"Als Kärntner in Wien ist man fast eine Randgruppe"
Prominente Exil-Kärntner und ihre Sicht der Dinge zur aktuellen Lage.

Foto © KKClaudia Ambrosch-Draxl
Gerhild Kapfenberger ist ein kulinarisches Aushängeschild Kärntens in Wien. Die gebürtige Wolfsbergerin ist Wirtin des "Kärntner Stüberls" im 3. Bezirk, die Gäste sind "Kärntner, Kärnten-Liebhaber und Menschen, die Kärntner Küche mögen". Das wissen auch ORF-Journalisten. "Kürzlich war ein Team von ,Report' da und hat die Leute befragt. Ich hab ihnen gesagt, sie sollen nicht Böses schreiben; ich will nicht als Kärntner rechtsradikales Gasthaus im Fernsehen sein."
Dazu besteht auch kein Anlass, denn die einen "halten Haider die Stange und die Kärnten-Gegner sagen das Gleiche wie früher". Derzeit sei man als Kärntner in Wien "fast eine Randgruppe - es geht um Haider, die Hypo und wie böse die in Kärnten sind", fasst Kapfenberger die Reaktionen vieler Wiener zusammen. "Die haben sich ja immer schon über Kärnten amüsiert oder uns ins Lächerliche gezogen. Jetzt haben sie halt neue Argumente." Nicht nur sie: Auch viele Kärntner machen sich jetzt über das lustig, was in ihrer Heimat passiert. "Aber", tröstet sich Kapfenberger, "wir Kärntner sind nach wie vor gut zu nehmen!"
Lächerlich
Künstler müss(t)en sich für Politik interessieren, doch zu weit klafft oft auseinander, was erfolgreiche Politiker und leidenschaftliche Künstler unterscheidet. Das gilt auch für den Musiker Christian Koch. "Das alles ist doch eher lächerlich. Man will gar nicht glauben, dass das wahr ist", sagt der gebürtige Klagenfurter zum Kärntner Wirbel. "Viele von uns im Kunstbereich sind nur im notwendigsten Maß an Politik interessiert."
Gleichwohl tauchen Hypo-Bank-Desaster und Parteien-Reigen immer wieder auf. "Ich komme von einer Promi-Geburtstagsfeier, wo Künstler ohne Gage aufgetreten sind. Da hieß es gleich: ,Ich überreiche dir dein Geld im Plastiksackerl." Banken wie Bawag und Hypo seien die Themen. "Präsent sind diese Dinge schon, die es sonst in Österreich nicht zu geben scheint - aber wahrscheinlich doch, nur: In Kärnten sind sie halt gehäuft aufgefallen."
"Faktenlage ignoriert"
Es gab schon leichtere Zeiten für Exil-Kärntner. In seiner zweiten Heimat Wien muss sich Raiffeisen-Manager Anton Maurer dieser Tage hämische Kommentare anhören. Und zuhause, in Glanegg, wird dem Ausgewanderten die Klage über den real existierenden Kärntner Populismus nicht zugestanden. Dabei, glaubt Maurer, sei das Kärnten-Bild, was Politik und Wirtschaft betrifft, mittlerweile hüben wie drüben dasselbe: "Schauerlich."
Vor allem die Art der politischen Auseinandersetzung sei "an der Grenze des Erträglichen." Seit Jahrzehnten gebe es keinen gepflegten Diskurs mehr. Beim Reden kumman die Leit z'samm? Ein längst überholtes Kärntner Klischee, glaubt Maurer. "Es wird eben nicht miteinander gesprochen. Man ist nicht mehr gewohnt, in offener Weise miteinander umzugehen, ein paar Personen dominieren die Politik." Und diese würden die wirtschaftlichen und politischen Verwerfungen bewusst außer Acht lassen: "Die Faktenlage wird einfach ignoriert."
Wenn auch nur in Kärnten. Außerhalb des Landes würden hingegen nur die Schattenseiten wahrgenommen - als Gesamtbild. "Dabei werden die wunderbaren Aspekte Kärntens übertüncht. Und das, wie zu befürchten steht, längerfristig." Allein, was könnte der Ausweg sein? "Das Land braucht eine gründlichen Analyse dessen, was im Argen liegt." Nur eine Aufarbeitung jahrzehntelanger Versäumnisse könne die Verhältnisse dauerhaft zum Besseren wenden, davon ist Maurer überzeugt.
Dass die Kärntner Industriellenvereinigung in Wien versucht, ein differenzierteres, ehrliches Bild des Landes mit seinen Stärken und Schwächen zu zeichnen, findet er "ganz wunderbar". Doch wer könnte in Kärnten selbst die Rolle des Analysten einnehmen? Maurer ist skeptisch. "Das ist die große Frage. Ich sehe derzeit niemanden, der dazu in der Lage wäre."
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Bernd Sibitz, Klagenfurter PR-Profi, der die Bundeshauptstadt aufmischtFoto © KK
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