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Zuletzt aktualisiert: 15.11.2010 um 05:10 UhrKommentare

Front gegen 220-kV-Leitung

Im Gailtal fliegen die Funken: Über die vielen alternativen Energieerzeugern freut man sich - doch eine Stromleitung nach Italien regt auf.

Kötschachs Bürgermeister Hartlieb ist dagegen; Energieerzeuger Klauss will alternativen Strom-Grenzübergang

Foto © Gleiss (2)Kötschachs Bürgermeister Hartlieb ist dagegen; Energieerzeuger Klauss will alternativen Strom-Grenzübergang

In Kötschach-Mauthen ist man stolz. Hier gab es Kärntens erstes Stromnetz - lange bevor in den "Großstädten" Villach und Klagenfurt die erste Glühbirne brannte. "Kömau", wie die Leute im Ort den Ort selbst nennen, ist sogar am besten Sprung daran, energieautark zu werden. Eine Hackschnitzelanlage an der Ortseinfahrt, vor allem aber die zig kleinen Wasserkraftwerke machen die Marktgemeinde zum Vorzeigeort in Sachen Energiewirtschaft.

Nur: Jetzt, wo von Kötschach aus ein Stromgrenzübergang über Kronhof ins friulanische Somplago gebaut werden soll, hat man keine rechte Freude mehr mit der E-Wirtschaft. "Die 220-kV-Leitung, die auf 80 Meter hohen Gittermaststäben geführt wird, soll in erster Linie italienische Industrien mit Billigstrom versorgen", lässt ein Kleinen Zeitung-Leser seinem Unmut freien Lauf und trifft damit die Mehrheitsmeinung im Ort, wie Bürgermeister Walter Hartlieb bestätigt: "Die Sorgen der Bevölkerung kann man nicht in Geld aufwiegen." Auch Dellachs Bürgermeisterin Christine Ploner ist klar gegen das Projekt: "Wirtschaft können wir auch anders machen. Etwa wenn wir unsere unberührte Bergwelt vermarkten."

Industrie-Eigentümer

Auf der anderen Seite gibt es die Interessen der Wirtschaft und der Industrie - man wolle besser und sicherer versorgt werden. Und natürlich die Alpe Adria Energia, ein italienisches Konsortium, an dem auch der Verbund beteiligt ist, bei dem die Mehrheit aber von italienischen Stahl- und Industriekonzernen gehalten wird. "Es ist ein Projekt, das ganz im Sinne der Europäischen Union ist", erklärt Michael Slamanig, Lobbyist für die Alpe Adria Energia. "Wir wollen die Länder energetisch vernetzen."

Sorgen von Bürgerinitiativen wie "Pro Gailtal" versucht Slamanig weg zu argumentieren. "Wir werden mit größter Sensibilität vorgehen", so der Konsortiums-Sprecher, der auch Wiederaufforstungs- und Renaturierungsmaßnahmen verspricht. "Gauben die wirklich, dass noch jemand am Karnischen Höhenwanderweg entlang wandern wird, wenn er entlang einer Stromautobahn führt?", fragt "Pro Gailtal"-Sprecher Hannes Guggenberger.

Was auch klar ist: Die 220-kV-Leitung ist gemeinsam mit der Tauerngasleitung (TGL) und dem Gaskraftwerk in Klagenfurt Teil eines Masterplans des Verbunds für Südösterreich und - noch mehr - für den Markt in Oberitalien.

Bei der Tauerngasleitung ist man laut den Planern in den letzten Verhandlungen über Grundstücksablösen, das Gaskraftwerk schaffte die Hürde der Umweltverträglichkeitsprüfung. Gibt es da überhaupt eine Chance, sich erfolgreich gegen das Projekt zu wehren? "Wir sind zuversichtlich, dass die Landesregierung unsere Ansichten übernehmen wird."

Alternative Leitung

Bei einem anderen Energie-Projekt ist man in "Kömau" hingegen wieder Feuer und Flamme: eine 132-kV-Leitung über den Plöckenpass nach Italien. Wesentlicher Unterschied? "Wir würden die Leitung unterirdisch verlegen und wirklich regionale Energieerzeuger miteinander verbinden", erklärt Alternativ-Energieerzeuger Wilfried Klauss aus Kötschach.

THOMAS CIK

Zwei Stromprojekte

220-kV-Freileitung. Die Alpe Adria Energia plant zwischen Somplago und Kötschach-Mauthen eine 42 Kilometer lange 220-kV-Gittermastenleitung.

132-kV-Erdleitung. Die Alpen Adria Energy Line plant eine 21 Kilometer lange 132-kV-Erdkabelleitung über den Plöckenpass nach Kötschach.

Streitkultur. Für und Wider der Projekte wird heute um 21.03 Uhr in Radio Kärnten diskutiert.

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