Das Trinkwasser sollte abgekocht werden
Die heftigen Unwetter von Montagabend lösten auch Muren aus - 24 Feuerwehren im Bezirk waren im Einsatz. In der Stadt Spittal ist das Trinkwasser verschmutzt. Dort "läuft" Notfallplan.

Foto © Riebler
Die schweren Gewitter von Montagabend haben im Bezirk Spittal zahlreiche Spuren hinterlassen. Die großflächigste Auswirkung gab es in der Stadt Spittal: Die extrem starken Niederschläge im Gmeineckgebiet haben die Wasserversorgung der Lieserstadt in Mitleidenschaft gezogen.
Dienstag meldeten Bewohner der Stadt, dass ein geringer Wasserdruck vorherrsche. Bald darauf wurde gemeldet, dass das Wasser sandig schmecken würde. Bei genauer Kontrolle seitens des Wasserwerkes wurde "eine leichte Trübung des Wassers festgestellt. Vermutlich gab es in der Nacht bei der Wasserversorgung aus der Gmeineckquelle oder deren langer Zuleitung zur Stadt Einspülungen", erklärte Bürgermeister Gerhard Köfer. Der vorgesehene Notfallplan wurde sofort aktiviert, die betroffene Zuleitung vom Netz genommen und der Tiefbrunnen im Süden der Stadt verstärkt zur Wasserversorgung aktiviert. Zehn Mitarbeiter des Wasserwerkes begaben sich auf die "Leck"-Suche, Leitungen und Hochbehälter werden durchgespült und gereinigt. Als sofortige Vorsichtsmaßnahme wurde der Bevölkerung dringend empfohlen, das Trinkwasser vor Gebrauch mindestens drei Minuten abzukochen. Ob das Wasser mit Bakterien verseucht ist, wird erst das Ergebnis der Wasseruntersuchung heute Mittag zeigen.
Schon Dienstagvormittag musste die Feuerwehr Spittal für das Krankenhaus Spittal Wasser liefern. Kommandant Johannes Trojer: "Dieses wurde für die Dialyseabteilung angefordert." Zu Mittag wurde deren Betrieb geschlossen. Der medizinische Direktor, Gerald Bruckmann, sagt: "Wir haben sofort alle Vorsichtsmaßnahmen für unser Haus und unsere Patienten getroffen, bis alles geklärt ist, setzen wir Trinkwasserpakete aus Villach ein."
Der Krisenstab der Stadt tagt laufend, vielfach auch mit jenen in anderen Institutionen, wie dem im Krankenhaus.
Überschwemmungen
Wehren kämpfen gegen Wassermassen
Im Oberen Drautal verursachten die starken Regenfälle in den Gemeinden Oberdrauburg und Dellach kleinräumige Überschwemmungen. In Dellach mussten einige Zelte evakuiert werden. Zugleich gab es eine Suchaktion von sieben Wehren zwischen Oberdrauburg und Greifenburg, die nach einer angeblich in der Drau treibenden Person suchten. In der Gemeinde Lurnfeld drohte im Ort Pattendorf der Katauner-Bach über die Ufer zu treten - 30 Feuerwehrmänner konnten zwei bedrohte Gebäude sichern.
Zu zahlreichen kleineren Murenabgängen musste die FF Bad Kleinkirchheim ausrücken. Kommandant Michael Sappl: "Wir waren fast fünf Stunden im Einsatz, mussten einige überflutete Keller auspumpen, mehrere Gemeindestraßen sperren, weil diese von den Wassermassen und kleinen Muren überflutet wurden." Betroffen waren die Ortsteile Kleinkirchheim, Bach und Zirkitzen, in denen die Oberflächenwasser nicht mehr den normalen Weg ins Tal fanden.
Wohnhaus gerettet
Abgesehen vom Wasserproblem gab es in Spittal Montagabend auch einen Blitzschlag in Molzbichl. Dadurch entstand im Mehrparteienhauses "Alte Schule" starke Rauchentwicklung, weil der Blitz durch die Elektroanlage ins Haus drang. Durch das rasche Eingreifen der Feuerwehren Olsach/Molzbichl, Spittal und St.Peter/Edling mit 91 Mann konnte ein Brand verhindert werden. Verletzt wurde niemand, die Elektroinstallation im Haus wurde aber erheblich zerstört.
Im Astner Moos Auto verschüttet
Am frühen Montagabend zog eine Gewitterzelle übers Obere Mölltal. Im Bereich des Astner-Moos (Gemeinde Mörtschach) waren die Niederschläge so intensiv, dass das Naturjuwel überflutet wurde. Zwei Bäche traten über die Ufer, der Gösselbach riss ein in fast 1900 Meter Seehöhe abgestelltes Auto einer holländischen Urlauberfamilie ein Stück weit mit. Das Auto wurde von Schlammmassen bis in Höhe der Türgriffe verschüttet. Personen kamen nicht zu Schaden, weil die Urlauber in der Lindler-Hütte weilten. Georg Auernig, Kommandant der FF Mörtschach, sagt zum Einsatz mit 15 Mann: "Wir mussten zahlreiche Wegstücke frei machen und zwei unterspülte kleine Brücken sperren."
Features
Fotoserien
Trinkwasser in Spittal
Einspeisung. Das Trinkwassernetz der Stadt Spittal wird von drei Einspeiseleitungen versorgt: aus dem Gmeineckgebiet, unterhalb des Goldecks und aus einem Tiefbrunnen.
Größe. Die Leitung vom Gmeineckgebiet ist die größte Zuleitung. Das Quellgebiet liegt in etwa 1800 Meter Seehöhe, hat eine Schüttung von bis zu 150 Litern pro Sekunde. Die Zuleitung ist über zehn Kilometer lang.
Stadtgemeinde. Am Trinkwassernetz hängen rund 4000 Haushalte; zudem gibt es noch kleine (landwirtschaftliche) private Wasserversorgungen.
Zustand. Das Trinkwasser ist derzeit leicht getrübt - durch Sand, der sich am Boden von Behältnissen sammelt.
















