Es ist nie zu spät für den Abschluss
Aus verschiedenen Gründen beenden jährlich 300 bis 400 Jugendliche ihre Schulkarriere ohne einen Abschluss. Ab Oktober kann man diesen an der Volkshochschule nachholen.

Foto © KLZ/WeichselbraunMarcela Schöffmann (links oben) will Pflegerin werden, Martina Rattich (rechts oben) will einen Friseursalon, Amin Habibi (links unten) flüchtete aus Afghanistan, Markus Edlmann (rechts unten) geht wieder zur Schule
Jährlich beenden 300 bis 400 Jugendliche ihre Schulkarriere ohne einen Abschluss. Die Gründe sind vielfältig (siehe Beispiele): Probleme in der Familie, Mobbing in der Schule oder Drogenprobleme. Wenn dann die Krise überwunden ist, bereut so mancher seine Entscheidung. Da setzt die Volkshochschule Kärnten an. Denn dort kann man seinen Hauptschulabschluss nachholen.
Mit 13 die Familie ernährt
Von einer unbeschwerten, idyllischen Kindheit in der rumänischen Kleinstadt Hunedoara kann Marcela Ramona Schöffmann nicht berichten. Ihre Familie war bitterarm und jedes Kind - insgesamt waren es acht - musste schon früh arbeiten gehen. "Unsere Mutter war auf sich alleine gestellt", sagt Schöffmann, die ohne Vater aufgewachsen ist. "Wir waren ihre einzige Hilfe."
Und so kam es, dass Schöffmann mit 13 Jahren die Familie finanziell zuerst als Babysitterin, dann als Kellnerin und schlussendlich als Näherin in einer Schuhfabrik unterstützte. Ihr Schulabschluss blieb dabei auf der Strecke. Erst nachdem sie mit 23 Jahren einen Kärntner heiratete und zu ihm nach Wernberg zog, hatte sie die Möglichkeit, wieder zur Schule zu gehen. Denn ohne Hauptschulabschluss hätte die heute 31-Jährige niemals die Ausbildung für ihren Traumberuf beginnen können.
Die junge Witwe - ihr Mann verstarb unerwartet im Februar - besucht jetzt die Caritas-Schule für soziale Berufe in Klagenfurt. Nach ihrem Abschluss will die Mutter eines sechsjährigen Sohnes ältere Menschen pflegen.
Nach Krise durchgestartet
Martina Rattich fehlte nicht mehr viel zum Hauptschulabschluss, doch die familiäre Situation zwang die Klagenfurterin vor zwei Jahren in die Knie. Darüber reden möchte die heute 17-Jährige nicht. Nur so viel, sie schloss die neunte Schulstufe mit Fünfern in Geometrisch Zeichnen sowie Chemie und Physik ab. Und damit gab es keinen positiven Hauptschulabschluss für sie.
Vergangenes Jahr holte sie innerhalb von nur drei Monaten das Versäumte nach. "Gott sei Dank habe ich mich dazu durchringen können, die Schule doch abzuschließen", sagt die 17-Jährige, die sich zur Friseurin ausbilden lässt. "Mir gefällt der Beruf deshalb so gut, weil ich kreativ sein kann. Außerdem arbeite ich gerne mit Menschen und da habe ich die Möglichkeit dazu."
Rattich ist bereits im zweiten Lehrjahr, hat noch eines vor sich, will anschließend ihren Meister machen und einen eigenen Friseursalon aufmachen. "Das Schönste ist einfach, wenn man sein eigener Chef sein kann", sagt Rattich, die in ihrer Freizeit gerne mit ihrem Florian zusammen ist.
Chance, Deutsch zu lernen
Sein Bruder war zur falschen Zeit am falschen Ort und kam bei einer Schießerei ums Leben. Auch Amin Habibi war in seinem Heimatland Afghanistan in Gefahr und flüchtete vor dem Krieg. Vor zwei Jahren und ohne seine Ehefrau kam der Anglistik-Student nach Wolfsberg. Jetzt hofft der 22-Jährige, dass er einen positiven Asylbescheid bekommt, bald in Kärnten arbeiten darf und dann auch seine Frau nachholen kann.
Doch bis es so weit ist, lernt Habibi fleißig deutsch. "Leider gibt es keine richtigen Sprachenkurse für Asylwerber", bemängelt Habibi, der sich mithilfe von Hörbüchern Deutsch beibringt. Aber auch die Möglichkeit, den Hauptschulabschluss an der Volkshochschule zu machen, hilft ihm schneller die fremde Sprache zu verstehen und auch schreiben zu können. Außerdem hofft er, dass er mit dem Abschluss bessere Berufschancen in Kärnten hat. Und das, obwohl er bereits in Afghanistan die Schule besuchte und sogar studierte.
Aber vielleicht kann er ja bald an der Klagenfurter Uni weiterstudieren - das würde Habibi sich wünschen.
Die Motivation war weg
Eines Tages hatte Markus Edlmann einfach keine Lust mehr, zur Schule zu gehen. Er war sogar so selten in der Schule, dass am Jahresende manche Lehrer dachten, er sei ein neuer Schüler in der Klasse. Auslöser mag vielleicht der Umstand gewesen sein, dass der Maria Rainer zum dritten Mal eine Klasse im Gymnasium wiederholte und sein Zeugnis nur so mit schlechten Noten zugepflastert war. "Das hat mich alles überhaupt nicht mehr interessiert", sagt der 17-Jährige, der dann, ohne die neunte Schulstufe positiv abgeschlossen zu haben, eine Lehre als Dachdecker anfing. "Dazu brauchte ich kein positives Zeugnis, der Lehrherr war mit meiner Leistung zu frieden." Aber auch da verlor Edlmann nach nur kurzer Zeit das Interesse und schmiss die Lehre hin - sehr zum Ärgernis seiner Eltern. "Doch sie konnten da gar nichts machen", sagt Edlmann.
Wie es zu seinem Sinneswandel kam, kann der 17-Jährige sich selbst nicht so recht erklären. Auf alle Fälle machte er bei der Volkshochschule seinen Schulabschluss nach. "Plötzlich hatte ich nur noch Einser", erzählt Edlmann, "da war ich wieder motiviert und das Lernen machte richtig Spaß."
Sogar so sehr, dass der leidenschaftliche Sportkletterer seit dieser Woche wieder die Schulbank drückt: Edlmann besucht in Klagenfurt die HTL Mössingerstraße mit dem Schwerpunkt Elektrotechnik und technische Informatik.
Features
Infotage
20. 9.: Villach, 15 Uhr, HS Lind; 27. 9.: Wolfsberg, 15 Uhr, HS St. Stefan; 4. 10.: Spittal, 15 Uhr, Strobl-Schulzentrum.








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