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Zuletzt aktualisiert: 02.04.2011 um 20:30 UhrKommentare

"Dieser Politik ist alles zuzutrauen"

Franz Prochazka, geistiger Vater und Vorkämpfer der Fachhochschule in Feldkirchen, über Schließungsgerüchte und Politiker mit Scheuklappen.

S ie haben den Verein "Humanitas Kärnten" gegründet, der sich für die Errichtung der FH in Feldkirchen eingesetzt hat. Was war Ihr erster Gedanke, als Sie von den neuerlichen Schließungsgerüchten gehört haben?

FRANZ PROCHAZKA: Jetzt drehen die Landespolitiker komplett durch. Vor wenigen Jahren haben sie den Standort bestätigt und jetzt, wo alles bestens läuft, will man zusperren. Unsere Politiker haben Scheuklappen und nicht die Fähigkeit, die gesellschaftlichen Bedürfnisse im Spannungsfeld Stadt-Land zu begreifen.

Wie ernst ist es diesmal?

PROCHAZKA: Diesen Politikern ist, wie man den politischen und wirtschaftlichen Skandalen entnehmen kann, alles zuzutrauen.

Warum haben Sie sich so vehement für die Errichtung eingesetzt?

PROCHAZKA: Die Gründungsidee der FH sah vor, im Sinne der Regionalentwicklung auch außerhalb der großen Städte FH-Studienrichtungen einzurichten. Unserer Initiative ist es gelungen, sowohl die Universität Klagenfurt als auch außeruniversitäre Einrichtungen von FH-Studiengängen im Gesundheits- und Sozialbereich zu überzeugen. Schwerpunkt dieser Idee war die Diakonie Waiern, die in beiden Bereichen Kompetenz hatte. In anderen europäischen Ländern gab es damals bereits seit 15, 20 Jahren solche Studiengänge.

Warum treffen die Sparpläne gerade die FH in Feldkirchen?

PROCHAZKA: Weil Klagenfurt und Villach mehr politischen Einfluss haben.

Ist ein Kampf für den Erhalt denkbar?

PROCHAZKA: Wer kämpft? Wir haben vor Jahren mit der Plattform Zukunft Feldkirchen an die 4000 Unterschriften gesammelt. Dies hätte für eine dauerhafte Lösung genügen müssen. Die Entscheidung für den Standort ist neben den fachlichen Gegebenheiten auch in Hinblick auf die Regionalentwicklung eine rein politische. So wie es aussieht, wird nun von der Politik der ländliche Raum im Stich gelassen.

Was kann man tun, um Standort-Diskussionen zu vermeiden?

PROCHAZKA: Die Politik soll zu Entscheidungen stehen und sich nicht mit dem Wind drehen.

Hätten Sie gedacht, dass die FH in Feldkirchen nach so kurzer Zeit schon wieder umstritten ist?

PROCHAZKA: Nein.

Was kann die Stadtpolitik tun?

PROCHAZKA: Das Bekenntnis für den Standort ist bei der SPÖ unglaubwürdig. Sie hat die Bevölkerung mit fadenscheinigen Argumenten gegen die FH aufgebracht. Bei der Planung für das Gebäude hat sie die Planungsgruppe verlassen und dem damaligen Bürgermeister Walter Puff Prügel vor die Füße geworfen.

Die Stadt erwähnt auch immer wieder, wie groß die finanzielle Belastung durch die FH ist . . .

PROCHAZKA: Die finanzielle Belastung ist angespannt, weil Bürgermeister Robert Strießnig im Alleingang Mittel dorthin verteilt, wo er sein Klientel sieht.

Gießt man mit der ständigen Erwähnung der Kosten nicht noch zusätzlich Öl ins Feuer?

PROCHAZKA: Die Erwähnung der Kosten durch die SPÖ ist letztlich ein Schuss ins eigene Bein.

Wo sehen Sie die FH Feldkirchen in zehn Jahren?

PROCHAZKA: In spätestens zehn Jahren befinden sich die Feldkirchner FH-Studiengänge in den Fängen der Kabeg und sind durch und durch verpolitisiert. Es ist Ziel der Politik Bereiche, die noch außerhalb des politischen Einflusses stehen, für die Machtübernahme weichzuklopfen. HANNES STEINMETZ


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