Bezirks- und Gemeindesuche
Oranger Aufreger und schwarzer Knüller
Erster Auftritt von Dörfler im Kreise der Landeshauptleute. Martinz-Wahlzuckerl lautet: "1000 Euro für jede Mutter"

Foto © KLZ
Das ist ein Wahlkampf! Bis auf das Format oder besser, das fehlende Format von Landeshauptmann Gerhard Dörfler für sein hohes Amt, gibt es bisher kein anderes heftig debattiertes Thema. Bald muss man Mitleid mit ihm bekommen, wenn sogar aus harmlosen Wahlkampf-Auftritten "Grapscher"-Vorwürfe konstruiert werden. Julia Schaar, die Obfrau der Jungen ÖVP, hat zum Schutz vor "Fehlgriffen Dörflers" T-Shirts mit der Aufschrift "Finger weg, Herr Landeshauptmann" bedrucken lassen.
"Witzfigur"
Überregionale Medien haben ihn zur "Witzfigur" gestempelt. Mit sichtbar gemischten Gefühlen, wie Beobachter genau registrierten, trat Dörfler deshalb in Wien bei seiner ersten Landeshauptleutekonferenz auf. Der Vorsitzende, Wiens Bürgermeister Michael Häupl, thematisierte Dörflers "Negerwitz" aber nicht. Er hatte dies im Vorfeld angekündigt. Die anderen Landeshauptleute begegneten ihrem Kärntner Amtskollegen freundlich und mit dem Tiroler Landeshauptmann Günther Platter als Tischnachbar beim Essen konnte Dörfler endgültig entspannen.
Weit hergeholt.
Dass er dem Landespressedienst diktierte, er habe "in Wien die strenge Kärntner Asyl-Linie durchgesetzt", war aber weit hergeholt. Sein Bericht über das Saualm-Projekt wurde von den anderen zur Kenntnis genommen, weder "bejahend, noch verneinend", wie es aus der Sitzung hieß.
Mindestsicherung.
Dörfler in das Gewissen zu reden versuchte Häupl in Hinblick auf die Mindestsicherung. Die bundesweite Einführung ist blockiert, weil der Kärntner Landeshauptmann - erst Jörg Haider, jetzt Dörfler - die Unterschrift unter die 15a-Vereinbarung verweigert. Die Mindestsicherung sei zur Armutsbekämpfung dringen notwendig, sagte Häupl. "Auf der Humor-Ebene werden wir das nicht schaffen", spielte er dann doch auf Dörflers Witze an. Die Blockadepolitik wurde früher von Haider und wird jetzt von Dörfler damit begründet, dass die Kärntner Mindestsicherung das bessere Modell, familien- und kinderfreundlicher sei.
Erinnerung.
Zur Erinnerung: sie wurde nach zähem Kampf von der früheren, vom BZÖ viel geschmähten, SPÖ-Chefin und Sozialreferentin Gaby Schaunig durchgesetzt. Die jetzige Sozialreferentin Nicole Cernic hat für die Blockade kein Verständnis: "Kärnten kann doch seine bessere Regelung beibehalten", sagt sie. Bundeskanzler Werner Faymann hofft auf eine Zustimmung Kärntens nach der Landtagswahl am 1. März.
"Knüller".
Mit einem "Knüller" im Wahlkampf will die ÖVP aufwarten. Parteichef Josef Martinz hat ihn in der "Streitkultur" von Radio Kärnten schon ausgeplaudert, nur blieb er völlig unbeachtet. Der neue schwarze "familienpolitische Meilenstein" lautet "1000 Euro für jede Mutter". Der Frauen-Tausender ist aber kein Gegenstück zum Jugend-Bargeld-Tausender des BZÖ. Vielmehr sollen das Einkommen und alle einer Frau mit Kindern zustehenden öffentlichen Leistungen (Kindergeld, Familienbeihilfe, Minderstsicherung usw.) zusammengezählt werden. Die Differenz auf 1000 Euro netto soll das Land drauflegen. Martinz will dafür den "Zukunftsfonds" öffnen.
Beste Wahlhilfe.
Und die SPÖ? Offenbar hält sie sich an den - nicht ernst gemeinten - Ratschlag eines Beobachters, sie solle gar nichts tun und Dörfler gewähren lassen, er sei die beste Wahlhilfe für sie. Parteichef Reinhart Rohr zeigt sich unbeirrt: "Wir stehen voll im Wahlkampf und sind ständig unterwegs. Ich habe ein klares Programm und kommentiere die politischen Gegner nicht". Diese Woche versammelte die SPÖ in allen Bezirken die Pensionisten, gestern machte Rohr Hausbesuche in Rosenbach. Die als Querschuss gegen die eigene Partei angelegte Kandidatur von Ewald Wiedenbauer in Klagenfurt hat in der SPÖ nahezu keine Reaktionen ausgelöst - "nur befremdendes Kopfschütteln", so Rohr.





