Das private Geschäft mit dem Tod
Nach der "Pax"-Insolvenz: Wie erledigen die anderen gut 30 Kärntner Bestattungsfirmen den 24-Stunden-Knochenjob? Bis zum Jahr 2000, als das konzessionierte zum freien Gewerbe wurde, arbeiteten Familienbetriebe und gemeindeeigene Bestattungen Hand in Hand.

Foto © Karin HautzenbergerRudolf Liegl (links), Bestatter in Guttaring mit seinen Eltern Ida und Hans
Nachdem die Bestattungsfirma "Pax" in Kärnten mit neun Millionen Euro minus Insolvenz angemeldet hat (darunter sechs Hypo-Millionen) , hat sich die Kleine Zeitung umgehört. Bis zum Jahr 2000, als das konzessionierte zum freien Gewerbe wurde, arbeiteten Familienbetriebe und gemeindeeigene Bestattungen Hand in Hand. Heute auf dem freien Markt hat sich für die meisten wenig geändert - auch wenn die Arbeit durch den 24-Stunden-Dienst oft zum Knochenjob mit dem Tod wird. Wir besuchten einen Bestatter.
"Ich arbeite oder habe Freizeit, so Gott es will", sagt Rudolf Liegl, Bestatter in Guttaring. Er hat den Familienbetrieb, den seine Eltern Hans und Ida Liegl ab 1961 aufgebaut hatten, vor 20 Jahren übernommen. Urlaub ist für den gelernten Fernseh- und Radiotechniker seither ein Fremdwort: "Man muss Tag und Nacht erreichbar sein. Weil mein Vater mithilft, kann ich manchmal einen Tag lang wegfahren." Oft passiert lange nichts, dann erreicht einen plötzlich um 2 Uhr früh ein Anruf: Ein Nachbar ist verstorben und deren Angehörige möchten, dass der Bestatter ihn sofort abholt. Liegl: "Ich bin damit aufgewachsen und habe mit dieser Arbeit kein Problem." Immerhin sei es ja auch nicht jedermanns Sache, Verstorbene anzukleiden und zu überstellen.
Quereinsteiger
Das ist aber nicht alles, was ein Bestatter zu tun hat: Da wird mit Hinterbliebenen gesprochen oder bei Behördenwegen, Partendruck und Aussuchen von Urnen, Särgen und Kerzen geholfen. "Heute spielt sich sehr viel am Computer ab", sagt Liegl. Wie er, war auch sein Vater einst ein Quereinsteiger in diesem Beruf. "Mein Großvater und mein Vater hatten eine Wagnerei und auch ich habe dieses Handwerk gelernt", sagt der Seniorchef Hans Liegl. Als die Traktoren herauskamen, Bauern ihre Pferde verkauften und Wagen aus Holz nicht mehr brauchten, ging es mit dem Geschäft bergab. Also sattelte Liegl um und wurde Bestatter: "Damals wurden die Menschen zu Hause aufgebahrt. Wir haben die Räume mit schwarzen Tüchern ausgekleidet, die dann meine Frau reinigen musste." Mit dem Bau der Leichenhallen wurde das einfacher.
Nach wie vor nicht leicht ist die Überstellung von Toten, wenn man dabei das Bundesland wechselt. "Dann braucht man einen Leichenpass oder eine Überstellungsgenehmigung", sagt Liegl, der einmal sogar bis Hannover gefahren ist. Früher musste man selbst bei einer Überstellung in die Nachbargemeinde einen Leichenpass aufweisen. Liegl: "So musste ich einen Leichenpass bei der Bezirkshauptmannschaft in St. Veit holen, wenn jemand in Wieting gestorben war, weil dort die eine Straßenseite zur damaligen Gemeinde Wieting und die andere zu Guttaring gehörte. Das dauerte länger als das Überstellen des Verstorbenen selbst." Mittlerweile auch einfacher geworden ist das Erstellen der Parten. Diese werden heute bequem am Computer erstellt und ausgedruckt; früher musste man in die Druckerei in St. Veit.
Stricken am Festnetz
Auch haben Handys einiges für das Gewerbe verbessert. "Sie können sich nicht vorstellen, wie viel ich gestrickt habe", sagt Ida Liegl. Die dreifache Mutter vertrieb sich damit die Zeit, die sie wartend neben dem Festnetztelefon verbracht hat. Angestellte Mitarbeiter hatte der Betrieb nämlich nie. Hans Liegl: "Wir hatten höchstens einmal Aushilfskräfte. Sonst rechnet sich das nie. Denn den 24-Stunden-Dienst kannst du nicht zahlen." Ebenso wie viele seiner Berufskollegen führt er darauf die Insolvenz von "Pax" zurück: Denn dort müssen viele Angestellte Tag und Nacht für das bezahlt werden, was in den Familienbetrieben von den Betreibern selbst gemacht wird.











