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Zuletzt aktualisiert: 04.08.2010 um 20:30 UhrKommentare

Die jährliche "Jagd" nach den Algen

Seit 17 Jahren kämpfen vier Spezialboote am Ossiacher See gegen die Algen. Die Kleine Zeitung war zum Lokalaugenschein an Bord.

In den vergangenen 17 Jahren hat der "Wasserverband Ossiacher See" fast eineinhalb Millionen Euro in das Algenabfischen investiert. Darin sind Anschaffungskosten und Erhaltungskosten der Boote sowie die Personalkosten enthalten. In den Sommermonaten sind täglich bis zu vier dieser Algenboote unterwegs - die Kleine Zeitung hat sich für einen Lokalaugenschein an Bord gewagt.

"Das Projekt ist eine kosmetische Sache, wir machen das im Auftrag der Tourismusgemeinden, um die Not zu lindern", sagt Wasserverbands-Geschäftsführer Norbert Schwarz. Die vier Boote wurden mit Know-how aus der Region gebaut, mitbeteiligt war Walter Huber (65). Die Boote haben am Bug eine Art Teppich, der ins Wasser gelassen werden kann. "Dieser Teppich funktioniert wie ein Fließband. Algen verfangen sich an der Oberfläche und werden ins Boot gezogen", sagt Huber. Die Bootstanks fassen bis zu 10.000 Liter. Sind sie voll, werden die Boote am Seeufer festgemacht, damit ihre glitschige Fracht ins Kanalsystem gepumpt werden kann.

Kapitäne, wie Georg Huber, sind zwischen Mai und September bis zu acht Stunden täglich am See unterwegs. Ein Job, der wegen der dröhnenden Motoren oft mit Ohrenschutz absolviert wird. Die Augen aber müssen offen bleiben. Die Algenboote tuckern in Ufernähe, dort, wo auch Schwimmer häufig ihre Runden ziehen. "Heuer haben wir das Problem, dass wir nicht ganz ans Ufer heranfahren können, weil der Wasserstand um 30 Zentimeter niedriger ist als im Vorjahr. Es fehlt an Wasserzufluss für den See", sagt Georg Huber.

Grotesk: See ist "zu sauber"

Die erfahrenen Augen der Algenboot-Kapitäne erkennen die treibenden Algen schon auf große Entfernungen. "Wir wissen natürlich auch, wo aufgrund des Windes und der Wasserströmungen am ehesten Algen sein können", sagt Georg Huber. Nach Gewittern und bei klarer Sicht ist das Algenproblem am Größten. "Da kommt das Sonnenlicht in manchen Bereichen bis auf den Seegrund. Die Algen bilden sich, lösen sich vom Grund und steigen auf. Wenn die Algen an die Wasseroberfläche kommen, drehen sie sich um. Der braune Schlamm, den die Wurzeln mitgerissen haben, treibt oben, die Algenfäden schauen nach unten", erklärt Walter Huber das unappetitliche Treiben.

Der Grund für das Algenwachstum ist unklar, es könnte aber - so grotesk das klingt - mit der Klarheit des Seewassers zutun haben. "Irgendwie hängt alles mit geringer Wassertiefe, Strömungen, Sonneneinstrahlung und Vegetation zusammen, aber keiner weiß ganz genau, was los ist", sagt Huber.

Er versucht, beim Algenabsaugen ökologisch vorzugehen. "Wir setzen Aggregate ein, die mit Biodiesel betrieben werden, aber auch sparsame Benzinmotoren", sagt Huber. Bis zu 70 Liter Treibstoff pro Arbeitstag verbraucht so ein Algenboot am See. Viel Aufwand, um die "ungebetenen Gäste" loszuwerden. "Dabei ist heuer algenmäßig eher wenig los", stellt Georg Huber fest und fügt hinzu: "Algen sind aber unberechenbar, die nächste Invasion kommt ganz bestimmt."

PHILIPP NOVAK

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