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Zuletzt aktualisiert: 12.07.2012 um 05:10 UhrKommentare

So viel Takt muss auch in Kärnten sein

Ohne öffentliche Hand kein öffentlicher Verkehr: 2,2 Millionen Euro investiert das Land jährlich ins S-Bahn-Netz, das seit Einführung ein Plus von 4000 Fahrgästen täglich bringt.

Einsteigen, bitte! Die S 1 befördert zwischen Klagenfurt und Villach täglich 10.000 Fahrgäste

Foto © KLZ/Markus TraussnigEinsteigen, bitte! Die S 1 befördert zwischen Klagenfurt und Villach täglich 10.000 Fahrgäste

Zug verspätet, Strecke eingestellt, Bahnhof aufgelassen: Das waren bis vor Kurzem die Hauptbotschaften der ÖBB. Seitdem in Kärnten aber wieder in den öffentlichen Verkehr investiert wird, kann man - mit einem zugedrückten Auge - vermelden: Der öffentliche Verkehr, der gibt wieder was her!

Und damit gleich zur Wahrheit: Der Taktverkehr der S-Bahn ist ohne öffentliche Hand - bezahlt von allen Steuerzahlern - nicht möglich. Seit 2004 investiert das Land Kärnten wieder in Bahn und Bus. "Derzeit 15 Millionen Euro jährlich, 2,2 Millionen geben wir für die drei S-Bahn-Linien aus", sagt Albert Kreiner, Leiter der Abteilung Infrastruktur des Landes. "Ein öffentlicher Nahverkehr ist ohne Leistungsbestellung der öffentlichen Hand ein schwieriges Unternehmen", sagt ÖBB-Pressesprecher Christoph Posch. Einzelstrecken könnten sich rentieren, aber nie ein Gesamtsystem. Daher bestellt das Land Kärnten eine Leistung - wie eben die S-Bahn - die Ende 2010 gestartet wurde.

Vor Kurzem ging die S 2 in Vollbetrieb und fährt jetzt von St. Veit über Feldkirchen und Villach bis nach Rosenbach. Die S 1 verbindet Friesach mit Spittal und fährt zwischen St. Veit und Villach im Halb-Stunden-Takt. Von den bis zu 40.000 Gästen täglich pendeln 10.000 zwischen Klagenfurt und Villach. "Auf dieser Strecke haben wir seit Einführung des Taktverkehrs 1000 Fahrgäste pro Tag mehr", sagt Posch. Im Zentralraum beträgt die Auslastung zwischen 80 und 135 Prozent. Auf diesem Streckenabschnitt hat der gelernte Zugfahrer die besten Verbindungen und zusätzlich noch die Möglichkeit, mit den schnelleren Regionalsprintern oder überregionalen Zügen wie den ECs zu fahren. Auf dieser Strecke fällt der Umstieg vom Auto auf den Zug leicht, zumal die Pünktlichkeit im Regionalverkehr bei 98 Prozent liegt.

Löcher im Plan

Die S 2 und S 3 sind auch eindeutige Verbesserungen, weisen aber auch Schwächen auf: nämlich Löcher im Fahrplan, vor allem an Vormittagen. Diese "Fahrplanlöcher" gibt es zum Beispiel von Klagenfurt nach Völkermarkt-Kühnsdorf oder Wolfsberg. Der Grund: Zu diesen Zeiten gibt es ein zu geringes Verkehrsaufkommen. "Es macht keinen Sinn, wenn man mit leeren Zügen durch die Gegend fährt", sagt Posch. Dennoch wird dadurch der Taktverkehr ein wenig ausgehöhlt.

Ein Plus ist auch die "S 1 Nightline", die zwischen St. Veit und Spittal fährt: im Stundentakt zwischen Mitternacht und drei Uhr. Im Vorjahr nutzten das Angebot 7000 Kärntner. Einziger Wermutstropfen: Bahnfahren ist seit 1. Juli teurer. Monatskarten, die günstigen Alternativen zum immer teureren Auto, wurden empfindlich angehoben. Ein paar Beispiele: Die Monatskarte Klagenfurt-Villach kostete früher 89,50, jetzt 93 Euro. Die Strecke St. Veit-Klagenfurt kostete 71, jetzt 73 Euro. Dennoch bleibt Bahnfahren - gerade mit S-Bahn - eine günstige Alternative zum Auto.


Der Takt: Schneller am Ziel

Der öffentliche Verkehr krankt oft am Takt: Die drei S-Bahnlinien sind jedoch getaktet.

S 1: Sie verbindet Friesach mit Spittal stündlich, St. Veit mit Villach halbstündlich.

S 2: Sie fährt zwischen St. Veit und Feldkirchen (Zwei-Stunden-Takt), zählt man den Bus dazu im Stundentakt. Feldkirchen bis Rosenbach im Stundentakt.

S 3: Weizelsdorf nach Klagenfurt stündlich, von Klagenfurt nach Wolfsberg über Völkermarkt-Kühnsdorf stündlich.

Der Preis: Günstig oder teuer?

Der Preis ist heiß: Für Kärnten gilt ein Verbundsystem, was die Linien innerhalb der Landesgrenzen betrifft. Alle Nicht-S-Bahn-Linien können andere Preise haben. Das ist verwirrend.

Einzelkarten: Eine Einzelkarte von Klagenfurt nach Villach kostet 7,80 Euro. Einzelkarten sind gerade für seltene Zugfahrer relativ teuer. Müsste günstiger sein!

Monatskarte: Ist eine sparsame Alternative zum Auto. Klagenfurt-Villach kostet derzeit 93, Klagenfurt-St. Veit 73 Euro.

Der Anschluss: Mit Verzögerung

Wie komme ich zu meiner Arbeitsstelle? Wer Zug fahren will, muss zum Bahnhof, während Autofahrer ihren "Bahnhof" vor der Türe haben. Daher stellt sich die Frage: Gibt es Anschlussverbindungen?

Klagenfurt: Das Stadtwerke-Busnetz war schon besser, bietet in der Regel zwischen zwei und drei Verbindungen vom Bahnhof in alle Stadtrichtungen.

Villach. Kein Taktfahrplan, daher für ankommende Reisende unübersichtlich.

Die Nightline: Sicher nach Hause

Bis zum 9. September können Nachtschwärmer die S 1-Nightline nutzen.

Takt. Die Nightline wird heuer wieder angeboten und fährt zwischen Spittal und St. Veit an Wochenenden bis 3 Uhr früh.

Erfolg. Im Vorjahr rechnete man mit höchstens 1000 Nutzern, 7000 waren es dann. Der Erfolg deckt sich mit dem generellen Plus im Linienverkehr: 44 Prozent mehr Wochen- und Monatskarten werden seit dem Start der S-Bahn verkauft.

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