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Zuletzt aktualisiert: 10.07.2010 um 19:57 UhrKommentare

Gailtaler Käsetradition seit 100 Jahren

Josef Warmuth, vulgo Bischof, aus Würmlach, Kötschach-Mauthen, ist in vierter Generation Senner auf der hofeigenen Alm. In zwei Wochen erfolgt Anschnitt für den Gailtaler Almkäse 2010.

300 Käselaibe stellt Josef Warmuth pro Saison her, auf Wunsch auch kleinere Größen

Foto © KK/Privat300 Käselaibe stellt Josef Warmuth pro Saison her, auf Wunsch auch kleinere Größen

Den 100. Geburtstag feiert heuer die Almsennerei auf der Bischofalm in den Karnischen Bergen. "Damit sind wir eine von sechs Gailtaler Almsennereien, die auch während der Weltkriege die Almkäseherstellung fast ohne Unterbrechung fortgeführt haben", sagt Josef Warmuth, vulgo Bischof aus Würmlach, Kötschach-Mauthen. Das Jubiläum wird am 25. Juli mit dem offiziellen Anschnitt des Gailtaler Almkäses gefeiert. An diesem Tag wird auch auf den anderen zwölf Mitgliedsalmen der Gailtaler Almsennereien der Almkäse 2010 angeschnitten.

Fast vier Monate verbringt der 40-Jährige im Sommer auf der hofeigenen Alm zwischen 1200 und 1600 Metern Seehöhe. Dafür muss der dreifache Vater täglich um 4.15 Uhr aus den Federn. Nach der einstündigen Fahrt müssen 34 Kühe gemolken und in der Käserei 500 Liter Milch verarbeitet werden. "Seit 1990 erzeugt ein vom Traktor betriebenes Aggregat den Strom für die Melkmaschine. Auch den handbetriebenen Quirl in der Käserei hat ein strombetriebenes Rührgerät abgelöst", erzählt der Landwirt, der täglich in einem stundenlangen Prozedere Almkäse, geräucherten Schotten und Butter herstellt.

Der EU-geschützte Gailtaler Almkäse wird streng nach Richtlinien der Gailtaler Almsennereien, die intern und extern kontrolliert werden, produziert. "Das Grundrezept für den Käse ist wie vor 100 Jahren. Geändert hat sich durch Kühlmöglichkeiten, verflieste Räume und Nirostageschirr die Hygiene. Auch die Technik ist moderner und hilfreicher", sagt der Bauer.

Zu Zeiten von Urgroßvater Thomas Warmuth und Großvater Josef Warmuth nahm ein Säumer mit einem Muli zwei Mal wöchentlich den dreistündigen Fußmarsch auf sich, um Käse und Butter ins Tal zu bringen. Heute transportiert der Biobauer fast täglich mit seinem Allradauto frische Almprodukte ins Tal. "Neben dem Verkauf ab Hof beliefern wir auch den Bauernladen in St. Daniel und eine Bäckerei in Mauthen", erzählt der Landwirtschaftsmeister, der das Käserhandwerk von Vater Silvester Gruber und in Kursen der Gailtaler Almsenner und im tirolerischen Rotholz erlernte.

Mit dem Vater und einem Helfer versorgt der passionierte Chorsänger im 420 Hektar großen Almgebiet der Unteren und Oberen Bischofalm auch 82 Jungrinder, neun Pferde und zehn Schweine. In die Almhütten der "Bischof-Familie" unter dem Gebirgsstock des Kleinen und des Hohen Triebes, können Wanderer auch einkehren. Aufgetischt werden Almprodukte und mit etwas Glück das Bauernbrot von Ehefrau Barbara.

Vererbte Tradition

Rund 300 Käselaibe stellt der Obergailtaler in einer Almsaison her. "Auf Wunsch mache ich auch spezielle Größen von zwei bis fünf Kilo, die meine Frau für besondere Anlässe mit Lebensmittelstiften beschreibt und verziert", sagt der Bauer, der den Hof in Würmlach in zehnter Generation bewirtschaftet. Seit 270 Jahren wird dort die bäuerliche Tradition weitervererbt. "Jedes Lebensmittel der Erde hat irgendein Landwirt mit Hilfe von Mutter Erde erzeugt. Deshalb sind die Menschen von den Bauern abhängig. Dabei sollte uns bewusst sein, dass bei wachsender Bevölkerung Grund und Boden nicht vermehrbar sind", philosophiert Warmuth.

Tägliches Pendeln auf die Alm nimmt er nicht nur wegen der Heuernte auf sich, die er mit Unterstützung des Maschinenringes erledigt. "Ich will auch meine Familie sehen und den Kindern abends vorlesen", sagt der Gailtaler, der sich jährlich eine Woche Familienurlaub gönnt. Heuer geht es erstmals ans Meer. "Weil ich selbst noch nie im Meer gebadet habe."

MARGRET KRONHOFER

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