Sie tauchte in eine andere Welt ein
Vor 25 Jahren ging die Himmelbergerin Sonja Kofler als Entwicklungshelferin nach Nicaragua. Heute führt sie auf Ometepe ein Hotel.
Bis Ende März bleibt Sonja Kofler in Kärnten, ihrer alten Heimat, der sie 1987 den Rücken kehrte. Im Alter von 23 Jahren fasste die gebürtige Himmelbergerin den Entschluss, als Entwicklungshelferin nach Nicaragua zu gehen. Aus einem - wie damals geplant - dreijährigen Aufenthalt sind mittlerweile 25 Jahre geworden.
"Bei meiner Arbeit im Krankenhaus habe ich meinen Mann Carlos kennengelernt. Er ist Gynäkologe", so Kofler, die im April ihren 48. Geburtstag feiert. 1990 heirateten die beiden. Die Frage stand im Raum, ob sie in Österreich oder in Nicaragua leben werden. Die Entscheidung fiel schlussendlich auf die Heimat ihres Mannes, da er dort die besseren beruflichen Möglichkeiten hatte.
Kein Wort gesprochen
Koflers erste Eindrücke von diesem Land lassen sich für sie schwer in Worte fassen: "Es war und ist einfach eine komplett andere Welt. Ich habe vor meiner Abreise versucht, mich vorzubereiten, habe Berichte von anderen Entwicklungshelfern gelesen. Aber man kann sich darauf nicht vorbereiten." In Wien hatte sie sich zur Krankenschwester ausbilden lassen und später im Krankenhaus in St. Veit gearbeitet. "In Nicaragua war am Anfang alles so trostlos, die Leute hatten keine Hoffnung", so die Auslands-Feldkirchnerin. In ihr wuchs der Wunsch, diesen Menschen zu helfen. Drei Jahre lang arbeitete sie im Krankenhaus in Managua. Kofler: "Ich hatte in Österreich zwar einen Vorbereitungskurs in Spanisch besucht. Aber das erste Jahr in Nicaragua war ich quasi stumm, ich habe nur zugehört." Später war sie zwei Jahre lang in einer Frauenambulanz tätig. In Klagenfurt ließ sich die Kärntnerin schließlich zur Hebamme ausbilden. Nach ihrer erneuten Rückkehr nach Nicaragua konnte Kofler dort aber nicht als Hebamme arbeiten, sie hätte lediglich weit entfernt von ihrem Ehemann eine Stelle bekommen.
Ein Neustart
1995 begannen die beiden, einen komplett neuen Weg einzuschlagen. Auf der Insel Ometepe gründeten sie einen Hotelbetrieb. Koflers Mann Carlos wurde in der Region als "Pionier im Tourismus" bezeichnet. Kofler: "Zu Beginn haben wir uns unser Badezimmer mit den Gästen geteilt. Das Wasser mussten wir vom See holen. Ich weiß noch genau, als Erstes hatten wir eine Familie aus Deutschland zu Gast. Die beiden Kinder wollten drei Mal am Tag Spaghetti essen." Mittlerweile verfügt das Hotel "Villa Paraiso" über 30 Zimmer. 30 Angestellte werden beschäftigt. Die Gäste kommen aus aller Welt, vorwiegend aus Nordamerika, Kanada und Europa. Kofler: "Der Tourismus steckt zwar noch in den Kinderschuhen, aber es hat sich in den 25 Jahren, in denen ich jetzt dort lebe, schon einiges getan."
Alle zwei Jahre kommt Kofler nach Kärnten. Denn ihre Familie fehlt ihr. Deshalb freut sie sich auch immer über Besuch aus der alten Heimat. Erst unlängst war eine Gruppe aus Himmelberg mit ihrer Mutter und ihrem Bruder zu Besuch bei ihr in Nicaragua.
Dass sie irgendwann wieder in Österreich lebt, schließt Kofler nicht aus, auch wenn das eine große Umstellung für sie wäre. Vorerst ist und bleibt aber Nicaragua ihre Heimat.
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