Bezirks- und Gemeindesuche
Holub: Die vielen bösen Briefe machen mich traurig
Die Kleine Zeitung bringt vor den Kärntner Wahlen Interviews mit den Spitzenkandidaten der Kärntner Landesparteien. Heute: Rolf Holub.
Sherlock Rolf Holub, wem oder
was sind Sie und die Kärntner
Grünen auf der Spur?
ROLF HOLUB:
Wir schauen der Re
gierung auf die Finger. Das ma
chen wir seit fünf Jahren.
Sie haben vor Monaten einen pau
schalen Korruptionsvorwurf ge
genüber den Kärntner Regierungs
parteien erhoben. Welche Reaktio
nen haben Sie geerntet?
ROLF HOLUB: Keine Entrüstung, keine
Entgegnung, gar nichts. Es bleibt
unwidersprochen, wenn ich im
mer wieder sage, dass die Groß
konzerne die Politiker bezahlen.
Können Sie Politiker oder Fir
men namentlich nennen?
ROLF HOLUB:
Wenn Entscheidungen lo
gisch nicht nachvollziehbar sind,
schaue ich, wem nutzt es. Folge
der Spur des Geldes und du wirst
es wissen. Baukonzerne sagen
selbst, so und so viel Prozent sind
zu spenden, damit man etwas
kriegt. Solange die Parteien ihre
Förderungen nicht offenlegen,
werde ich den Verdacht nicht los.
Kärnten ist das Land mit
den meisten Untersu
chungsausschüssen. Politische
Konsequenzen gibt es nie. Wie
frustrierend ist das?
ROLF HOLUB: Dadurch, dass bei uns Po
litiker keine Konsequenzen zie
hen, ist alles wurscht. In den Nie
derlanden ist eine Ministerin zu
rückgetreten, weil sie die Rund
funkgebühr nicht gezahlt hat. Das
wäre bei uns undenkbar. Da
könntest alles nicht zahlen.
Sie haben sich auch besonders
der Landesfinanzen angenommen
und eine Schulden-Uhr installiert.
Was zeigt sie jetzt an?
ROLF HOLUB: Die ist ans Ende gekom
men, sie hat eine Kommastelle zu
wenig. Die Kärntner Schulden
sind beispiellos in Österreich.
Wer ist dafür verantwortlich?
ROLF HOLUB: Rot und Orange haben den
Voranschlag gemacht. Orange
und Schwarz den Nachtragsvor
anschlag. Den Rechnungsab
schluss hat dann keiner gemacht.
Keiner übernimmt die Verant
wortung, aber jeder kriegt Geld.
Das Zukunftsprogramm der
Grünen für Kärnten?
ROLF HOLUB: Landeshaushalt sanieren.
Mein Vorschlag ist, dass sich alle
Parteien mit Experten an einen
Tisch setzen, Konzepte erarbei
ten und einen Finanzvertrag un
terschreiben, mit dem sie sich
verpflichten. Das Finanzreferat
muss aus oranger Hand genom
men werden, weil die können es
ja nicht. Unser zweites Anliegen
ist es, die Abwanderung zu stop
pen. Mit Kinderbetreuung, öf
fentlichem Verkehr und der Job
situation muss man Vorausset
zungen schaffen, dass die Kärnt
ner - sie gehen eh nicht gerne
weg - da bleiben.
Sie haben in den letzten Wochen
mit Ihrem Engagement für die
Asylanten von der Saualm einer
seits Hochachtung, andererseits
sehr viel Kritik . . .
ROLF HOLUB: . . . böse Briefe, böse Anru
fe geerntet, das habe ich noch nie
gehabt. Das macht einen schon
traurig und betroffen.
Der aktuelle Status?
ROLF HOLUB: Das Aktionskomitee trifft
nächste Woche mit den Unter
kunftsgebern zusammen. Ziel ist
es, das Thema bis nach der Wahl
aus der politischen Schusslinie
herauszunehmen. Und mein Ziel
ist es, dass die Menschen wieder
in die Grundversorgung kommen
und man sie nicht auf einen Platz
zwingt, von dem sie wieder
flüchten müssen.
Asylanten können sich das
Quartier aber nicht aussuchen.
ROLF HOLUB: Eh nicht, aber ich habe mir
auch nicht ausgesucht, dass sie
flüchten. Das Heim auf der Sau
alm ist ein Murks. Landeshaupt
mann Gerhard Dörfler redet den
Leuten ein, wir haben so viele kri
minelle Asylwerber. Auf der an
deren Seite hat er so wenig, dass
er sie aus Traiskirchen nachbe
stellen muss. Das ist passiert. In
Wirklichkeit geht es in Kärnten
um vier bis sechs Personen.
Auch die FPÖ will am Wähler
kuchen mitnaschen. Was bedeutet
das für die Grünen?
ROLF HOLUB: Es war nicht zu erwarten,
dass vom orangen Kuchen die
Grünen die Brösel kriegen, da
sind schon andere Vögel, die das
aufpicken und einer davon ist
Mario Canori.
Läuft es auf einen Lagerwahl
kampf rechte Parteien gegen linke
Parteien hinaus?
ROLF HOLUB: Ich bekenne mich zu dem
Lager, das nicht in der Regierung
ist. Wirkliche Farben merkt man
bei der ganzen Packelei der Re
gierungsmitglieder nicht. Rechts
von mir sind vier Parteien, und
ich bin in der Mitte.
Haben Sie Angst aus dem Land
tag zu fliegen?
ROLF HOLUB: Wenn ich jetzt, nach fünf
Jahren harter Arbeit weniger
Stimmen kriege als vorher, dann
muss ich Konsequenzen ziehen.
Wenn sich im Landtag die Frage
stellt, oranger oder roter Landes
hauptmann, wen werden die Grü
nen wählen?
ROLF HOLUB: Als Gegenspieler zu
Rechtsparteien würde es mir
schon sehr schwer fallen, einen
rechten Landeshauptmann zu ha
ben Der aufrechteste wäre aber
der Holub.





