Tarviser Markt aus Kärntner Holz geschnitzt
Tarvis bekommt nach 55 Jahren einen neuen Markt. Waren und Standplätze der Marktstandler bleiben unverändert. Die Holzkonstruktion stammt von der Kärntner Firma Buchacher.

Foto © WeichselbraunBürgermeister Renato Carlantoni ist stolz auf den neuen Alpen-Adria-Markt. Große Eröffnung ist im Juni
Tarvis ist das unwirtliche Eingangstor in den Süden, ein Kälteloch von rauem, etwas grobem Charme. Tarvis ist nicht der Ort, in den man auf Urlaub fahren würde. Und dennoch: Fast jeder Kärntner war schon dort. Ein Grund ist der Markt, den Neapolitanische Händler vor 55 Jahren dort errichtet haben.
Liebevolle Beziehung. Zwischen dem Tarviser Markt und den Kärntnern besteht eine fast liebevolle Beziehung. Jeder hat seine eigene Geschichte von den spannenden Zeiten parat, als man die Marktbeute in Form von Taschen, Spumante, Diwan-Puppen und herrlich hochhackigen Schuhen noch phantasievoll an den gestrengen Augen der Zöllner vorbeischmuggeln musste. Da gibt es die Geschichte von der Großtante, die auf ihren Fahrten nach Tarvis lediglich Unterwäsche unter dem Mantel trug, um mit perfekter Markt-Adjustierung wieder heimzukehren. Da sind die Erlebnisse mit der Nappalederjacke, die der Hund wütend anbellte, weil sie nach Hammel roch, oder mit den Lederschuhen, deren Sohlen sich auf dem regennassen Weg ins Ristorante Haberl auflösten, weil sie aus Pappe waren. Mit Schrecken erinnert man sich an die sommerliche Hitze im Auto, als man drei Acryl-Pullover übereinandergetragen, durch den Zoll schmuggelte. Der liebenswerte Satz: "Kaufen Frau, beste italienische Qualität zu beste Preis," klingt noch im Ohr. Tarviser Schick in den Sechziger, Siebziger Jahren - das hatte schon was. Wenn er auch in Zeiten von H&Ms und C&As an Glanz verloren hat, Tarvis wäre ohne Markt undenkbar.
Leben ohne Markt. Was ein Leben ohne Markt bedeutet, wissen die Tarviser spätestens seit vorigem Herbst, als die alten Blechhütten abgetragen wurden und 50 von 106 Standlern in ein Zelt am Fuße des Marktes übersiedeln mussten. Nach 55 Jahren in zugigen Blechbuden, ohne Heizung, setzten sich die Standler durch: Ein neuer Markt musste her.
Mit etwas Verzögerung wird es im Juni so weit sein: Der neue Markt ersteht am selben Platz, mit den selben 106 Buden und den selben, typischen Waren. Von Salvatore mit den Lederjacken, bis zu Angelo mit den Pullovern, sind alle wieder an ihrem angestammten Platz. Nur dass sie jetzt eine solide Box mit Dachboden, ein lichtdurchflutetes Dach, eine Heizung haben werden. "Das war schon eine Katastrophe im Winter. Wer wollte schon kaufen, wenn es hier Minusgrade hatte?" fragt Angeli Daniele, der die Tage bis zur Übersiedlung ungeduldig zähltDass für die Neukonstruktion des Marktes ausgerechnet eine Kärntner Firma zum Zug gekommen ist, passt wie ein perfektes
Beziehungen. Puzzleteil in die Kärntnerisch-Tarvisianischen Beziehungen. Die Gemeinde finanzierte die Infrastruktur, die Standler vergaben den Auftrag für die Marktkonstruktion an die Hermagorer Holzbaufirma Buchacher. Insgesamt 4,5 Millionen Euro. "Wir haben die Italiener mit unserer Verlässlichkeit überzeugt", sagt Ernst Buchacher, "die Auftraggeber fühlen sich mit uns sehr wohl." Das Holz für die luftige Konstruktion - 500 Festmeter - kommt von der Firma Hasslacher und zu hundert Prozent aus Kärnten.
Wichtig für Tarvis. "Eigentlich ist es ja ein Shopping-Center auf Italienisch", ist Bürgermeister Renato Carlantoni zufrieden. "Alle haben gemerkt, wie abhängig sie vom Markt sind." Das bestätigt auch Sonja Tosoni, vom Geschäft gegenüber.
Die Eröffnung wird man im Juni mit einem Alpen- und einem Adriafest ganz groß feiern. "Dass eine österreichische Firma ein typisch italienisches Denkmal aufbaut, hat Alpe-Adria-Sinn", bemerkt Carlantoni, dessen Mutter Villacherin ist. Und noch einen Kärntner Beitrag gibt es zum Markt: Die Kelag wird künftig die Energie in Form von Erdgas nach Tarvis liefern. Damit ist ein für allemal garantiert, dass die wärmegewohnten Süditaliener und ihre Kunden nicht mehr frieren müssen. Mit Garantie: Wenn sie auch abfärben, die streichelweichen Lederhandschuhe kaufen wir für alle Zeiten am Tarviser Markt.
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Salvatore Morelli freut sich schon auf den neuen Stand: "Unsere Stammkunden sind die Österreicher. Ich hoffe, es bleibt so." Sein italienischer Charme hat ihm schon am alten Makrt gute Kundschft garantiertFoto © Weichselbraun












