Als die Hippies Ossiach stürmten
Musikfans aus halb Europa pilgerten vor 40 Jahren zum "Kärntner Woodstock" nach Ossiach. Die pompöse Show von Pink Floyd war der teuerste Auftritt, den es in Kärnten bis dahin gegeben hatte.
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Kärnten Anfang Juli 1971: Die Kelag startete ihre Aktion "Stromkomfort" (45 Groschen/kWh), am Klagenfurter Wochenmarkt sanken die Preise, und die Landesregierung ließ verlautbaren, dass es für die Reinhaltung der Seen noch immer kein Geld gibt.
Es gab aber auch einen Aufreger im Sommer vor 40 Jahren: "Hippieüberflutung in Ossiach wird diskutiert" lautete eine Schlagzeile der Kleinen Zeitung vom 3. Juli 1971. Friedrich Gulda, damals künstlerischer Leiter des legendären Musikforums Ossiach, hatte international bekannte Pop- und Jazzstars wie Pink Floyd, Tangerine Dream, Weather Report und Dollar Brand engagiert und damit junge Musikfreaks aus halb Europa zur Pilgerschaft ins idyllische Dorf mobilisiert. Für etliche endete der Trip zu früh und in einem Gendarmerie-Häfn: "Hascher auf dem Weg nach Ossiach gefaßt", konnte man lesen.
Michael Leischner (65), damals offizieller Fotograf des Musikforums, erinnert sich: "Viele Einheimische waren verunsichert und haben erstaunt gefragt: So etwas gibt's?" Der gelernte Fotograf war rund um die Uhr im Einsatz. Das Badezimmer des Gasthofs "Zur Post" hatte er zur Dunkelkammer umgebaut und sich ein kleines Schwarz-Weiß-Labor eingerichtet. Schlaf gab es für Leischner, ein gebürtiger Osttiroler, der seit Jahrzehnten in Villach wohnt, nicht viel. "Es gab täglich Mitternacht-Sessions. Ich bin eine Woche lang quasi geschwebt", beschreibt er seinen damaligen Gemütszustand.
Freilich: Nicht alle sind geschwebt, viele waren frustriert. "Was die einen als willkommene Belebung des sonst eher verschlafenen Tourismusortes empfanden, bezeichneten die anderen als langhaarige Umweltverschmutzung" (Kleine Zeitung). Obwohl sich die örtliche Gendarmerie "lobend über das ruhige Verhalten der Jugendlichen aussprach" (Kleine Zeitung), wurde sogar eine Volksabstimmung über die Abschaffung des Avantgarde-Festivals gefordert.
Künstlerisch war Ossiach '71 - es war das letzte Musikforum vor Ort - auf jeden Fall ein Hit. "Wenn in Bayreuth der Gott Wagner heißt, dann hat Ossiach viele Götter, und das mit Absicht", urteilte der bekannte deutsche Musikkritiker Werner Burkhardt.
Der Höhepunkt war Pink Floyd. Die Band rückte mit zwei Sattelschleppern an, um ihre Rock-Symphonie "Atom Heart Mother" mit 60-köpfigem Chor und Bläsern erschallen zu lassen. Mit einer kolportierten Gage zwischen 200.000 und 300.000 Schilling war es das teuerste Konzert, das es in Kärnten bis dahin gegeben hatte. Pink Floyds Plattenfirma ließ allerdings keine Foto- und Tonaufnahmen des Konzerts zu. Leischner durfte die Stars nur bei der Probe fotografieren.












