Immobilien-Krise in Tröpolach
Wie die Immofinanz-Affäre dafür sorgt, dass in Hermagor Wohnungs-Knappheit herrscht.

Foto © APA / JägerDie Immofinanz-Affäre hinterlässt auch im Gailtal Spuren
Man könnte zwei Probleme so einfach lösen. In Tröpolach bei Hermagor, Hausnummer 164, stehen sechs Wohnungen frei. Gleichzeitig klagt Vizebürgermeister und Wohnbaureferent Hermann Offner über "zu wenige Wohnungen für die jungen Leute, die sich in der Gemeinde ansiedeln wollen." Mietvertrag aufsetzen, einziehen und alles ist geritzt. Doch so einfach läuft es nicht. Denn: Die sechs Wohnungen stehen im Eigentum der ESG Wohnbaugesellschaft, diese wiederum im Eigentum der Immofinanz und damit ist das ganze Vorhaben eine Spur komplizierter.
"Gefährliche Drohung." Denn seit der Kurs der Immofinanz und ihrer Schwestergesellschaft Immoeast am Börseparkett zerschellte, deren Chef Karl Petrikovics geschasst wurde und die ebenfalls verbandelte Constantia Privatbank von einem Konsortium aufgefangen wurde, ist eben nichts mehr so einfach. Die Immofinanz brauche Geld, wird in Unternehmensanalysen häufig behauptet. Auf den regionalen Wohnungsmarkt umgelegt kommt das in letzter Konsequenz einer gefährlichen Drohung nahe. Denn im Besitz der Immofinanztochter ESG stehen nicht weniger als 10.000 Wohnungen in Kärnten und 3.000 in der Steiermark. Stehen diese nun nicht mehr Mietern zur Verfügung, sondern werden nur mehr zum Kauf angeboten, können sich Fälle wie der in Hermagor häufen. Seitens der ESG ist man bemüht diese Befürchtungen zu entkräften.
Nach dem Markt gerichtet. "Wir richten uns nach dem Markt und es gibt nun einmal auch einen Markt für Kaufwohnungen", erklärt ein Sprecher. Den Vorwurf, dass man diese über den regionalen Preisen anbiete und wie im konkreten Fall in Tröpolach aus einem Wohnhaus ein Appartementhaus mit Zweitwohnsitzen für Urlauber zu machen versuche, bestreitet man vehement. Übrigens: Der Grund dafür, dass die einstmals gemeinnützige ESG nun Teil der Immofinanz ist, ist auch ein Kärntner: Ex-Finanzminister Karl Heinz Grasser. Er privatisierte die ESG 2004.












