Feldkirchen

„Ich bin für ein Stopp für Geschäfte an der Peripherie“

Regisseurin Ulli Gladik präsentierte in Feldkirchen ihren Film „Global Shopping Village“. Sie spricht über ihren Eindruck von der Stadt und zeigt Chancen für deren Entwicklung auf.

Im Film „Global Shopping Village“ werden von Ulli Gladik ein Shoppingcenterentwickler und seine Branchenkollegen begleitet © (c) KK/Weiss
 

Was war Ihr erster Eindruck von der Stadt Feldkirchen? ULLI GLADIK: Ich war zum ersten Mal in Feldkirchen und finde sowohl die Stadt als auch die Landschaft sehr schön. Vor allem gefiel mir der Hauptplatz mit den einladenden Kaffeetischen und die romantischen kleinen Gässchen hinter dem Hauptplatz.


Ist die Stadt für Sie als Gast attraktiv genug?
GLADIK: Für einen Kurzbesuch sicher, ich habe aber auch Lust bekommen, wieder einmal nach Feldkirchen zu kommen.

Sie sind die Bahnhofstraße hinunter spaziert, wo es jetzt eine Shared-Space-Zone gibt. Wie könnte man die Straße beleben?
GLADIK: Es ist nicht einfach, eine Straße, die vom sogenannten Trading Down-Prozess so stark betroffen ist, wieder zu beleben. Vor allem, wenn es an der Peripherie ein großes Angebot an Verkaufsflächen gibt und wenn man weiteren Ansiedlungen am Stadtrand keinen Riegel vorschiebt. Leerstände bieten aber immer auch eine Chance zur Veränderung, etwa für eine nichtkommerzielle Nutzung, zum Beispiel für Repariercafés, Künstlerateliers, Räume für Jugendliche, Proberäume für Bands, Treffpunkte für Senioren, ,Kostnixläden‘ oder ähnliches. Aber das hängt natürlich von den Bedürfnissen und dem Engagement der Bürger, der Bereitschaft der Hausbesitzer und der Stadtverwaltung ab, dies zu fördern.

In Ihrem Film „Global Shopping Village“ heißt es, dass man einer Stadt mit einem großen Einkaufszentrum (EKZ) das Herz herausgerissen habe. In Feldkirchen wird oft über ein EKZ diskutiert, hätte das dieselbe Auswirkung?
GLADIK: Da es schon viele Verkaufsflächen an der Peripherie in Feldkirchen gibt, frage ich mich, wer daran Interesse hat, hier ein EKZ zu bauen. Im Film geht es um den enormen Konkurrenzkampf unter den Fachmarktzentren und EKZ stehen. Sie müssen immer moderner, größer und attraktiver werden, um im Wettbewerb zu bestehen. Ein EKZ in Feldkirchen würde wohl nicht nur aus der Innenstadt, sondern auch aus den Fachmarktzentren Kaufkraft abziehen.

In Feldkirchen gibt es mehrere Supermärkte und Fachmarktzentren sowie ein Citycenter. Wann ist Ihrer Meinung nach genug?
GLADIK: Auch Supermärkte stehen unter einem enormen Konkurrenzkampf, man kann beobachten, wie sie mit Sonderangeboten konkurrieren, neue Sortimente aufnehmen, und sich um Standorte matchen. Lokale Bäcker, Fleischhauer und Greißlereien können in diesem Konkurrenzkampf längst nicht mithalten und sind darauf angewiesen, dass Menschen umdenken und bewusst regional einkaufen. Kleinere Einheiten sind im Sinne der Nahversorgung meiner Ansicht nach positiver zu bewerten als größere, auch bei Fachmarktzentren und Einkaufszentren.

Was ist allgemein bei der Projektentwicklung wichtig? Feldkirchen hat sich von einem Experten aus Lienz beraten lassen, man musste aber einsehen, dass sich nicht in jeder Stadt alles eins zu eins gleich umsetzen lässt, weil jede Stadt anders ist….
GLADIK: Am wichtigsten ist wohl, dass es ein Stopp an der Weiterentwicklung an der Peripherie gibt. Das Bundesland Salzburg geht nun diesen Weg. Wenn das tatsächlich umgesetzt wird, nimmt das den enormen Wachstumsdruck weg und Städte und Regionen können beginnen, ihre Situation zu beurteilen und Ziele zu definieren. Um eine Stadt oder Region wieder zu beleben, braucht es viel Engagement aller. Das sind Prozesse, die Geduld, Auseinandersetzung, demokratische Kultur und kluge Förderinstrumente fordern. Wenn die Bürger mitarbeiten können, wird die Stadt von ihnen auch benutzt und tatsächlich lebendig sein.

Was fänden Sie beim nächsten Besuch gerne in Feldkirchen vor?
GLADIK: Ich habe mich sehr gefreut, dass der Film in Feldkirchen so gut besucht war und Anreiz zu einer Diskussion gab. Ich bekam den Eindruck, dass es hier viele Menschen gibt, die sich engagieren möchten, es war aber auch sehr viel Unzufriedenheit herauszuhören. Ich würde mich freuen, wenn die Feldkirchner es schaffen, sich zusammenzuschließen, um gemeinsam die Stadt in ihrem Sinne positiv und lebenswert weiterzuentwickeln.

Wie sieht es mit Ihren nächsten Projekten aus?
GLADIK: Ich habe große Lust, einen neuen Dokumentarfilm zu machen. Ich bin mit meiner Recherche dafür aber noch so am Anfang, dass ich das Thema lieber noch geheim halten möchte.

LISA HOLZFEIND

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