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Zuletzt aktualisiert: 08.10.2011 um 20:16 UhrKommentare

Ein Teil ihres Lebens gehört den Sterbenden

Vor 15 Jahren gab es in Feldkirchen die Bemühung, eine Hospizbewegung ins Leben zu rufen. Heute sind 14 Ehrenamtliche im ganzen Bezirk tätig.

Stundenlang sitzt Helga Vesecky am Sterbebett - zu jeder Tages- und Nachtzeit. Sie hält die immer kälter werdende Hand, wischt die Stirn mit einem feuchten Tuch ab. Alles, was Erleichterung beim Sterben schafft, ist gut. Absolutes Vertrauen ist wichtig, um gemeinsam durch die letzte Lebensphase zu gehen.

Vesecky ist eines von 14 Mitgliedern der Hospizbewegung im Bezirk Feldkirchen. Vor 15 Jahren begann sich der Verein zu organisieren. In dieser Woche kamen die Mitglieder unter Gruppenleiterin Corinna Fischer wieder zu einer gemeinsamen Sitzung zusammen. "Es liegt uns am Herzen, die Gesellschaft auch ein Stück weit wachzurütteln. Der Tod hat keinen Platz in einer Konsumgesellschaft. Dabei trifft er jeden. Wir schieben ihn jedoch weg", sagt Vesecky. Sie selbst hat keine Angst vorm Sterben. Auf einem Hof in einem großen Familienverbund in Deutsch-Griffen aufgewachsen, gehörte für sie der Tod zum Leben dazu. Und das tut er für die 74-Jährige bis heute: "Mein Leben ist die Hospiz. Diese Tätigkeit hat mir gezeigt, dass man mit leeren Händen und vollem Herzen viel bewegen kann. Die Kälte schleicht sich immer mehr in unsere Gesellschaft ein. Ich kämpfe dafür, Menschen mehr Würde, Wärme und Geborgenheit zu geben."

In sämtlichen Altenwohnheimen und im Krankenhaus sind die Mitglieder der Hospizbewegung unterwegs. Aber auch für den privaten Bereich gilt das Angebot. Denn für viele Patienten ist es der letzte Wunsch, zu Hause sterben zu dürfen. "Die Angehörigen haben oft Angst davor. Wir ermutigen sie dazu und sind jederzeit bereit, sie dabei zu begleiten."

Das größte Geschenk

Das alles passiert in der Freizeit der Mitglieder der Hospizbewegung - auch die Fortbildungskurse, die regelmäßig absolviert werden. Aber das macht nichts. Für Helga Vesecky ist es schließlich, wie sie selbst sagt, das größte Geschenk, wenn ein Patient bereit dazu ist, in ihrer Gegenwart loszulassen: "Kein Mensch stirbt gerne alleine, aber das Vertrauen muss da sein. Der Tod ist schließlich das Intimste."

Gerade heuer im europäischen Jahr der Freiwilligenarbeit ist es ihr daher ein Anliegen, aufzuzeigen, wie wichtig ehrenamtliche Arbeit ist. Vesecky: "Denn ich bin der Meinung, für eine intakte Gesellschaft muss jeder seinen Beitrag leisten."

CHRISTIANE CANORI

FAKTEN

Name. Der Begriff Hospiz kommt aus dem Lateinischen (hospitium) und bedeutet so viel wie "Herberge".

Leitlinien. Im Zentrum der Bemühungen stehen der unheilbar kranke Mensch und seine Angehörigen. "Wahrhaftigkeit in der Kommunikation und Respekt vor Würde und Autonomie des Menschen gehören zum Wesen der Hospizbewegung", heißt es. Niemand wird aus finanziellen, weltanschaulichen oder ethnischen Gründen von der Betreuung ausgeschlossen. Angehörige werden in der Zeit des Abschiednehmens unterstützt und in ihrer Trauer begleitet.

Leitbild. In der Hospiz wird auf verschiedenen Ebenen gearbeitet. Unter anderem auf der psychischen Ebene, wenn es um das seelische Gleichgewicht der sterbenden Person geht.

Informationen. Nähere Informationen zur Hospizbewegung gibt es unter anderem auf der Homepage www.hospiz.at. Dort erhält man auch die Kontaktdaten zum Team des Bezirkes Feldkirchen.

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