureinwohner vor dem Verschwinden bewahren. "Eines liegt im Tourismusgebiet, und wird immer wieder von Vandalen heimgesucht. Die anderen vier sind den Aborigines heilig, Fremden ist der Zugang verboten."

"Entsetzt". Der "Veredelungstechniker" aus Ebenthal hat mit Experten großer Chemiefirmen geredet - und war entsetzt über deren Ideen: "Die wollten die ganzen Felsen mit Wachs und Ölen überziehen und die Poren füllen. Ich verfestige nur die Malereien, und zwar luftdurchlässig, damit der Fels nicht erstickt. Und sollte der Stein in Jahrhunderten zerfallen, dann kann man die verfestigten Zeichnungen immer abnehmen und sie wie ein Bild und schützen und bewahren."

Nass-Effekt. Die Größe der Aufgabe ist ihm bewusst: "Es wäre unverantwortlich, das zu machen, wenn man nicht genau weiß, was man tut." Deshalb wird er jeden einzelnen Arbeitsschritt mikroskopisch vorab testen und kontrollieren. Er plant, einen Nass-Effekt zu erzeugen, der die Konturen und ursprünglichen Farben hervorholt.

Ehrfurcht. Geholfen hat ihm der Dokumentarfilmer Ferdinand Karl, den die Aborigines schätzen, weil er sich für sie und ihre Kultur einsetzt. Auch Steiner respektiert die Ureinwohner und ihren spirituellen Hintergrund und hat auch selbst einen Draht zum Überrealen. "Das spüren sie wohl, denn vor einigen Monaten bekam ich ein Mail von ihnen, in dem stand, dass ich den Auftrag bekomme - und dass sie wissen, dass ich der Richtige bin. Sie sagten zu mir ,the spirit goes around the world', ,der spirituelle Geist geht um die ganze Welt'". Und in der Tat empfinde er angesichts der alten Kultur "Liebe, Respekt, ja sogar Ehrfurcht".

Analyse.Im November fliegt Jürgen Steiner nach Australien, um die kostbaren Felsen zu analysieren.Im Mai wird's Ernst!

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