Tante Helga lässt keine Olympiade aus
Die 92-jährige Brückler Turnerin Helga Ebner, besser bekannt als Tante Helga, ist heuer in London bereits zum sechsten Mal als Olympiaden-Zuschauerin vertreten.

Foto © KLZ/HolzfeindDie Brücklerin Helga Ebner gibt auch im hohen Alter noch immer Turnkurse
Die Türklingel läutet. Zu finden ist die Hausbesitzerin aber im Garten, wo gerade die "autArK-Gruppe" werkelt. Dann geht es ab in den Wintergarten, wo um 9 Uhr in der Früh Mannerschnitten und Soletti am Tisch stehen. "Schatzale, trinkst mit mir ein Glas Sekt zum Aufbauen?" Ja, das ist die bekannte Turnerin Helga "Tante Helga" Ebner aus Brückl, wie sie leibt und lebt. Mit 92 Jahren möchte sie im August noch als Zuschauerin zur Olympiade nach London fliegen.
"Das habe ich mir schon zum 90. Geburtstag gewünscht", sagt Ebner. Sie war bereits bei sechs Olympischen Spielen als begeisterte Zuschauerin vertreten: "Dort fühlt man sich, als wäre man selbst Athlet." Für eine aktive Teilnahme hatte es für die ehemalige gute Schwimmerin und Skifahrerin aber leider nie gereicht. Heuer begleiten sie ihr Sohn Harald Gerlitsch und eine Turnerdelegation.
Erste Olympiade 1936
Im Jahr 1936 war Ebner zum ersten Mal live bei der Olympiade in Berlin zu Gast. Im Jahr 1956 ließ sie es sich nicht nehmen, in Cortina d'Ampezzo auch einmal eine Winterolympiade zu erleben. "Damals wollten wir zu viert mit unserem Auto ins Zentrum, aber die Kontrolleure wollten uns nicht reinlassen. Wir haben so lange gesucht, bis wir einen Platz fanden, um uns hinein zu schwindeln", so Ebner, die sich mit Turnkursen und Kuraufenthalten fit hält. Nachdem sie dort kein Hotel gefunden haben, durften sie sich bei einer Familie im Haus einquartieren: "Wir mussten auf Matratzen am Boden schlafen."
Aber die Mühe habe sich ausgezahlt, weil sie Skiläufer Toni Seiler siegen sah: "Wir haben nur geschrien, der Toni siegt, der Toni siegt." Vor 16 Jahren stand dann die Olympiade in Atlanta auf dem Programm: "Es war sehr schön. Durch meinen Sohn, der dort lebt, haben wir uns leicht zurechtgefunden und waren bei jedem Tennisspiel und Straßenrennen mit dabei", so die Sportlehrerin, die am 17. Mai ihren 92. Geburtstag gefeiert hat. Von der Olympiade in Sydney schwärmt sie heute noch: "Wir haben direkt neben dem muschelförmigen Opera House, gewohnt und hatten es nicht weit zu den Sportstätten." Außerdem war sie von der Freundlichkeit der Helfer dort sehr angetan: "Man musste nie nach dem Weg fragen, sie sagten immer please come with me."
Zu Gast im Österreichhaus
In Sydney konnte sie die ehemalige Leichtathletin Steffi Graf auf ihrem Weg zu Olympia-Silber im 800-Meter-Lauf anfeuern. Vier Jahre später bei der Olympiade in Athen wurde Helga Ebner sogar zu den Ehrungen ins Österreichhaus eingeladen. Vom Olympia-Austragungsort Peking war die rüstige Pensionistin weniger begeistert: "Das war nichts für uns, weil wir uns mit den Leuten dort nicht so verständigen konnten."
In London möchte sie sich vor allem die Wettkämpfe der Sportarten Tennis, Leichtathletik und Rudern anschauen. Fünf Tage wird sie die Spiele hautnah miterleben und hat danach sicherlich wieder einiges zu erzählen.
Features
Olympia
Orte. Bei diesen Olympiaden war die Brücklerin Helga Ebner als Zuschauerin mit dabei:
1936. Olympische Sommerspiele Berlin
1956. Olympische Winterspiele Cortina d'Ampezzo
1996. Sommerolympiade Atlanta
2000. Sydney
2004. Athen
2008. Peking
2012. Ebner will sich die Olympiade in London ansehen












