Hermann Waldy: "Rennen zu fahren ist wie ein Trieb"
Rennfahrer-Legende Hermann Waldy über die Faszination Autorennen, seine schönsten Erfolge und den richtigen Zeitpunkt aufzuhören.

Foto © SchusserHermann Waldy mit einigen seiner rund 900 Pokale
Sie haben im Laufe Ihrer Karriere sicher schon viele Interviews gegeben. Was ist die am häufigsten gestellte Frage?
HERMANN WALDY: Die erste Frage, die mir Journalisten stellen, wenn sie mich anrufen ist, Wievielter ich geworden bin. Oft werde ich auf gefragt, wo ich den Elan hernehme, schließlich bin ich in meiner 43. Rennsaison.
Wie sind Sie eigentlich zum Rennsport gekommen?
WALDY: Im Alter von sechs Jahren habe ich mit meinem Vater mein erstes Rennen gesehen. Dieses fand damals noch nachts statt. Und ab diesem Moment habe ich gewusst, dass ich Rennfahrer werden will. Rennfahrer oder Buschauffeur. Aber Buschauffeur bin ich ja quasi auch. Schließlich fahre ich mit einem umgebauten Bus zu den Rennen.
Mit welchem Auto haben Sie Ihr erstes Rennen bestritten?
WALDY: Mein erstes Rennen bin ich im Rahmen der Kleine Zeitung- Rallye gefahren. Das war 1968. Mein Rennauto und gleichzeitig auch mein Privatauto war ein Fiat 1100 mit 40 PS. Und so hat alles begonnen.
Mit welchem Rennauto sind sie derzeit unterwegs?
WALDY: Derzeit fahre ich mit einem Lola B06/51 mit 580 PS und 600 Kilogramm.
Mit welchem Auto ist der Rennfahrer Waldy privat unterwegs?
WALDY: Mit einem Audi A4.
Sie haben schon viele Rennen gewonnen, zuletzt am vergangenen Wochenende in der Steiermark. Was war für Sie der größte Erfolg Ihrer Karriere?
WALDY: Besonders in Erinnerung geblieben ist mir der erste Gesamtsieg und auch mein Sieg am Rechberg vor 25.000 Leuten. Es ist der einzige Europameisterschaftslauf in Österreich und dieses Rennen haben überhaupt erst drei Österreicher gewonnen. Es war etwas ganz Besonderes. Das Rechberg-Rennen ist mit dem Formel-1-Rennen in Monte Carlo vergleichbar. Welche sportlichen Ziele haben Sie sich noch gesetzt?
WALDY: Noch so viele Rennen wie möglich zu gewinnen und auch körperlich in Form zu bleiben. In diesem Sport darf man keinen falschen Ehrgeiz haben. Wenn es nicht mehr passt, dann ist Schluss. Ich will mich dabei aber auf keinen Zeitpunkt festlegen. Solange ich in Europa in der zweiten "Garnitur" noch vorne mitfahren kann, fahre ich auch.
Mit 63 Jahren gehören Sie schon zu den "alten Hasen". Welche Vorteile haben Sie Ihren jüngeren Kontrahenten gegenüber?
WALDY: Die Jungen sind zwar etwas risikobereiter beim Fahren, dafür habe ich die Routine und das Vertrauen in mich selbst.
Was macht für Sie die Faszination Autorennen aus?
WALDY: Das Beherrschen der Technik und, dass man im Rennen beweisen kann, wie gut man die Technik beherrscht. Wenn ich gerade von einem Rennen zurück bin, kann ich das nächste kaum erwarten. Rennen zu fahren ist wie ein Trieb.
Sie fahren seit mehr als 40 Jahren Autorennen. Was hat sich in all den Jahren am meisten verändert?
WALDY: Die Technik und die Sicherheit - mein erstes Rennauto hatte nicht einmal Sicherheitsgurte, heute gibt es seitliche Crashboxen, Sicherheitstanks oder automatische Feuerlöschanlagen. Auch in der Technik hat sich viel getan. Im jetzigen Auto wird alles von einem Computer überwacht. Dieser misst beispielsweise die Zeit auf Tausendstelsekunden genau oder den Druck auf ein Zehntel Bar genau.
Sie haben Ihre Leidenschaft an Ihren Sohn weitergegeben. Hermann junior ist seit zehn Jahren ebenfalls im Rennzirkus. Hat man eigentlich nicht Angst um das eigene Kind?
WALDY: Vater zu sein, ist nicht immer leicht. Natürlich hat man ein komisches Gefühl. Wir starten in unterschiedlichen Klassen, sodass er immer vor mir losfährt. Und ich bin jedes Mal froh, wenn es keine Unterbrechung gibt, denn dann weiß ich, dass er gut im Ziel angekommen ist.
Bei Ihrem Hobby sind Sie ständig mit dem Fuß auf dem Gaspedal. Wie viele Strafzettel haben Sie privat schon wegen Schnellfahrens bekommen?
WALDY: Nicht mehr oder weniger als andere Autofahrer auch. Privat fahre ich sehr vorsichtig.
Features
Zur Person
Hermann Waldy (63) wohnt in Radweg bei Feldkirchen
Familienstand. In Lebensgemeinschaft mit Margit
Kinder. Zwei Kinder (Hermann und Silvia) sowie zwei Enkelkinder. Hermann junior fährt selbst bereits seit zehn Jahren Autorennen
Beruf. Technischer Angestellter bei der Firma ARA (derzeit noch immer geringfügig)
Wortspenden
Heimat ist für mich . . . sehr wichtig und sehr bedeutend. Ich fühle mich mit meiner Heimat sehr verbunden.
Angst macht mir . . . die derzeitige finanzielle und wirtschaftliche Entwicklung in Europa.
Man sagt mir nach, dass ich . . . ein bisschen egoistisch bin. Aber das muss man im Sport einfach sein.
Ein Vorbild ist für mich . . . Jochen Rindt, weil er den Motorsport sehr geprägt hat.
Ich freue mich auf . . . jedes einzelne Rennen, aber jedes Jahr auch wieder auf das Ende der Saison.
Mein Lieblingsort ist . . . Feldkirchen, Radweg 53, wo ich wohne.












