"Denn an die Opfer soll man sich erinnern"
Studenten streben Gedenkstätte für Gailtaler Opfer des Nationalsozialismus in Hermagor an. Betroffen waren vor allem Kärntner Slowenen.

Foto © KleinsasserDaniel Jamritsch setzt sich für ein Denkmal für Nazi-Opfer im Gailtal ein. Stehen könnte es hier im Friedenspark
Kriegerdenkmäler gibt es viele in Oberkärnten - zum Gedenken an jene, die im Kampf ihr Leben verloren und so ihre Liebsten zurückgelassen haben - egal, ob aus Überzeugung in den Krieg gezogen oder unter Androhung der Todesstrafe dazu gezwungen. An die anderen Opfer, die unter dem Regime der Nationalsozialisten zu leiden hatten, denen man das Recht auf Leben absprach, erinnert kaum ein Denkmal. Ihre Hinterbliebenen haben oft keinen Platz, an dem sie an Schicksal und Mut ihrer Vorfahren erinnern können. Ihre Geschichten geraten in Vergessenheit. Daniel Jamritsch, Bernhard Gitschtaler und Robert Lasser wollen diese erinnerungskulturelle Schräglage nun gemeinsam mit Hans Haider vom Verein "Erinnern" ändern.
"Wir streben die Errichtung eines Denkmals in Hermagor an, um den Opfern den Platz in der Gesellschaft zu geben, den sie verdienen, nämlich sie auf gerechte Weise zu würdigen und endlich ein öffentliches Gedenken an Widerstand und Verfolgung zu schaffen", erklärt Jamritsch, der sich im Zuge seines Publizistik-Studiums mit dem Thema Nationalsozialismus im Gailtal befasst und mit Bernhard Gitschtaler ein Buch zu diesem dunklen Kapitel erarbeitet.
Totgeschwiegen
Denn die Geschehnisse von damals haben zum Teil noch Auswirkungen auf die Gegenwart: "Da sich Opfer und Täter hier auf dem Land meist kannten, ist die schwierige Vergangenheit noch heute oft durch abgekühlte oder abgebrochene Familien- und Nachbarschaftsverhältnisse spürbar. Im Gailtal herrscht leider immer noch eine einseitige Erinnerungspolitik. Vielleicht hilft eine wissenschaftliche Aufarbeitung bisher totgeschwiegener Geschichte", sagt Jamritsch, der beim Durchforsten von Archiven, Bibliotheken und Polizeichroniken auf berührende Schicksale stieß und auch Zeitzeugen befragte: "Da galt es vorsichtig sein, um nicht alte Traumata wieder aufzubrechen."
Kultur verschwand
Die größte verfolgte Gruppe im Gailtal waren die Kärntner Slowenen. "Noch aus dem Abwehrkampf herrschte eine stark antislawische Haltung, die durch NS-Propaganda verstärkt wurde und zum Verbot slowenischer Sprache 1938 führte. Slowenen wurden pauschal als Partisanen und Mörder denunziert. Wer sich nicht zwangsassimilieren ließ oder auswanderte, wurde deportiert. War 1934 noch die Hälfte der Egger Bevölkerung slowenischsprachig, sind es heute nur noch ganz wenige. Damit verschwand auch ein Teil Gailtaler Kultur", erklärt Jamritsch.
Ein Denkmal soll den Opfern nun Anerkennung zollen. Jamritsch: "Der Friedenspark in Hermagor wäre ein idealer Ort. Die Gedenkstätte soll ja öffentlich zugänglich sein. Zur Finanzierung gäbe es einen Fonds der Republik Österreich für Nazi-Opfer."







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