"Budget-Fasten" lässt Kindergärten hungern
Land will Förderungen für "Gratis-Kindergarten" streichen. Gemeinden im Bezirk sehen sich außerstande, Mehrkosten zu übernehmen. Diese bleiben jetzt den Eltern.

Foto © APAWas die Zukunft ihrer Kindergärten anbelangt, können sich die Feldkirchner Gemeinden momentan nicht gerade gemütlich zurücklehnen
Drei Jahre ,Gratis-Kindergarten' für alle!" hieß es im März 2008 vonseiten der ÖVP. Jetzt, zwei Jahre später, will die FPK-ÖVP-Koalition in diesem Zusammenhang wieder die Notbremse ziehen: Sowohl die finanzielle Unterstützung für Eltern von Kindergartenkindern als auch die Förderungen für den Betrieb der Betreuungseinrichtungen sollen dezimiert bis restlos gestrichen werden. Die Gemeinden des Bezirks sehen mit dieser Entwicklung neue finanzielle Bürden auf sich zukommen.
"Jedes Kindergartenkind kostet uns momentan 2500 Euro pro Jahr. Das ergibt bei 320 Kindern, die in der Stadt Feldkirchen betreut werden, eine jährliche Belastung von insgesamt 800.000 Euro", sagt Karl Lang, Vizebürgermeister und Finanzreferent von Feldkirchen. Künftig auch die vom Landessparstift bedrohten 75 Euro Betreuungszuschuss an die Eltern selbst in die budgetäre Hand zu nehmen, sei für die Stadtgemeinde aus finanziellen Gründen nicht denkbar, zumal neben dem monatlichen Eltern-Geld auch die Förderungen für Kindergartengruppen dezimiert werden sollen. "Das Antoniusheim als unser größter Kindergarten mit sieben Gruppen war schon bis jetzt keine leicht zu tragende finanzielle Last für uns. Die Landesfördersumme wurde nämlich ab einer Anzahl von drei Gruppen bereits bisher um jeweils 7000 Euro gesenkt. Und jetzt sollen die Förderungen noch einmal reduziert werden", sagt Lang. Ein Zusammenlegen von Kindergruppen aus Kostenspargründen sei Lang zufolge aus gesetzlichen Gründen nicht möglich, da eine Gruppengröße von 25 Kindern nicht überschritten werden dürfe.
Teure Betreuung
"Die einzige Maßnahme, die ich setzen könnte, wäre ein Aufnahmeverbot von Kindern aus Nachbargemeinden. Dadurch würden die Probleme aber nur herumgeschoben", so Lang.
Dass die geplanten Kürzungen den Gemeinden des Bezirks ohnehin bereits Sorgen bereiten, zeigt ein Blick nach Glanegg: Dort wurde der Kindergarten aufgrund der zahlreichen Neuanmeldungen nach Einführung des "Gratis-Kindergartens" um 150.000 Euro ausgebaut. Nun befürchtet man einen kostenbedingten Rückgang der Kinderzahl. "Viele Eltern geben ihre Kinder in den Kindergarten, obwohl sie ohnehin zu Hause sind. Es stellt sich nun die Frage, ob diese Eltern trotzdem Betreuungskosten übernehmen würden", sagt Glaneggs Bürgermeister Guntram Samitz. Er kritisiert auch das Konzept des "Gratis-Kindergartens". "Gratis ist der Kindergarten nur, wenn der Monatsbeitrag die geförderten 75 Euro nicht übersteigt oder wenn die Gemeinden bei höheren Beiträgen die Restkosten für die Eltern tragen. Wenn wir unseren Kindergarten kostendeckend betreiben wollten, müssten wir monatlich 200 Euro pro Kind einheben. Tatsächlich haben wir aber in den vergangenen Jahren nur 75 Euro verlangt und hatten somit Abgänge von jährlich rund 130.000 Euro", so Samitz.
Gratis mit Vorbehalt
In Feldkirchen, wo sich der Monatsbeitrag auf rund 120 Euro beläuft, war der "Gratis-Kindergarten" hingegen nie völlig "gratis", da die Eltern auch bisher für den Restbetrag selbst aufkommen mussten. Auch der Steuerberger Bürgermeister Karl Petritz äußert Kritik: "Die Kinder sollten nicht die Leidtragenden sein, wenn es um die Sanierung des Budgets geht."
Features
GRATIS-KINDERGARTEN
Förderungen. Das Land Kärnten zahlt seit März 2008 einen Zuschuss von 75 Euro pro Kind und Monat an die Eltern. Diese Förderung soll nun eingestellt werden. Gekürzt werden sollen auch die Förderbeiträge für Kindergartengruppen
Ausnahme. Das verpflichtende Kindergartenjahr für Fünfjährige bleibt weiterhin kostenfrei











