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Zuletzt aktualisiert: 18.11.2010 um 16:19 UhrKommentare

GTI-Klasse gibt seit heuer Gas

GTI steht in diesem Fall für die erste Ganztags-Integrations-Klasse im Bezirk. Die Kleine Zeitung verbrachte mit Schülern und Lehrern der Volksschule 1 Feldkirchen einen Schultag.

Johann Pucher-Pacher mit Florian Leitgeb und Nicole Ostermann

Foto © Laggner-PrimoschJohann Pucher-Pacher mit Florian Leitgeb und Nicole Ostermann

Seit Beginn dieses Schuljahres gehen in Feldkirchen 20 Kinder ganztags zur Schule. Margot Stern-Isak, Leiterin der Volksschule 1, arbeitete über ein Jahr lang intensiv daran, dass dieses Projekt in der Tiebelstadt verwirklicht werden konnte. "Wir haben nun die einzige echte Ganztagsklasse mit verschränkter Abfolge im Bezirk", sagt die Direktorin.

In der Früh beginnt der Schultag ähnlich wie in den meisten Klassen: Rund eineinhalb Schulstunden lang steht Wissensvermittlung durch das Lehrerteam - bestehend aus Brigitte Lackner und Johann Pucher-Pacher sowie der Integrationslehrerin Andrea Roth - auf dem Programm. An diesem Tag geht es um die Buchstaben. "Mir macht das Schreiben am meisten Spaß", sagt Schülerin Nicole Ostermann. Nach der ersten Lerneinheit folgen "Übungen und Festigung". Ein wesentlicher Bestandteil des reformpädagogischen Unterrichts ist die Freiarbeit, bei der Kinder beispielsweise mit Materialien aus der Natur wie Sand oder Holz Buchstaben erforschen. Benjamin spurt ein "A" aus Holz mit dem Finger nach. Nandini legt aus Glasperlen den Buchstaben "O" in den Sand. Stern-Isak erklärt: "Die einzelnen Buchstaben sollen mit allen Sinnen begriffen werden. Beim Buchstaben ,R' kommen beispielsweise Rosinen zum Einsatz, die anschließend aufgegessen werden. Dadurch wird auch der Geschmackssinn aktiviert." Wenn nach den ersten beiden Schulstunden die Glocke läutet, geht die "GTI-Klasse" (Ganztags-Integrations-Klasse) gemeinsam mit den Schülern der anderen Klassen ins Freie. "Aber wir dürfen viel länger draußen bleiben als die anderen", sagt Michelle Prohart, die sich besonders darüber freut, dass sie zum Unterschied zu ihren "Halbtags-Kollegen" niemals Hausübung bekommt.

Nicht gebunden

Ein großer Vorteil der neuen Schulform ist die Flexibilität. "Wir sind nicht an Schulstunden gebunden, wir können auch etwas früher oder etwas später Pause machen", so Roth, die betont, dass "die Ganztagsschule den Druck von den Kindern nimmt". Nach der Pause folgt eine weitere Lerneinheit, pünktlich um zwölf Uhr gibt es dann das Mittagessen. Auf einem "Dienstplan" steht genau, welche Kinder heute servieren und wer für das Abräumen des Geschirrs zuständig ist.

Ab Mittag ergänzt Erzieherin Janet Rose, die sich mit den Kindern auch in englischer Sprache unterhält, das Lehrerteam. "Mrs. Rose wird privat vom Verein ,Schultaschenfreie Schule' finanziert", sagt Stern-Isak. Die Schultasche kann, wie es der Name des Vereins sagt, normalerweise wirklich zu Hause bleiben, aber "die Kinder dürfen natürlich ihren Eltern zeigen, was sie gemacht haben".

Nach einem weiteren Lernblock, der um 14 Uhr beginnt, gibt es noch eine Jause und Zeit zum Spielen. Grundsätzlich endet die Schule dann um 16 Uhr. Stern-Isak: "Da viele Eltern aber bis 17 Uhr Betreuungsbedarf haben, bieten wir zwischen 16 und 17 Uhr zusätzlich jeden Tag ein anderes Freizeitprogramm an." Von Montag bis Donnerstag ist für Abwechslung gesorgt: Englisch, Tanzen, Ballspiele oder Musik stehen auf dem Programm. "In der Ganztagsklasse haben wir Lehrer stärker die Möglichkeit, neben dem Bildungs- auch dem Erziehungsauftrag gerecht zu werden", sagt Stern-Isak. So wird beispielsweise beim gemeinsamen Essen auf Tischmanieren geachtet.

Für die Eltern werde durch diese Schulform das Leben leichter. Sozialpädagogin Cornelia Moore, deren Sohn Felix die Ganztagsklasse besucht: "Ich muss endlich nicht mehr die Rolle der Hilfslehrerin spielen."

SUSANNE LAGGNER-PRIMOSCH

GANZTAGSKLASSE

Unterschiede zur Halbtagsschule: keine Hausübungen, längere Pausen, flexiblere Zeiteinteilung, zwischendurch Zeit zum Spielen, abwechselnd Lernblöcke und Erholungspausen, Spiel und Sport. Neben der Wissensvermittlung wird auch viel Zeit in Erziehungsarbeit investiert

Unterricht. 7.50 bis 16 Uhr (im Anschluss daran bei Bedarf Freizeitprogramm bis 17 Uhr)

Schüler. Insgesamt 20 (11 Burschen, neun Mädchen)

Informationen. www.vs-feldkirchen1.ksn.at

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