Zwei Künstler, die sich als gute Handwerker verstehen
Peter Brandstätter sen. und Peter Brandstätter jun. zeigen in einer Ausstellung auf Schloss Albeck einen Querschnitt ihres Schaffens. Der Vater ist mit Ölbildern und Aquarellen, der Sohn mit Skulpturen vertreten.

Foto © Trausnig
"Das prägnante Motto aus Robert Musils "Mann ohne Eigenschaften" für alle große Kunst - "Genauigkeit und Seele" - gilt nicht nur für diese Menschendarstellungen, es gilt vice versa auch für die Aquarelle und Landschaftsdarstellungen", schrieb der Schriftsteller Alois Brandstetter 2002 im Vorwort zu einem Buch mit Werken seines Fast-Namensvetters Peter Brandstätter sen. Dabei sieht sich der 93-Jährige nicht als Künstler. "Ich bin ein Maler", sagt der in Spittal beheimatete Peter Brandstätter sen. - und das ist er im Hinblick auf seine Biografie gleich im doppelten Sinn.
Am 31. Dezember 1917 wurde Peter Brandstätter sen. geboren. Sechs Kinder waren es zu Hause, der Vater betrieb in Spittal eine Gastwirtschaft. "Es waren schlechte Zeiten", erinnert sich der rüstige Senior zurück. Und so erlernte er, zu dessen Gailtaler Vorfahren im 18. Jahrhundert Freskenmaler zählten, bei seinem Bruder den Beruf eines Malers und Anstreichers. Bald zog es ihn zur Kunst. Ein paar Kurse im Porträtieren absolvierte Peter Brandstätter sen. bei Leopold Resch, Kärntens bekanntestem Trachten- und Brauchtumsmaler, danach blieb er Autodidakt.
Nach dem Zweiten Weltkrieg geriet der Oberkärntner in jugoslawische Gefangenschaft, aus der er 1947 zurückkehrte. 1948 heiratete er die neun Jahre jüngere Herta, mit der er bis zu deren Tod 62 Jahre verbunden blieb. Drei Kinder entsprangen der Ehe mit der "wunderbaren Hausfrau, die aus nichts etwas gemacht hat". Denn Peter Brandstätter sen. blieb freischaffend. "Ich hatte aber viele Aufträge. Manchmal mussten die Leute zwei bis drei Jahre auf ein Bild warten."
Peter Brandstätter sen. ist in vielen Techniken versiert, am liebsten aber ist ihm das Aquarell. Dass seine Schaffenskraft ungebrochen ist, zeigen zahlreiche neue Bilder in der Ausstellung auf Schloss Albeck, welche die Entwicklung des Malers in seinen späten Jahren dokumentieren. "Farbstärker und lichtbetonter", sagt er selbst.
Die Bilder von Peter Brandstätter sen. sind der eine Teil der Schau, die Skulpturen von Peter Brandstätter jun. der andere. Der Sohn hat lange gezögert, in die Fußstapfen des Vaters zu treten. "Ich hatte immer den Perfektionisten vor Augen", erzählt der 53-Jährige, der 25 Jahre in der Bauwirtschaft tätig war und erst 2003 den Schritt zum freischaffenden Künstler wagte. Seither sind zahlreiche Skulpturen entstanden - aus Holz, Metall, Zement, Ton, Stein. "Ich bin der 3D-Mensch", beschreibt sich der "Verfechter des Handwerks".
Befruchtendes Verhältnis
Ausschlaggebend für den Weg des Juniors war sein behinderter Bruder, der von der Lebenshilfe betreut wird. Dort fand er eines Tages einen Patzen Ton - und formte daraus "Die Lesende". Seither hat ihn die Skulptur nicht mehr losgelassen. Und während er in seinem Wohnhaus, dem ehemaligen Gasthaus des Großvaters, sogar aus Besteck und Schneeketten Objekte zaubert, steht der Vater im Haus nebenan nach wie vor täglich im Atelier. "Es ist ein gegenseitig befruchtendes Verhältnis, das noch nie so intensiv war", will der Sohn die Nähe zum Vater nicht missen.











