Bezirks- und Gemeindesuche
Mit "kopflosem" Klinikum kokettiert
Die Differenzen beim Budget sind nur ein Vorwand: Hinter der Neuausschreibung zweier Chefposten im Klinikum Klagenfurt steht der Griff von FPK und ÖVP nach der totalen Macht im Spitalswesen.

Foto © EggenbergerPeter Kaiser (rechts) steht hinter Herwig Wetzlinger: "Letzter Know-how-Träger"
Rot, das ist unter dem Dach der Kabeg derzeit gleichbedeutend mit beruflich tot. Für diese Punzierung reicht bereits eine Führungstätigkeit in der Ära des von der Landesregierung mit dem höchsten Kärntner Orden ausgezeichneten Kabeg-Vorstandes Franz Sonnberger - siehe das Schicksal etwa von Hans Marhl, der vom (interimistischen) Vorstandsvize und Finanzchef zum Stabsstellenleiter degradiert wurde. Die Finanzabteilung leitet seit November der Mittdreißiger Martin Payer, der seine Brötchen im Magistrat Klagenfurt und als stellvertretender ÖVP-Klubdirektor verdiente. Der gesuchte internationale Finanzfachmann ist er definitiv nicht. Daher überrascht, dass FPK und ÖVP ihm jetzt sogar die Stellvertretung von Kabeg-Vorstand Ines Manegold anvertrauten. Mit einem Gehalt von über 10.000 Euro, das angesichts der bisherigen Karriere Payers die höchste Lehrlingsentschädigung in Kärnten ist.
Gemeinsames Büffeln
Dass er gemeinsam mit Manegold für die Jagdprüfung büffelt, hat hoffentlich nichts mit der beruflichen Jagdlust zu tun, welche der Kabeg-Chefin nachgesagt wird. Groß im Visier: die Sonnberger-Entdeckung Herwig Wetzlinger, aktuell Betriebsdirektor des Klagenfurter Klinikums. Das deckt sich auffällig mit den Intentionen ihres Mentors und Kabeg-Aufsichtsratschefs Kurt Scheuch (FPK), der Wetzlinger seit Langem mit einem medialen Trommelfeuer eindeckt. Schon 2008, in der Ära Dieter Mandl, war ein Kesseltreiben gegen den Klinikums-Manager initiiert worden. Der integre Wetzlinger konnte nach monatelanger Abberufung aber hoch erhobenen Hauptes ins Amt zurückkehren. Nach neuerlichen Anwürfen durfte er sich erst im November über Rückendeckung des Landesrechnungshofes freuen, dessen Chef Heinrich Reithofer dem von Wetzlinger maßgeblich vorangetrieben "LKH neu" eine sehr professionelle Abwicklung attestierte. Freitag stellte die politisch gefärbte Kabeg-Expertenkommission jedoch die Weichen, um Wetzlinger (und Pflegedirektor Siegfried Ruppnig) tatsächlich hinausschießen zu können. Ihre Posten werden, unter dem Vorwand von unüberbrückbaren Differenzen beim Budget, als Einzige im LKH-Bereich neu ausgeschrieben. Sogar eine sofortige Abberufung der beiden stand im Raum. Dafür war man bereit, ein "kopfloses" Klinikum zu riskieren. Erst Spitalsreferent Peter Kaiser (SPÖ), als Regierungskommissär nur "Zuhörer", konnte den Experten klar machen, was eine komplette Interimsführung (im Oktober wurde Med-Chef Matthias Angrés unter umstrittenen Umständen gefeuert) in der derzeitigen Lage für das erst im Mai eröffnete Großspital bedeuten würde.
"Böses" Spital
Im Vorfeld der Geschehnisse hatte Manegold den Boden via Inserat argumentativ aufbereitet, indem sie das Klinikum als "böses" Spital und die vier anderen LKH als "gute" Spitäler vorführte. Kaiser spricht von einem Versuch der "Entsolidarisierung" und kündigte an, sich schützend vor die Mitarbeiter zu stellen.
Schutz könnte sich demnächst vielleicht Manegold selbst wünschen, die ihren "Erfindern" langsam unheimlich werden soll. Heißes Gerücht: Sie wandert als kaufmännische Chefin ins Klinikum und zum Kabeg-Vorstand wird Albert Kreiner (Vorsitzender der Expertenkommission) befördert.
Ein Regierungsmitglied, das Werbebriefe an Bürgermeister und Sozialeinrichtungen schreibt und irgendwelche Produkte anpreist, begibt sich auf bedenkliches Terrain. Gänzlich unvereinbar wird es, wenn Parteifreunde die Begünstigten der Aktion sind. Sozialreferent Christian Ragger (FPK) hat sich diesen Fehltritt geleistet. Für die Sozialsprecherin der SPÖ, Landtagsabgeordnete Ines Obex-Mischitz handelt es sich um eine "unerträgliche Vermengung von Regierungsarbeit und Parteipolitik". Sie hat am Freitag, wie in der Vorwoche angekündigt, Anzeige gegen Ragger wegen des Verdachtes des Amtsmissbrauchs und verbotener Intervention erstattet.


















