Harry Stampfer: "Das erste Schlagzeug hab ich mir gebastelt"
Harry Stampfer wuchs in St. Veit und Villach auf. Auf der Bühne wurde er unter anderem mit Wolfgang Ambros groß. Der Vollblutmusiker im Gespräch.

Foto © KLZ/Manfred SchusserHarry Stampfer: "Komme leider viel zu selten nach Kärnten"
Was haben Ihre Eltern eigentlich gesagt, als Sie ihnen offenbart haben, dass Sie nach Wien gehen, um dort als Musiker Karriere zu machen?
HARRY STAMPFER: Es war eigentlich vorgesehen, dass ich nach der Handelsschule den Supermarkt meines Vaters weiterführe. Mit 18 Jahren habe ich dann aber gesagt, bitte seid mir nicht bös', aber ich möchte es mit der Musikerkarriere versuchen. Als ich später mit der Andy-Baum-Band und Dana Gillespie den Bewerb "Goldene Carinthia" in Villach gewonnen hatte, kam mein Vater anschließend zu mir, klopfte auf meine Schulter und meinte: "Ich hab es immer schon gewusst!"
Der Weg zum Profimusiker war aber sicherlich kein leichter, oder?
STAMPFER: Nein, ich hatte teils große Existenzängste. Ich habe alle möglichen Jobs gemacht, um mich über Wasser zu halten.
Wie kam der Kontakt mit Wolfgang Ambros zustande?
STAMPFER: Ich hatte mit der "Hallucination Company" einen Auftritt in München. Wolfgang Ambros kam zur Spätvorstellung. Eine Woche später haben wir uns in Wien zufällig wieder getroffen, zwei Monate später kam dann ein Anruf. Ich wurde zu einer Audition eingeladen. Ich war damals das erste Mal in einem so richtig großen Studio. Innerlich habe ich gebebt und gezittert. Das ist jetzt 26 Jahre her.
Wie sind Sie überhaupt zur Musik gekommen?
STAMPFER: Mit meinem Sitznachbarn in der Hauptschule haben wir beschlossen, eine Rockband zu gründen. Jimi Hendrix war damals unser großes Vorbild. Aus Omo-Waschpulvertrommeln habe ich mir ein Schlagzeug gebastelt. Das war natürlich relativ schnell wieder kaputt. Zu Weihnachten habe ich dann tatsächlich ein Schlagzeug bekommen, das war das tollste Geschenk überhaupt. Im Keller haben wir dann ordentlich Gas gegeben, da stand das eine oder andere Mal sogar die Polizei vor der Türe.
Wie hieß Ihre erste Band?
STAMPFER: "Al Mustafa" nach einer Nummer von Billy Cobham. Dieser war in einer Band mit John McLaughlin und ist noch immer eines meiner Vorbilder.
Was ist eigentlich Ihr Lieblingslied von Wolfgang Ambros?
STAMPFER: Es gibt kein bestimmtes. Ich bin ein Schlagzeuger, der sich für die Geschichten hinter den Songs interessiert, weil sie erklären, wie diese zu spielen sind. "Untrennbar" ist beispielsweise ein schöner, ruhiger Titel.
Sie waren in Ihrem Leben schon viel auf Tour. Wie schwer ist es, Ihren Beruf mit einer Familie zu vereinbaren?
STAMPFER: Der Beruf des Musikers beeinträchtigt natürlich Beziehungen. Meine Lebensgefährtin lässt mir aber meinen Freiraum, sie versteht meinen Beruf. Denn es gibt immer wieder Phasen, in denen die Musik an erster Stelle in meinem Leben steht.
Gibt es ein Konzert in Ihrer Karriere als Schlagzeuger, das Ihnen besonders in Erinnerung geblieben ist?
STAMPFER: Es gibt viele - beispielsweise den Auftritt mit "Austria 3" vor 250.000 Leuten beim Wiener Donauinselfest. Ich mag aber auch die kleinen Gigs in Clubs. Ich habe auch schon vor 35 Leuten gespielt und das Konzert war toll.
Sind Sie vor Auftritten nach all den Jahren noch immer nervös?
STAMPFER: Ja, ich bin schon noch nervös, aber ich freue mich auch. Ich gebe immer alles, kein Auftritt ist mir egal.
Hansi Lang, Andy Baum oder Roger Taylor - Sie sind schon mit vielen Musikern auf der Bühne gestanden. Gibt es einen, mit dem Sie gerne einmal auftreten würden?
STAMPFER: Ich hätte immer einmal gerne mit dem leider bereits verstorbenen Joe Zawinul gespielt, denn ich habe viel für Jazz übrig. Derzeit gibt es einen neuen Blues-Rock-Typen namens Richie Kotzen. Er ist ein Mordsmusiker. Mit dem würde ich gerne einmal spielen.
Sie haben auch eigene Musikprojekte am Laufen, eines davon ist "Wir 4". Gibt es Sie in Kärnten damit einmal zu hören?
STAMPFER: Wir würden gerne in Kärnten spielen, aber das ist leider nicht ganz so leicht. Vielleicht wird ja durch dieses Interview jemand auf uns aufmerksam. Bei "Wir 4" handelt es sich um die Originalband von "Austria 3". Wir spielen Coverversionen in wienerischer Übersetzung von bekannten Hits wie "Hotel California". Das ist wirklich eine klasse Sache und sehr unterhaltsam.
Eine ganz andere Frage: Verfolgen Sie die aktuelle politische Situation in Kärnten? Schämt man sich als ehemaliger Kärntner in Wien?
STAMPFER: Nein, die Bürger können ja eigentlich nichts dafür. Man kann nur sagen: Die Herren haben gründlich am Imageverlust des Landes gearbeitet. Der Schaden für Kärnten ist sicher schwer zu beziffern. Man kann nur hoffen, dass sich die Kärntner wehren. Jede Initiative ist unterstützungswürdig.
Schöneres Thema: Was ist Ihr Lieblingsplatz in Kärnten?
STAMPFER: Es gibt viele schöne Plätze, beispielsweise Maria Loretto am Wörthersee. Aber auch der Ossiacher See bietet viele schöne Plätze. Ich will eigentlich gar keinen See hervorheben.
Wie oft kommen Sie noch nach Kärnten - außer für Konzerte?
STAMPFER: Leider viel zu selten, da das Land wirklich schön ist. Meine Mutter wohnt noch in Villach.
Was wären Sie eigentlich von Beruf geworden, wenn Sie kein Musiker geworden wären?
STAMPFER: Wenn ich nicht Musiker geworden wäre, dann wäre ich Musiker geworden. Ich kann mir nichts anderes vorstellen.
Features
Zur Person
Name. Harry (Harald) Stampfer
Geburtstag. 21. April 1961
Kindheit. Stampfer wurde in St. Veit/Glan geboren und lebte dort bis zu seinem sechsten Lebensjahr. Seine Familie übersiedelte schließlich nach Villach
Karriere. Unter anderem spielte Stampfer schon für Hansi Lang, Andy Baum, Dana Gillespie und die "Hallucination Company". Mit Wolfgang Ambros, "Austria 3" und Hans Theessink hat er zahlreiche CDs und DVDs aufgenommen
Wordrapp
Austropop ...
... ich mag diesen Begriff nicht, er engt ein
Mein Lieblingssong ...
... derzeit "Remember" von Richie Kotzen
Wolfgang Ambros ...
... unbeschreiblich
Kärntnerlieder ...
... gibt es wahnsinnig tolle. Meine Mutter singt noch immer in einem Chor
Meine Stärken ...
... ich bin ein sehr zuverlässiger Mensch
Glück ist für mich ...
... körperlich und geistig fit zu bleiben. Und, dass ich meine Kinder habe










