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Zuletzt aktualisiert: 12.09.2009 um 22:19 UhrKommentare

Seit elf Jahren haben sie den Wind im Rücken

Ursula und Eckhardt Westphal segeln seit 1998 rund um die Welt. Die Tiebelstadt ist dabei ihr "Haupthafen", den sie von Zeit zu Zeit anlaufen.

Segelschiff "Azimut" ist momentan Ursula und Eckhardt Westphals Zuhause. Der eigentliche Wohnsitz des deutschen Ehepaars befindet sich in Feldkirchen

Foto © KK/PrivatSegelschiff "Azimut" ist momentan Ursula und Eckhardt Westphals Zuhause. Der eigentliche Wohnsitz des deutschen Ehepaars befindet sich in Feldkirchen

Zwiebel halten bei trockener Lagerung bis zu einem Jahr, Eier, in Vaseline eingerieben und regelmäßig umgedreht, einige Monate. "Wenn man nicht immer einen Supermarkt um die Ecke hat, muss man solche Sachen eben lernen", sagt Ursula Westphal lachend. Auf ihrem Segelboot "Azimut" sind die gebürtige Kasselerin und ihr Ehemann seit elf Jahren auf den Meeren der Welt unterwegs. Der einzige Punkt, wo Sie momentan zum dritten Mal für längere Zeit ihren Anker auswerfen, ist Feldkirchen.

"Vor 39 Jahren saßen wir einmal, frisch verheiratet, auf dem Segelboot eines Freundes am Bodensee und sagten uns: ,Eines Tages fahren wir um die Welt'", so Eckhardt Westphal. Als ein Jobwechsel das immer schon reiselustige Ehepaar - Eckhardt Westphal: "Man muss die eigenen Wurzeln von Zeit zu Zeit irgendwo ausreißen, sonst wächst man dort fest" - im Jahr 1993 nach Kärnten führte, wurde ein Haus in Feldkirchen gekauft. Schon fünf Jahre später packten die beiden aber wieder ihre Koffer: Die Umsetzung ihres langjährigen Traums kribbelte ihnen schon zu sehr in den Fingern. Ein Teil des Hauses in Sankt Ruprecht wurde vermietet, das Segelboot "Azimut" gekauft, die Strecke grob festgelegt und los ging die Reise. Und mit ihr ein Abenteuer, das das Leben der Westphals entscheidend verändern sollte.

"Keine Langeweile"

"Wir haben gelernt, mit Problemen anders umzugehen. Am Festland gibt es immer einen Zuständigen, bei dem man Beschwerden deponieren kann. Auf offener See muss man Hindernisse aber selbst bewältigen", sagt Eckhardt Westphal. Auch andere "Begleiterscheinungen" der am Festland lebenden Wohlstandsgesellschaft seien wie vom Fahrtwind weggeblasen. Langeweile? Ein Fremdwort. "Ich komme unterwegs nicht einmal zum Lesen, so beschäftigt sind wir mit der Kontrolle des Schiffs und anderen Aktivitäten des täglichen Lebens", so Eckhardt Westphal. Auch von ihren Ankerpunkten - im letzten Jahr besuchten die Westphals neun Länder - nahmen sie immer wieder aufregende und interessante Eindrücke mit: die hochkomplizierte Einreisebürokratie in Indien, Begegnungen mit Elefanten und Delfinen, Piratenalarm, paradiesische Buchten und ruppige See. "Raue Wetter sind nicht angenehm. Danach ist man aber sozusagen neu kalibriert, die Skala zwischen "schön" und "nicht schön" ist neu eingestellt und man kann das angenehme Leben wieder so richtig genießen", sagt Ursula Westphal.

Als Höhepunkt ihrer Reiseziele erinnert sich das Ehepaar immer wieder gerne an den "Prince Williams Sound" in Alaska zurück. "Da gibt es Berge, die von Meeresniveau aus 5500 Meter in die Luft ragen. Selbst Kärnten ist dagegen ein flaches Nest", sind sich die beiden einig. Grundsätzlich werden die angesteuerten Länder jedenfalls nur in dem Radius erkundet, der mit den Klapprädern, die Ursula und Eckhardt Westphal mit an Bord haben, zu bewältigen ist. "Populäre Sehenswürdigkeiten interessieren uns nicht. Es gibt so viel anderes zu entdecken", so Ursula Westphal.

Noch auf See

20 Grad fehlen den beiden Reisenden nun von den 360 Grad der Weltkugel noch. Von Südafrika, wo "Azimut" momentan vor Anker liegt, geht es am 17. September weiter nach Süd- und Nordamerika, dann kehren die beiden über den hohen Norden nach Europa zurück. Und dann? Irgendwann können die beiden sich schon vorstellen, sesshaft zu werden. Und wenn, dann in Feldkirchen, denn dort sei es eben einfach schön. Einige Jahre werden sie aber wohl noch an Bord verbringen: "So schnell wollen wir in den goldenen Käfig der Wohlstandsgesellschaft noch nicht zurück."

JESSICA MAIER

Die Weltumseglung

Die Segler. Ursula Westphal, geboren in Kassel (Hessen), 59 Jahre. Eckhardt Westphal, geboren im Landkreis Harz (Sachsen-Anhalt), 60 Jahre. Der Hauptwohnsitz des Ehepaars liegt seit 1998 in Feldkirchen.

Das Schiff. Segelboot "Azimut" ist zehn Meter lang und dreieinhalb Meter breit. Es verfügt über einen wohnwagenähnlichen Innenraum mit Küche, Sitzecke, Bett und einem kleinen Bad. Strom wird am Schiff mit einem Windrad und Solarzellen generiert. In einem Tank mit 250 Litern Fassungsvermögen wird Süßwasser zum Kochen, Wäschewaschen und ähnlichem gespeichert.

Die Reise. Ursula und Eckhardt traten ihren Segeltörn rund um die Welt vor elf Jahren an. Alleine im vergangenen Jahr besuchten sie neun Länder, legten 6600 Seemeilen zurück und befanden sich dabei rund 980 Stunden auf offener See. Nun warten noch 20 Grad der 360-gradigen Weltkugel und einige Jahre des Reisens, ehe das "Projekt" abgehakt werden kann.

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