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"Ecce Homo": Sieh da, eine Oper!
Textcollage mit Klangteppich: Als Kirchenoper bezeichnet, wird die Produktion der neuenbuehnevillach in Fresach den selbst gesteckten Ansprüchen nicht gerecht.

Foto © nbvBesessene Darstellerin: Nadine Zeintl auf dem Laufsteg in der Evangelischen Kirche von Fresach
Die Geschichte von Reformation und Gegenreformation, Dialog und Toleranz im Umgang mit Andersdenkenden gleichnishaft für die Bühne aufzubereiten, ist das Ziel der Theaterproduktion "Ecce Homo", die im Rahmen der Landesausstellung Mittwochabend in der Evangelischen Kirche von Fresach ihre Uraufführung erlebte.
Sieh da, ein Mensch: Autor Bernd Liepold-Mosser schuf in erprobter Manier einen Textteppich, gewebt aus Bergpredigt- und Nietzsche-Versatzstücken ("Fröhliche Wissenschaft"), verbunden durch zeitweise kalauernde Sinnsprüche ("Ohne Kopf ist man schnell einen Kopf kürzer", "Du hättest vorausdenken sollen, statt dessen denkst du nach!"). Gleichnishaft entwickelte er eine Dreiecksgeschichte von einem Mann zwischen zwei Schwestern, ein Stück, das von wenig erzählt, außer von Eifersucht und dem Streben nach Vergebung - das dafür 110 Minuten lang.
Kult-Band
Die Kärntner Kult-Band "Naked Lunch" liefert die Musik zu dieser, Oper genannten, Produktion, die bestenfalls eine Textcollage mit eingestreuten Balladen und gelegentlichen Performance-Seitensprüngen (Didi Bruckmayr, Sir Tralala) ist. Der klassische, melancholisch-monotone Naked-Lunch-Sound freut alle Fans von Oliver Welter & Co., der oft schwer verständliche Text dürfte mit seinen deutschen Bibel-Textstellen, Gospel-Anklängen ("Release your soul in heaven") und Orgeltönen aber auch da und dort für Irritationen sorgen.
Beeindruckend ist die Leistung der Schauspieler: Nadine Zeintl als Opfer, als schwangere Geliebte des Mannes, die sich zwar kurz auflehnt, dann aber zugrunde geht, changiert in ihrem körperbetonten Einsatz zwischen naiv-koketter Gelsomina (wie Giulietta Masina im Film "La strada") und der besessenen, Augenverdrehenden Linda Blair aus dem "Exorzisten".
Andreas Kiendl ist zwar kein "Zampano", aber doch ein glaubwürdig ängstlicher, entscheidungsschwacher Mann zwischen Pflicht und Versuchung. Jutta Fastian als Vertreterin der "alten Ordnung", verkörpert die Ehefrau, die immer stärker verunsichert wird und letztendlich doch opportunistisch aufseiten des jeweiligen Zeitgeistes steht.
Auf der kargen Bühne im weitgehend schmucklosen Kirchenraum, die wie ein Laufsteg ins Publikum ragt, wird das Schauspiel-Trio von der Regie durch den Autor allerdings ziemlich alleingelassen und phasenweise zu zappelnden Zombies reduziert.
Kapuzen
Von den Kanzeln mahnen die Performer, als "Gott" und "Volk" benannt, über allem thront Naked Lunch wie das Jüngste Gericht, das phasenweise mit übergestülpten Kapuzen Assoziationen zum mittelalterlichen Mönchtum provoziert.
Fazit: Eine Aneinanderreihung von textlichen, bildhaften und musikalischen Zitaten macht noch kein Theaterstück.
"Wir müssen reagieren. (. . .) Auch wenn der Zeitgeist einem ins Gesicht bläst", heißt es an einer Stelle. Dass am Schluss zahlreiche überdimensionale Ventilatoren heiße Luft produzieren, ist da wohl eher ein unbeabsichtigter Effekt.
Features
Zum Stück
Ecce Homo. Sieh da der Mensch. Oper von Bernd Liepold-Mosser (Text) und Naked Lunch (Musik). Produktion der neuenbuehnevillach im Rahmen der Landesausstellung 011 Fresach.
Regie: Bernd Liepold-Mosser
Termine: 24., 26., 29., 30. Juni und 1., 2., 6.-9. Juli, 20 Uhr. Kirche Fresach. Am 26. Juni und 2. Juli Shuttlebusse (Info bei der nbv, Tel. 0 42 42/28 71 64).
Karten/Info: Tel. 0 42 42/27 3 41
Bewertung: HHIII















