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Zuletzt aktualisiert: 17.04.2010 um 18:57 UhrKommentare

Vom Tri-hul-jo bis hin zum Hollaro

Die Evangelische Akademie Kärnten veranstaltete Am Wochenende in Waiern ein Jodel-Seminar. Die Kleine Zeitung war dabei und jodelte mit. Das Ergebnis wird Sonntag beim Gottesdienst stimmkräftig präsentiert.

Drei der Teilnehmer: Katharina Brandner, Sabine Hasenauer und Martin Müller

Foto © MaierDrei der Teilnehmer: Katharina Brandner, Sabine Hasenauer und Martin Müller

Ein Blick auf das Flipchart im Seminarraum im Haus Philippus genügt, um herauszufinden, dass es sich bei der an jenem Samstag stattfindenden Veranstaltung keineswegs um ein "normales" Seminar handelt. "Tri-hul-jo" steht in bunten Lettern geschrieben, wo für gewöhnlich ein pragmatisches "Willkommen" die Teilnehmer empfängt. Drei Silben, die sich an diesem Tag noch zahlreiche Male wiederholen und sich mit anderen ihrer "Art" zu stimmfarbenfrohen Schallwellen zusammenfügen sollten: Steht doch "Jodeln-Jubeln-Halleluja" auf der Tagesordnung.

Die zwischen leichter Unsicherheit und Neugier pendelnde Erwartungshaltung der sieben Teilnehmer - unter ihnen auch Pfarrer Martin Müller - löst sich gleich zu Beginn in Wohlgefallen auf. "Jeder kann jodeln. Den meisten von uns ist es vielleicht nicht mehr bewusst, aber eigentlich haben wir alle schon im Kindesalter gejodelt", sagt Seminarleiterin Helga Bimminger und stimmt wie zur Bestätigung das Kinderlied "Wia lustig is' im Winter" an, das ein erstes Tri-hul-jo zum Vorschein bringt.

Es folgt die erste jodlerische Herausforderung an den Teilnehmer-Sesselkreis: Die Tri-hul-jos werden durch Diri-hul-jos ergänzt, die Lautmalereien in parallelen Akkordabständen zu einem harmonischen Gesamtbild zusammengefügt - und die sieben Jodler zum Umhermarschieren aufgefordert, um die Melodien freier durch den Raum fliegen zu lassen. Mit zunehmend aufgelockerter Atmosphäre und immer mutigerem Einsatz der Stimmen wagen Bimminger und ihr Kollege Wolfgang Praxmarer schon bald die nächsten gesanglichen Experimente: Eine Oberstimme mit anderen Silben wird hinzugefügt. Verwirrend? Keineswegs. "Jeder sucht sich die Stimme aus, mit der er sich am wohlsten fühlt. Das Schöne am Jodeln ist ja, dass man so singen kann, wie man's g'spürt. Dadurch können verschiedene Gefühle, von Trauer bis zu großer Freude, zum Ausdruck gebracht und auch verarbeitet werden", so Bimminger. Der Ausgelassenheit der Teilnehmer nach zu schließen sind es vor allem Spaß und Begeisterung, die an jenem Vormittag den Seminarraum füllen.

Für die Sonntagsmesse wird als nächstes ein ganz besonderes, auf das kirchliche Ambiente beinahe zugeschnittenes Stück geprobt: der Glockenjodler. "Die Unterstimmen singen Bim-Bam, wie eine Glocke. Die Oberstimme jodelt dazu Hollari-hollaro-hollaridididio", erklärt Praxmarer. Um der Glocke einen richtigen Schallkörper zu verleihen, stellen sich die neun Sänger in einem engen Kreis zusammen - und bringen als "lebende Glocke" tatsächlich mit ihren Stimmen fast den Raum zum Vibrieren. Nach einem Glas Wasser zur Erfrischung der strapazierten Stimmbänder - Praxmarer: "Die oberste Stimmübung ist ,Besser Schlucken als Räuspern'" - geht es weiter im Programm, und zwar mit dem "Ålperer". "Dieses Lied hat mich aufs Jodeln gebracht. Als einmal jemand neben mir den ,Ålperer' angestimmt hat, gefiel mir das so gut, dass ich das auch lernen wollte", so Bimminger.

Multitaskingfähig

Der an sich schon nicht ganz einfach zu "formulierende" Jodler entpuppt sich als wahres Koordinationskunststück, als Praxmarer und Bimminger ihn mit einer Klatsch-, Klopf- und Schnipskür zu schmücken beginnen. Das Schenkelklopfen, das sich daraufhin zwischen die Hui-di-dis und Dul-jo-di-dis mischt, wurzelt zum Teil auch im Gelächter der Teilnehmer, die sich aber schon nach kurzer Zeit als "multitaskingfähig" herausstellen und letztendlich ein doch applauswürdiges Schau- und Tonspiel inszenieren.

Nach bereits zwei stimmungsvollen Stunden hat das Jodeln seinen verbreiteten Ruf als seichte, kommerzielle Volksmusik in Waiern wohl vollends abgelegt. Und stattdessen einen neuen gewonnen: als Ventil für Gefühle, als Training für Zwerchfell und Stimmbänder - und vor allem als eine eigene Art der Kommunikation, in der ein Tri-hul-jo oft mehr sagt als viele Worte.

JESSICA MAIER

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