Bezirks- und Gemeindesuche
Karré: "Es gibt auch noch andere Investoren"
Stadtwerke-Chef Romed Karré im Interview über mögliche neue Partner für das Gaskraftwerk, teure Alternativen und den Holzpreis.

Foto © KK/StadtwerkeStadtwerke-Chef Romed Karré
Seit sechs Jahren wird das Gasdampfkraftwerk (GDK) geplant, seit sechs Jahren wird darüber gestritten. Wann gibt's endlich eine Entscheidung?
ROMED KARRÉ: Derzeit prüft der Umweltsenat in Wien die Berufungen gegen den positiven Bescheid für das GDK. Wir rechnen mit einer Entscheidung in den nächsten vier, fünf Wochen.
Warum dauert es so lange, bis man weiß, ob dieses Kraftwerk gebaut werden darf oder nicht?
KARRÉ: Es ist leider nicht gelungen, vorab einen politischen Konsens über das Kraftwerk herzustellen. Das hat uns am meisten aufgehalten. In der Zeit, in der wir in Klagenfurt geplant haben, wurde in Oberösterreich ein gleiches Kraftwerk gebaut, und für ein zweites läuft das Bewilligungsverfahren. Und das mit einem grünen Umweltlandesrat.
In Kärnten fordern die Grünen Biomasseheizwerke als Alternative zum GDK. Warum wurde diese Variante nie geprüft?
KARRÉ: Das ist eine Legende, die so nicht stimmt. Aber die haben nicht nur die Grünen erfunden. Da stehen noch andere dahinter.
Wer?
KARRÉ: Im Vorjahr waren Landwirtschaftskammerwahlen. Just zu diesem Zeitpunkt hat's geheißen, Kärntens Bauern werden die Stadt Klagenfurt mit Holz für deren Biomassewerke versorgen. Das Ergebnis dieser Diskussion? Der Preis für Holz stieg damals rasant an. Alle Beteiligten waren zufrieden.
Und Biomasse als Alternative zum Gasdampfkraftwerk?
KARRÉ: Es ist keine ernsthafte Alternative. Wir haben es geprüft. Ich muss drauf schauen, dass unsere 23.000 Fernwärme-Kunden sich das Heizen leisten können. Aber wenn wer kommt und sagt, baut Biomasseanlagen ich zahle euch jedes Jahr ein paar Millionen, damit das für die Klagenfurter leistbar bleibt, machen wir's. Bisher war nur kein Spender bei uns. Warum hat niemand ein Biomassewerk in der Stadt gebaut, wenn alles so klar ist? Wir hätten jedem die Energie abgenommen. Für Lendorf gibt's ein bewilligtes Projekt. Ich sehe nichts.
Verbund-Chef Wolfgang Anzengruber, ihr Partner, hat gesagt, dass das GDK nur gebaut wird, wenn es wirtschaftlich ist. Ein Ausstiegsszenario?
KARRÉ: Nein, eine logische wirtschaftliche Überlegung. 2006 hätte uns das GDK 220 Millionen Euro gekostet, jetzt 350 Millionen. Da muss jeder rechnen: Gibt es einen positiven Bescheid des Umweltsenates und wenn ja, mit welchen Auflagen? Danach zählt nur: Welchen Gaspreis bekomme ich, damit die Anlage rentabel ist?
Heißt das, der Bau des GDK ist gar nicht fix?
KARRÉ: Ich brauche Fernwärme zu einem fixen Preis. Ein Preis, den sich die Klagenfurter leisten können. Wie und mit wem wir dieses Ziel erreichen, werden wir heuer entscheiden. Bis Jahresende haben wir den Baubeschluss.
Die Kärntner Energielösung mit Kelag und Stadtwerke lebt noch?
KARRÉ: Die Zusammenarbeit mit den Kelag-Vorständen ist sehr gut. Vielleicht steigt ein Gashändler bei unserer Kraftwerksgesellschaft ein. In Zeiten teurer Gaslieferverträge ein Vorteil. Es gibt genügend andere Investoren und Interessenten.
Geht sich das bis Oktober 2015 - da muss das Fernheizwerk stillgelegt sein - noch aus?.
KARRÉ: Ja. Wir haben 24 Monate Bauzeit für das GDK. Auch eine Verlängerung der gewerberechtlichen Genehmigung für das alte Fernheizwerk über den Oktober 2015 ist möglich. In Klagenfurt wird es also nicht kalt werden.
Features
Zahlen und Fakten
Abgeliefert. 91 Millionen Euro Dividende haben die Stadtwerke seit dem Jahr 2000 an die Stadt gezahlt.
Angestiegen. 160,6 Millionen Euro war der Stadtwerke-Umsatz im Vorjahr. 2000 waren es 88,2 Millionen.
Ausgebildet. 120 verschiedene Berufsbilder, vom Bademeister bis zum Installateur, haben die Stadtwerke.



















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