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"Pläne aus dem vergangenen Jahrhundert"
Biomasse-Vorreiter Heinz Kopetz will noch einmal eine Alternative für das Gas-Dampf-Kraftwerk in Klagenfurt andenken. Für ihn ist das Kraftwerk vor Klagenfurt zu groß, die Emission von Treibhausgasen wäre zu hoch.

Foto © Heinz Kopetz sieht schwarz für Klagenfurt
Im oberösterreichischen Timelkam unterstützt Umweltlandesrat Rudi Anschober von den Grünen den Bau eines Gas-Dampf-Kraftwerkes. Beim Bau eines GDK im steirischen Mellach sprachen Sie selbst von einer vernünftigen Idee, wenngleich Sie die Dimension halbieren möchten. Warum lehnen Sie ein GDK für Klagenfurt strikt ab?
HEINZ KOPETZ: Aus dem gleichen Grund, warum ich Mellach kritisiere: Es ist zu groß. Das Klagenfurter Kraftwerk würde die Emission von Treibhausgasen um 800.000 Tonnen steigen lassen. Das bedeutet eine Erhöhung von 15 Prozent auf ganz Kärnten umgelegt. Hier wird agiert, als gäbe es kein Klima-Problem.
Immerhin würde so ein Kraftwerk den Anteil der Fernwärme erhöhen.
KOPETZ: Letztlich würde die Fernwärme nur teurer werden. Die Gaspreise werden steigen in den nächsten Jahren, das bestreitet niemand. Man muss also Maßnahmen setzen, die Energie sparen.
Sie kritisieren die GDK-Pläne, wie sieht Ihr Gegenkonzept aus?
KOPETZ: Es braucht ein Gesamtkonzept für die Wärme für die Stadt. Zwölf Prozent sind mit Solarthermie abzudecken, zwölf Prozent mit der Veredelung von Klärschlamm, zwei Drittel mit Biomasse und für den Rest bräuchten wir Gasmotoren. Wobei die einen weit höheren Wirkungsgrad hätten als ein großes Kraftwerk. 90 Prozent der Rohstoffe wären also in Kärnten vorhanden, das wäre eine preisstabile Versorgung.
Wäre es auch aus der Errichter-Perspektive finanzierbar?
KOPETZ: Hören Sie, das ist Wirtschaftsförderung im eigentlichen Sinn. 14 Millionen Euro, die jährlich für Energie ausgegeben werden, würden in Kärnten bleiben. Das hätte enorme Folgeeffekte für den Arbeitsmarkt und Kärnten könnte seine Position in Sachen Energie-technologie stärken.
Woher wollen Sie die ganze Biomasse bekommen - schon die Sägeindustrie klagt über einen Holzmangel?
KOPETZ: Vier Prozent des jährlichen ungenützten Holzzuwachses in Kärnten, also rund 60.000 Festmeter, würden reichen.
Das Holz wächst aber nicht unmittelbar in Klagenfurt.
KOPETZ: Die Kraftwerksbauer argumentieren immer mit den Emissionen des Transports. Das macht rund ein Prozent des Ausstoßes eines Gas-Dampf-Kraftwerkes aus. Das ist vernachlässigbar. Außerdem kann man ja auch Energiepappeln pflanzen. In Oberitalien ist das ganz normal, nur in Kärnten tut man so, als lebten wir am Anfang des 20. Jahrhunderts. Und aus dieser Zeit stammt auch der Plan für das Kraftwerk.
Wenn es nicht nur um Wärme, sondern auch Strom geht, muss es aber noch zusätzliche Maßnahmen geben.
KOPETZ: Warum nicht Windkraft? Für eine Kilowattstunde Strom aus Gas zahlen wir zwölf Cent, zahlen wir das 15 Jahre für Windstrom, dann ist die Anlage abbezahlt und am Ende können wir um zwei Cent produzieren. Die Burgenländer haben die Windkraft nach vorne gebracht. Jetzt haben sie in der Industrie einen Standortvorteil, weil man den Betrieben günstigen Strom anbieten kann. Wenn wir jetzt die Entwicklung verschlafen, positionieren wir Kärnten auf der Verliererstraße. Ob ein Gas-Dampf-Kraftwerk gebaut wird, oder ob man einen alternativen Weg wählt, die Stadt zu heizen, ist eine strategische Entscheidung für die Region. Mit einem GDK in der Hauptstadt braucht sich Kärnten nicht mehr Zentrum erneuerbarer Energien zu nennen.
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ZUR PERSON
Heinz Kopetz (69) stammt aus St. Margarethen in der Nähe von Völkermarkt. Der Agraringenieur und Nationalökonom arbeitete in der Landwirtschaftskammer Kärnten und beim Wirtschaftsforschungsinstitut, bevor er 1974 Direktor der Steirischen Landwirtschaftskammer wurde.
Seit 1997 ist er Chef des Biomasseverbandes Österreich, seit 2006 Europa-Präsident.
Buch. In "Die vermeidbare Energiekrise" liefert Kopetz Energie-Zukunftsszenarien.



















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