Vom Meisterkurs zum Meister
Vor 36 Jahren holte sich Dirigent Ronald Zollman in Ossiach den Feinschliff - jetzt kehrt er zurück.
Herr Zollman, vor 36 Jahren waren Sie bei den Meisterkursen von Hans Swarowsky in Ossiach. Welche Erinnerungen haben Sie daran?
Ronald Zollman: Das Stift, der See - das war wunderbar. Damals, 1971, nahmen 40 Dirigenten an den Meisterkursen teil. Mozarts 40. Symphonie, die auch jetzt auf meinem Programm steht, habe ich bei Swarowsky einstudiert.
Hat Swarowsky Einfluss auf Ihre spätere Entwicklung gehabt?
Zollman: Ja, er war sehr wichtig für mich. Nach diesem Sommer habe ich viel nachgedacht, über ihn, die Musik. Er war ein moderner Mann, fast verrückt, fünfzehn Jahre seiner Zeit voraus.
Wie meinen Sie das?
Zollman: Er hatte in Bezug auf die klassischen Komponisten eine Vision, was die Interpretation betrifft und wollte die romantische Dirigiertradition, etwa Beethoven betreffend, verändern. Im besonderen die Tempi und die Phrasierung. Nach dem Tod von Josef Krips hat Swarosky in Wien zweimal die "Zauberflöte" dirigiert. Als das Publikum wegen seiner unkonventionellen Ausdeutung buhte, hat er zu den Musikern gesagt: "Die Leute wissen noch nicht, dass Krips gestorben ist." Er war ein großer Pädagoge, aber kein großer Dirigent!
Kommen Sie mit dem Kammerorchester Kiew erstmals wieder als Dirigent nach Österreich?
Zollman: Ich war bereits 1993 als Dirigent des Orchestre National von Belgien in Salzburg. Aber ich habe noch kein österreichisches Orchester geleitet. Im Moment reise ich viel. Zwei Wochen konzertiere ich in Südamerika mit dem Nationalorchester von Brasilien, im Herbst geht's nach China, dann Quebec, Belgrad, Guatemala, Brüssel, Aachen . . .
Wie kam der Kontakt mit dem Carinthischen Sommer zustande?
Zollman: Vor etwa drei, vier Jahren habe ich in Bremen das Stück "Orchesterspiele" von Thomas Schlee dirigiert. Er war sehr zufrieden, aber ich hätte nicht gedacht, dass er mich so schnell einlädt.
In Ossiach stellen Sie auch den Komponisten Benoit Mernier vor . . .
Zollman: Benoit Mernier war 2004 hier "composer in residence". Anlässlich eines Orgelkonzertes von Schlee in Brüssel besprachen wir, dass ich in Erinnerung an diese Zeit ein Stück von ihm dirigieren solle. Benoit schrieb eine neue Komposition und widmete sie mir.
Das Orchesterstück "Nachfrühling"?
Zollman: Ja, es bezieht sich auf Merniers Oper "Frühlingserwachen" , die er nach dem Schauspiel von Frank Wedekind geschrieben hat. Die Uraufführung im März hatte riesigen Erfolg.
Werden Sie danach noch etwas Zeit in Kärnten verbringen?
Zollman: Ja, ich bleibe einige Tage. Ich möchte, mit Benoit Mernier, das Haus von Alban Berg nahe Ossiach besuchen.
Features
Zur Person
Ronald Zollman wurde 1950 in Antwerpen geboren und startete seine Karriere mit 23 Jahren. Die erste musikalische Ausbildung bekam er im Alter von vier Jahren. Nach Studien am Königlichen Konservatorium von Antwerpen wurde er 1967 in Paris Schüler von Igor Markevitch und Nadia Boulanger.












