Nach Kanada ohne ein Wort Englisch
Der gebürtige Sirnitzer Hannes Böckler (66) lebt seit mittlerweile 45 Jahren in Vancouver. Mutterseelenallein und ohne Englischkenntnisse kam er damals in Kanada an.
Statt mit Englischkenntnissen mit Sirnitzer Dialekt ausgestattet, aber mit einer Malerausbildung in der Tasche - so stand Hannes Böckler im Alter von 21 Jahren am Flughafen Vancouver. "Eigentlich wollten wir mit einem Freund fliegen, der ein bisschen Englisch sprach", sagt Böckler. Aber weil sein Visum verspätet angekommen war, ging sich das nicht mehr aus. Also war er damals mutterseelenallein bei seiner Ankunft um 4 Uhr früh in Kanada. Ein Grund aufzugeben? Für den Sirnitzer nicht.
In einem Lokal lernte er am selben Tag noch einen Mann kennen, der Deutsch sprach. Und schon am nächsten Morgen konnte er für einen deutschsprachigen Maler arbeiten. "Damals haben viele Handwerker gesucht, natürlich billige, aber man muss anfangs eben immer Lehrgeld zahlen", sagt Böckler. Gelohnt hat sich das allemal. "Ich war immer selbstständig, baute Häuser und verkaufte diese", sagt Böckler. Heute sei es nicht mehr so leicht, Arbeit zu finden.
Mittlerweile kann Böckler nicht mehr sagen, ob er sich mehr als Sirnitzer oder mehr als Kanadier fühlt: "Wenn ich dort bin, bin ich ganz da daheim und Kärnten fehlt mir nicht. Und wenn ich in Sirnitz bin, ist es umgekehrt." Etwa alle zwei Jahre ist er in Kärnten und trifft sich mit Freunden, die ihn auch in seiner neuen Heimat besuchen. Die Unterschiede zwischen den beiden Ländern seien für ihn nicht so groß. Seine Ex-Frau zum Beispiel lernte er kennen, als diese in Seattle in den USA mit einer Gruppe auftrat, die auch in Österreich durchaus bei Brauchtumsfesten zu sehen ist: nämlich mit Schuhplattlern.
Andere Entfernungen
An der Stadt gefallen ihm neben dem Meer, das direkt vor der Haustüre liegt, auch die drei Schigebiete, die von der Stadt aus auf die Rocky Mountains führen. Berge und Wälder sind dem gebürtigen Sirnitzer wichtig. Immerhin gehören das Schifahren und das Jagen zu seinen Hobbys. Die Jagd gestaltet sich in Kanada aber natürlich anders als in Kärnten - obwohl er die dort begehrten Jagdtrophäen, wie Grizzlys, Schwarzbären oder Pumas nicht bejagt. "Ich jage nur des Fleisches wegen", so Böckler. Bedeutend anders sind dabei die Entfernungen. "Ich darf zwar nur in meiner Provinz jagen, aber von Nord nach Süd erstreckt sich diese über 3000 Kilometer, und wenn man von West nach Ost fährt, hat man sogar eine Stunde Zeitunterschied", sagt Böckler.
Sein Sohn Jeffrey wohnt aber sogar für kanadische Verhältnisse "ziemlich weit weg", nämlich nahe Chicago, während seine Tochter Nicole nur 200 Kilometer weit von Vancouver entfernt lebt. Und ein Teil der aus Sirnitz stammenden Familie, die teils in Feldkirchen, teils in Deutschland lebt, ist mittlerweile ebenfalls in Kanada: Nachdem Böcklers Nichte ihm gefolgt war, kam auch bald seine Schwester nach. Kein Wunder also, dass er nie Heimweh hatte.
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