Botschafter des guten Geschmacks
Der Edel-Greißler Herwig Ertl aus Kötschach-Mauthen organisiert seit nunmehr zehn Jahren die "Alpe-Adria-Genussfestspiele".

Foto © EtschGenuss kennt keine Grenzen
Sein Vater war Parade-Greißler unter der Marke Meinl in Kötschach-Mauthen. Von der Zahnpasta bis zum Klopapier, von den Zuckerln bis zum Schnürsenkel gab es alles, was die Bevölkerung am westlichsten Ende von Kärnten brauchte. Sohn Herwig Ertl nennt das Geschäft noch immer "Greißlerei". Allerdings mit einem wichtigen Zusatz: Genuss-Greißlerei.
200 Quadratmeter vom Besten. Wobei der Terminus untertrieben ist, denn was Ertl im letzten Eck von Kärnten auf die Beine gestellt hat, ist der erlesenste Feinkostladen des Landes. Das Feinste, das im Alpe-Adria-Raum zu bekommen ist, findet man konzentriert in seinem Laden, denn auf 200 Quadratmetern hat eben nur das Beste Platz: Der "Luftgetrocknete" vom Seiser, die Schafmilchkäse-Köstlichkeiten vom Nuart, Saiblingskaviar vom Sicher, das Salz aus Piran und das Olivenöl von Sancin aus Triest. Dabei lautet seine Philosophie: "Produkte gibt es genug, aber nur wenige, hinter denen Menschen stehen." Daher sind die Lieferanten Freunde, mit denen er beste Kontakte pflegt.
Präsentationsplattform. Um seinen Freunden eine Präsentationsplattform zu bieten, hat Ertl vor zehn Jahren die "Alpe-Adria-Genussfestspiele" gegründet und die Idee sogleich patentieren lassen. Heuer startete er beim Nobelkoch Janez Bratovz in Laibach, setzte kürzlich im smarten Landhotel Forelle am Weißensee fort, macht am 27. Juni im Plöckenhaus Station, am 29. August bei Sissy Sonnleitner, um bei Devetac in San Michele del Carso im September den Reigen abzuschließen. Dabei schleppt der grenzenlose Genuss-Freak eine dreisprachige Ortstafel mit. "Meine Botschaft ist, mit Menschen verschiedener Sprachen eine einzige zu sprechen. Die Sprache des Genusses." Alessandro Marengo aus Alba mit den feinen Torrone oder Klaus Feistritzer, der in seiner Brauerei Lonicum in Kötschach vollmundiges Bier braut, kommunizieren auf Genuss-Ebene.
Leidenschaft Fischen. Wenn sich Ertl selbst etwas Genüssliches tun will, geht er mit seinen zwei Büablan (zehn und zwölf Jahre) an den Weißensee fischen. Oder erklärt Schulklassen in seinem Laden, wie man schmeckt. "Es gibt wahrscheinlich wenige, die die Marke Kärnten so mittransportieren." Der Tourismus-Award ging heuer nur knapp an ihm vorbei.











