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Zuletzt aktualisiert: 22.02.2010 um 22:48 UhrKommentare

"Drei Parteien sind ein Blödsinn"

Christian Scheider über sein Schicksal als Klagenfurter Bürgermeister, den verhatschten Kraftakt von Uwe Scheuch und das Stadion.

Foto © KLZ / Weichselbraun

Sie haben kürzlich Klarheit über die Kooperation FPK-FPÖ verlangt. Wissen Sie schon, wohin die Reise geht?
CHRISTIAN SCHEIDER: Drei freiheitliche Gruppen wären ein Blödsinn, den man nicht verantworten kann. Der Parteitagsbeschluss über die Zusammenarbeit von FPK und FPÖ muss eins zu eins umgesetzt werden. Das darf nicht so lange dauern.

Wie lange schauen Sie zu?
SCHEIDER: Ich werde selber ins Verhandlungsteam gehen. In den nächsten Wochen sollte das abgeschlossen sein.

Uwe Scheuchs Kraftakt hat laut Umfragen die Wähler Ihrer Partei halbiert. Ein Teil der Funktionäre wurde weggesprengt. Stehen Sie noch dahinter?

SCHEIDER: Grundsätzliche Zusammenarbeit ja, aber wie diese Vereinbarung von zwei Personen umgesetzt worden ist, trägt zur Verwirrung bei. Mir in Klagenfurt gelingt es, alle Gruppen unter einen Hut zu bringen.

Sie haben sich ohne Not sofort auf die Seite von Scheuch geschlagen. Angesichts der Entwicklung, war das ein Fehler?
SCHEIDER: Ich habe nach wie vor hervorragende Kontakte zu den BZÖ-Vertretern. Die Zeit wird bringen, was richtig ist: dass man sich mit keinem verfeindet und konstruktiv bleibt.

Was haben die Klagenfurter davon, wenn HC Strache Ihr Chef ist? Was hat die Stadt von seiner ausschließlich auf Ausländerfeindlichkeit basierenden Politik?
SCHEIDER: Ich habe keinen Chef. Meine Aufträge kriege ich von den Bürgern. Deshalb lasse ich mir von niemanden hineinreden. Bei meiner Politik ändert sich überhaupt nichts. Wir sind eigenständig. In der Ausländerfrage habe ich eine andere Meinung und werde nicht von unseren Leuten etwas mitvertreten lassen, was nicht passt.

Von Ihrem Vorgänger heißt es, er hätte selbstherrlich entschieden. Sie gelten als Zauderer. Sind die Klagenfurter vom Regen in die Traufe geraten?
SCHEIDER: Nein. Wir haben eine sehr schwierige Situation übernommen, noch schwieriger als man geglaubt hat. Wir überlegen halt unsere Entscheidungen gut, dann treffen wir sie. Nicht wie es in der Vergangenheit oft der Fall war, dass Entscheidungen über die Bevölkerung hinweg getroffen worden sind, was massiven Widerstand ausgelöst hat.

Klagenfurt hat noch kein Budget. Nächste Woche soll es soweit sein. Warum die schwere Geburt?
SCHEIDER: Weil in den Jahren, als die Stadt noch kräftig bei Kasse war, das Geld nicht zurückgelegt wurde, sondern Millionen-Projekte angegangen worden sind, die nicht notwendig waren. Wir haben die letzten Rücklagen der Stadtwerke, die aber zum Teil gebunden sind. Die Wirtschaftskrise ist dazu gekommen. Daher war es notwendig, viele Einsparungen vorzunehmen, was die Budgeterstellung verzögert hat.

Sie sparen Windeln für die Neugeborenen und leisten sich ein Millionengrab Stadion? Ist die Stadt bei der Budgetssanierung gleich planlos wie das Land?
SCHEIDER: Dass das Stadion viel Geld kostet, ist klar. Aber das hätte man sich vorher überlegen sollen. Faktum ist, dass alle Referate eingespart haben, was in der Vergangenheit nicht möglich war. Möglich muss es aber sein, zu sparen, ohne dass es bei den wichtigsten Bereichen die Bevölkerung trifft.

Wie geht es mit dem Stadion weiter, warum wird es nicht wie versprochen zurückgebaut?
SCHEIDER: Wir haben die multifunktionellen Möglichkeiten erkannt, die es gibt, wenn man das Stadion in der Größe fertig stellt. Die sollte man nützen. Die Umsetzung ist im Gange.

Zweite zähe Partie ist das Gasdampfkraftwerk. Die Stadt Klagenfurt hat keinen Plan B. Was, wenn die UVP negativ ausgeht?
SCHEIDER: Bis Mai soll das Ergebnis vorlegen. Dann muss eine Entscheidung getroffen werden. Wenn es so nicht durchführbar ist, muss man schnell reagieren, muss sich verabschieden und eine Alternative machen. Es gibt andere Varianten auch noch.

Haben Sie mit dem Schicksal, dass Sie Klagenfurter Bürgermeister geworden sind, schon einmal gehadert?
SCHEIDER: Nein, aber das fragen mich viele, das ist interessant. Ich bin dazu angetreten, die Bürger haben mich dazu gemacht, jetzt muss ich den Stier bei den Hörnern packen und das Beste draus machen.

INTERVIEW: ANTONIA GÖSSINGER

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