Die Suche nach Arbeit und Anerkennung
30 Jahre lang stand die Feldkirchnerin Sieglinde H. voll im Berufsleben, seit zwei Jahren ist sie arbeitslos. Trotzdem gibt die 53-Jährige nicht auf.

Foto © Schusser
Heute ist "Tag der Arbeitslosen". Hinter der steigenden Arbeitslosigkeit verbergen sich zahlreiche Einzelschicksale. Die Kleine Zeitung sprach mit einer Langzeitarbeitslosen aus Feldkirchen über ihre Wünsche, Sorgen und Probleme.
Zu Abstrichen bereit. Die 53-jährige Sieglinde H. weiß, was es bedeutet, "langzeitarbeitslos" zu sein. Aufgrund ihrer Berufserfahrung käme sie einem möglichen Arbeitgeber deutlich teurer als eine junge Bürokraft. "Ich bin bereit, beim Gehalt Abstriche zu machen. Aber es wird oft befürchtet, dass ältere Leute häufiger krank sind", sagt die alleinstehende Feldkirchnerin, die nach dem Abschluss der Handelsschule "30 Jahre lang durchgearbeitet" hat. Zunächst war sie 21 Jahre lang für ein Modehaus in Villach als Büroangestellte tägig: "Besonders gerne erledigte ich die Überweisungen. Das war damals noch sehr aufwändig. Für eine Auslandsüberweisung musste ich in die Schreibmaschine dreimal Blaupapier einspannen." Als ihr erster Arbeitgeber in Konkurs ging, kam sie zu einem Villacher Rechtsanwalt, bei dem sie knapp neun Jahre lang - bis zu dessen Pensionierung im Jahr 2003 - arbeitete.
Positiv denken. Danach erhielt Sieglinde H. nur noch "Jobs für ein paar Monate". In den vergangenen beiden Jahren hat es mit überhaupt keiner Anstellung mehr geklappt. Im Bekanntenkreis zeigt man Verständnis für ihre Situation, weil sie nicht die Einzige ist, die keine Arbeit bekommt: "Es werden immer mehr Leute arbeitslos, auch junge Menschen sind betroffen". Neben dem Einkommen vermisst die Feldkirchnerin derzeit vor allem die Anerkennung, die sie im Berufsleben erfahren hat. Als Langzeitarbeitslose bezieht sie Notstandshilfe: "Mit dem Geld komme ich nur schwer aus. Ich muss mir alles genau einteilen. Was nicht geht, geht nicht. Ich will keine Schulden machen."
Kurse.Im vergangenen Jahr besuchte die 53-Jährige einige AMS-Kurse, zuletzt einen für Lohnverrechnung. Die Anzahl der vielen Bewerbungsschreiben, die sie in den letzten Jahren verfasst hat, kann sie nicht nennen: "Oft bekomme ich nicht einmal eine Absage." In Feldkirchen schaut es besonders schlecht aus. Sie ist bereit, nach Villach oder Klagenfurt zu pendeln, wenn der Arbeitsplatz mit öffentlichen Verkehrsmitteln erreichbar ist. Auf die Frage nach dem Traumjob sagt sie: "Ich würde gerne allerhand im Büro machen, nur keine eintönige Arbeit."
Positiv denken. Sieglinde H., die ihre Zeit gerne mit ihren Freundinnen sowie mit dem Lösen von Rätseln verbringt, lässt sich trotz allem nicht unterkriegen: Sie will weiterhin Jobanzeigen studieren und Bewerbungen schreiben. Ihr Tipp an andere Arbeitslose: "Den Kopf nicht hängen lassen und positiv denken."
Features
Zur Person
Sieglinde H. ist seit mittlerweile zwei Jahren arbeitslos
Ausbildung. Abschluss der Handelsschule
Lebenslauf. 30 Jahre lang arbeite die 53-Jährige durchgehend. 21 Jahre davon für ein Modehaus in Villach, neun Jahre für einen Villacher Rechtsanwalt. Seit 2003 hat sie nur mehr kurze Anstellungen bekommen, seit zwei Jahren überhaupt keine mehr











