Hans Muchitsch: "Als Sportler darfst du nicht viel nachdenken"
Der Feldkirchner Ex-Leichtathlet Hans Muchitsch (79) war bei Olympia dabei - vor 52 Jahren in Rom. Im Interview spricht er über die Zeit damals, Doping heute und über Rogans umstrittenen Sager.

Foto © KKHans Muchitsch
Markus Rogans Sager über Hermann Maier hat für Empörung gesorgt. Sind Sie empört?
HANS MUCHITSCH: Rogan hat sich unklug ausgedrückt. Der Kern seiner Aussage ist richtig. Als Spitzensportler darfst du nicht viel nachdenken, was die anderen zu deiner Leistung sagen. Du musst deinen Weg gehen. Wenn du als Skifahrer am Start stehst, darfst du nicht überlegen. Du musst auf volles Risiko gehen, egal was passieren könnte.
Die Olympischen Spiele 2012 in London gehen heute zu Ende. Enttäuschend, dass es keine Medaillen für Österreich gab?
MUCHITSCH: Nein, eigentlich nicht. In der Leichtathletik haben wir noch nie viele Olympiamedaillen gemacht. Das Niveau ist dermaßen hoch, dass es schon fantastisch ist, dass Beate Schrott ins Finale im Hürdenlauf gekommen ist. Auch die Schwimm- und Ruderbewerbe waren heuer Highlights für mich.
Aber woran scheiterte es, dass Österreich nicht ganz vorne dabei sein konnte?
MUCHITSCH: Das müssen Sie andere fragen. Fragen Sie Sportminister Norbert Darabos. Ganz generell ist es sicher so, dass sich die Jugend weniger dafür interessiert. Denn man muss viel für den Spitzensport aufgeben. Ich gehe regelmäßig beim Leichtathletikstadion in Feldkirchen vorbei, doch da ist oft niemand. Wenn ich daran denke, was wir alles unternommen haben, um trainieren zu können! Heute sitzen die Kinder lieber vor dem Computer. Außerdem hat der Sportunterricht einen geringen Stellenwert.
Olympia ist mittlerweile ein riesiges Spektakel. 30 Millionen Euro hat die Eröffnungsfeier gekostet. Geht der Sport dabei unter?
MUCHITSCH: Nein, das finde ich nicht. Aber natürlich hat die Show einen großen Stellenwert. Als ich 1960 bei den Olympischen Spielen in Rom dabei war, da gab es zu Beginn den Einmarsch der Nationen und das war es.
In einem Bericht der "Zeit" war unlängst zu lesen, dass sich viele Länder in Zukunft die Olympischen Spiele gar nicht mehr leisten werden können. Sehen Sie Olympia in Gefahr?
MUCHITSCH: Es wird immer Länder geben, die die Spiele austragen. Aber vielleicht rückt einfach der Sport wieder mehr in den Vordergrund und man erspart sich die Show.
Was war Ihr schönstes Erlebnis bei Olympia 1960?
MUCHITSCH: Wir haben im olympischen Dorf sehr spartanisch gewohnt, aber gut gegessen und getrunken. Es war einfach beeindruckend - beispielsweise das Getöse, als der italienische Läufer Livio Berruti mit seiner Sonnenbrille im Olympiastadion gelaufen ist.
Waren Sie nach 1960 noch einmal in Rom?
MUCHITSCH: Nach meiner sportlichen Laufbahn war ich mindestens 25 Mal dort. Rom hat seinen eigenen Reiz, ich kenne diese Stadt besser als Wien.
Was ist der größte Unterschied zwischen den Sportlern Ihrer Zeit und den heutigen?
MUCHITSCH: Für mich war der Sport immer ein Hobby, ich habe nebenbei gearbeitet. Wir haben nicht so intensiv trainiert, wie es heute notwendig ist. Damals konnte man als Amateur mithalten, heute muss man Profi sein, um zur Spitze zu gehören.
War Doping zu Ihrer Zeit ein Thema?
MUCHITSCH: Nein. Bei den Olympischen Spielen konnten wir uns frei bewegen, das Wettkampf-areal verlassen. Heute werden die Sportler strengstens kontrolliert. Mittlerweile steckt in diesem ganzen Geschäft so viel Geld, man kann es Sportlern fast gar nicht verargen, wenn sie zu solchen Mitteln greifen.
Wie war es für Sie, durch den Sport etwas von der großen weiten Welt zu sehen?
MUCHITSCH: Ich habe mit meiner Karriere 1949 begonnen. Nach dem Krieg waren die Wettkämpfe in Triest oder Laibach richtige Weltreisen. Aber dass ich etwas von der Welt gesehen habe, speziell von Europa, das war sicher nur über den Sport möglich.
Sie werden im September 80 Jahre alt. Wie halten Sie sich fit?
MUCHITSCH: Um mich fit zu halten, gehe ich viel zu Fuß und lasse das Auto stehen. Wenn ich könnte, würde ich gerne mehr Sport machen.
Features
Zur Person
Name. Hans Muchitsch
Geburtstag. 30. September 1932
Wohnort. Feldkirchen
Familie. Verheiratet, vier Kinder, acht Enkelkinder
Beruf. Vor der Pensionierung Angestellter bei der Kelag
Sportliche Laufbahn. Mit 17 Jahren kam Muchitsch zur Leichtathletik (Weitsprung, Hürdenlauf, Zehnkampf). Unter anderem räumte er 26 österreichische Meistertitel ab, Olympiamedaille gelang ihm in Rom 1960 keine. 23 Jahre lang dauerte Muchitschs sportliche Laufbahn an
Wordrap
Mein Lieblingsgericht . . .
. . . ein gutes Steak oder ein knusprig gebratener Branzino
Österreichs bester Sportler derzeit . . .
. . . wir haben einige gute, ich will niemanden hervorheben
Feldkirchen . . .
. . . seit meiner Jugend meine Heimatstadt, an deren Entwicklung ich interessiert bin
Mein Lieblingsbuch . . .
. . . ich lese gerne Bücher über Verschwörungstheorien












