"Würde mir Mut für Diskussion wünschen"
Die Kleine Zeitung besuchte mit Architekt Peter Nigst (Fachhochschule Kärnten) in Bau befindliche und geplante Wohnanlagen am Millstätter See.
Der Baumboom hat den Millstätter See erreicht. Am Nordufer in Dellach entstehen elf luxuriöse Sonnenvillen und drei Einzelobjekte, in Millstatt errichtet die Seeschlössl Bauträger GmbH direkt an der Bundesstraße über 30 Eigentumswohnungen und in Seeboden plant die Rauter Bauträger GmbH am Südufer in der Steinerbucht 38 Designer-Wohnungen in Terrassenform. Die Kleine Zeitung bat Peter Nigst, Architekt und programmverantwortlicher Leiter des Studienganges Architektur der Fachhochschule Kärnten in Spittal, bei einem Lokalaugenschein um seine Meinung.
Herr Architekt, wie sehen Sie die geplante Wohnanlage "Träumen am See" am Südufer des Millstätter Sees in Seeboden?
PETER NIGST: Hier würde ein gigantischer Eingriff in die Landschaft stattfinden. Es wurde anscheinend nicht überlegt, was die Auswirkungen wären. Allein der Verkehr würde diesen Ortsteil massiv verändern. Die schmalen Zufahrten müssten aufgeweitet werden, dem Auto würde wieder einmal Vorrang gegeben. Wir werden uns das Vermarkten nicht ewig leisten können, wir nehmen von etwas Nichtvermehrbarem immer etwas weg. Die Darstellungen auf den Visualisierungen verharmlosen total. Man müsste sich die Terrassen vom gegenüberliegenden Klingerpark oder vom See aus anschauen können. Erst dann wird klar, was hier geplant ist. Es muss redimensioniert werden!"
In unmittelbarer Nähe befindet sich schon das kürzlich errichtete Camp Royal X. Auch hier wurde ein großer moderner Bau in prominenter Lage an den See gesetzt.
NIGST: Insgesamt liegt der Bau eher zurückgezogen. Ich empfinde daher den Bau nicht so sehr als störenden Fremdkörper.
In Millstatt errichtet die Seeschlössl GmbH einen riesigen Eigentumswohnkomplex.
NIGST: Wenn man diese Breitseite zum Millstätter See sieht, glaubt man nicht, dass das wahr ist. So etwas sollte gerade hier am See heute nicht mehr gebaut werden. So haben manche in den 1970er-Jahren noch gedacht. Um einen horizontalen Bauplatz zu erreichen, wurden gigantische Stützmauern errichtet. Hinter dem Haus entsteht eine riesige Schlucht. Diese Bauweise ist nicht mehr zeitgemäß.
In Dellach setzt die Soravia Group auf eine spektakuläre Architektur beim Bau der Sonnenvillen. Ihre Meinung dazu?
NIGST: Ich würde mir von Projektwerbern und Politikern wünschen, dass sie den Mut hätten, mit ihren Bauvorhaben früher an die Öffentlichkeit zu gehen und sich einer Diskussion zu stellen. Hier in Dellach scheint nach dem Spatenstich der Zug bereits abgefahren. ANDREA STEINER












