Bezirks- und Gemeindesuche
Der Kochlöffel hilft beim Du zum Wähler
Auf seiner Wahlkampftour will FPÖ-Spitzenkandidat Mario Canori im direkten Gespräch mit den Wählern sein eigentliches Ich beweisen. Er verteilt Kochlöffel - wie einst Jörg Haider.

Foto © Helmuth WeichselbraunMario Canori als "Super-Koch" beim Villacher Fasching
Hauptplatz Feldkirchen, 10 Uhr. Letzten Samstag musste man beim Bummel durch den Wochenmarkt feststellen: Hier gibt es mehr Faschingskrapfen als Leute unterwegs sind. Eine halbe Stunde später ist Mario Canori da, zieht samt jungem Wahlkampftross und Bezirkskandidatin Gudrun Krametter ("Die Zukunft ist weiblich", sagt er mehrmals) seine Runde.
Das "Du" gewöhnt. "Hallo, darf ich Dir einen Kochlöffel geben", geht er direkt auf die Feldkirchner zu. Der Kochlöffel entpuppt sich - so wie vor Jahren bei Jörg Haider als geniales Wahlkampfgeschenk. "Zum Umrühren in der Politik", "Bitte nicht gegen den Ehemann einsetzen" oder "Kochst Du?" lauten die Startvarianten für Small talk. Inhalte über Soziales, Ausländer oder Ortstafeln gibt es nicht. Das DU kommt Canori locker über die Lippen. Er musste sich erst darauf einstellen. "Doch die Kärntner sind's gewöhnt", sagt er. Das "vom Jörg" bleibt unausgesprochen.
Freiheitliches Feldkirchen. Feldkirchen ist ein gutes freiheitliches Pflaster. Mit 48,3 Prozent lieferte der Bezirk bei der Landtagswahl 2004 das deutlich beste FPÖ-Ergebnis kärntenweit, das Landes-Resultat lag bei 42,4. Diesmal sind viele Fans von SPÖ-Bürgermeister Robert Strießnig mit roten Schals unterwegs. Kochlöffel gibt es auch für sie. "Nach der Wahl müssen eh alle zusammen arbeiten", kommentiert eine SPÖ-lerin. "Der ist eh sympathisch", meint ein älterer Herr nach einem kurzen Gespräch mit (Fußball-Präsident) Canori darüber, "ob's der SK Austria Kärnten finanziell packen wird". Canori weiß: "Ich gelte als versnobbt, eingebildet, unsozial. Mein Nachteil ist der kurze Wahlkampf. Wenn ich persönlich auf die Leute zugehe und mit ihnen reden kann, nehmen sie mich ganz anders wahr."
Neid und Verständnis. Viele könnten es gar nicht glauben, dass er seit 20 Jahren verheiratet ist, drei Kinder hat "und eigentlich total wertkonservativ ist". Schwarz gekleidet und mit Gel in den Haaren, so ist Canori auch in Feldkirchen unterwegs. Dass er Porsche fährt, würde die junge Klientel verstehen ("er hat's eben zu etwas gebracht"), bei Älteren registriert er oft Neid.
Motivation. Die Worte seines Mentors Jörg Haider hat er im Ohr: "Wer Canori kennt, wählt Canori." Das motiviert in Phasen wie diesen. Ein desaströses Ergebnis wie bei der Bürgermeisterwahl 2003 in Klagenfurt will er nicht noch einmal erleben. Motivierend ist auch das Horoskop, das Canori vor Jahren bekam. Mit 44 erzielt er seinen Lebenshöhepunkt. Noch ist er 44. Am 15. März wird er 45.





