Der Meister des Gefühlslabors
Pianist Oleg Maisenberg begeisterte in Ossiach mit leisen Tönen.

Foto © Reuters/SymbolfotoFranz Schuberts Sonate A-Dur op. D664 stellte Oleg Maisenberg in abgerundeter Form dar.
Zum verinnerlichten Spiel Oleg Maisenberg bei seinem Klavierabend in der Stiftskirche Ossiach drängten sich die Musikliebhaber in hellen Scharen. Der Pianist - ihm scheint der Ruf der Meisterschaft in den leisen Tönen vorauszugehen - blieb indessen die Antwort auf solche Erwartungen nicht schuldig.
In einem Gefühlslabor. Die auf wesentliche melodische Linien reduzierten drei Intermezzi op. 117 von Johannes Brahms weisen auf einen summarischen Lebensrückblick des Komponisten hin, von Oleg Maisenberg elegisch-lyrisch vorgetragen und mit Tönen versetzt, die unmittelbare Empfindungen auslösen. Man glaubt sich in ein Gefühlslabor versetzt, wenn der Pianist Seelenzustände musikalisch objektiviert. Franz Schuberts Sonate A-Dur op. D664 stellte Maisenberg in abgerundeter Form dar. Dem perlenden Melodienreigen gab er freilich in den drohend ausgedrückten Bässen ein unsicheres Fundament. Robert Schumanns Fantasie C-Dur op. 17 konnte auch Maisenberg nicht zur Gänze von Exaltationen frei halten, die sich im Zuge musikalischer Erregung des Komponisten ergeben. Sie trat formal und rhythmisch zu Tage. Eröffnet hatte das Programm die Sonate op. 1 von Alban Berg, übrigens das einzige Werk des Komponisten für Klavier.
Publikum begeistert. Auf dem Scheidewege zur Atonalität ließ Maisenberg in dichter Form musikalische Potenz und Individualität des Komponisten erkennen. Begeisterter Beifall des Publikums.










