Des Kaisers "rote" Wurzeln
Als neuer Vorsitzender will Peter Kaiser die SPÖ zur stärksten Partei in Kärnten machen. Seine privaten Wurzeln stammen aus besseren "roten Zeiten" und erklären, warum er immer dafür kämpfen wird.

Foto © WeichselbraunPeter Kaiser
Als Peter Kaiser erfährt, dass er heute "Kärntner des Tages" sein wird, lacht er auf: "Politiker schlägt Osterhasen!" Könnte fast ein SPÖ-Programm sein: Heute gehört uns Ostern und morgen das ganze Land . . .
Abseits der Öffentlichkeit ist der - manchmal intellektuell unterfordert wirkende - 51-Jährige erstaunlich locker. "Pass auf, dass du nicht auf die Gegenfahrbahn gerätst", gibt er seinem Chauffeur mit auf dessen Heimweg nach Hermagor. Zur gleichen Zeit kehrt nämlich seine Lebensgefährtin Uli aus Hermagor zurück, wo sie Kaisers Mutter in der Reha besucht hat. Wäre doch blöd, wenn Fahrer und Freundin zusammenstießen.
Die Mutter ist der Schlüssel zu Kaisers privatem wie politischem Selbstverständnis. Als er neun war, starb sein Vater, ein Polizist, der auch Reisebusse fuhr und selten zuhause war. "Am Tag hat die Mutter uns drei Kinder versorgt, von 16 Uhr bis Mitternacht geputzt, um uns durchzubringen." In der Zeit war Kaiser, selbst noch Kind, für zwei Kleinere verantwortlich, "Reisfleisch warm machen, sie ins Bett bringen".
Die mütterlichen Weisheiten wirken bis heute.
"Sie gab mir drei Regeln mit: Erstens immer ein Theater-Abo zu haben, bei mir war's ab der 4. Klasse. Zweitens lernen zu tanzen, was ich begeistert, aber nicht sehr erfolgreich mache. Und drittens immer genug Geld für eine Zahnregulierung auf die Seite zu legen. Dass man dafür heute Millionär sein muss, konnte sie ja nicht ahnen."
In Kaisers Vorzimmer liegt ein Kiki-Kogelnig-Teppich, der in seinem Regierungszimmer könnte von Cornelius Kolig stammen. Ein weiter Weg von dem Kind, dessen Secondhand-Schulbücher mit Tixo zusammengeklebt waren und in dessen Atlas ein Vorbesitzer händisch seinen Heimatort "Passering" mit Pfeil in die Österreich-Karte gemalt hat.
Ausgrenzung hat er früh erlebt. "Ich ging täglich eine halbe Stunde zu Fuß von Waidmannsdorf in die Innenstadt, weil kein Geld für eine Monatskarte da war. Bei den anderen gab es einen Wettstreit, wer sich traut, den spätesten Bus zu benutzen." Buszeiten bestimmten, wer der Coolste war. Kaiser war ausgeschlossen.
Eines Tages gab es neue Bücher und Schülerfreifahrten. "Das war der Kreisky, sagte meine Mutter." Die Mutter! Die Mütter! Auch Kaisers Gegenspieler Gerhard Dörfler spricht oft voller Respekt und Dankbarkeit von seiner Mutter. Politik als Stellvertreterstreit? Kaisers sozialistische Mutter gegen die wertekonservative Mutter Dörflers? Unbekannte Eltern ringen über bekannte Polit-Kinder um die Zukunft der Gesellschaft? Wohl wegen solch emotionalen Erbschaften gehen harmonische Beziehungen normaler Leute oft in die Brüche, nur weil Polit-Differenzen zutage treten - obwohl "die da oben" doch angeblich "alle gleich sind".
Solche Wurzeln geben auch die Kraft, bei Gegenwind durchzuhalten. Über sozialistische Sportvereine wuchs Kaiser nahtlos in die Jugendorganisationen und die Partei. "Mit Forderungen wie dem Verbot der Doppelmitgliedschaft in SPÖ und Kärntner Heimatdienst haben wir uns kaum Freunde gemacht", erinnert sich Kaiser. Dass er den gleichen Geburtstag hat wie Leopold Wagner, war schon besser: "Es gab immer große Feiern, die er bezahlte. Und in jeder Rede für ihn kam im dritten Satz auch ich vor."
Im Studium träumte der heutige Soziologie-Doktor, der es nur fünf Jahre außerhalb von Waidmannsdorf aushielt, von einer Wohnung in Uni-Nähe. Die fand er - und nach der Scheidung von der Mutter seines Sohnes in der Mieterin nebenan auch eine Partnerin: "Wir sind die freundlichsten Nachbarn Kärntens - unter einem gemeinsamen Dach und jeder in seiner Wohnung."
Lernen, Neues zu erfahren und zu erleben, bedeutet ihm viel: "Bevor ich auf der Welt war, hatte ich Ruhe, und wenn ich wieder abtrete, ist auch Ruhe. Wenn ich dazwischen auch noch Ruhe haben will, dann läuft etwas falsch!"












