Wenn Sir John das Cello als Pinsel verwendet
Ein "Schutzmantelfest" in Ossiach, exzellent zelebriert.
"Ich wollte eine gefühlvolle Ikone schaffen, klingend statt auf Holz gemalt, indem ich die Musik des Cellos als Pinsel verwendete": Dieses Klanggemälde ist Sir John Tavener mit "The Protecting Veil" (UA 1989), das auf eine Marienerscheinung in Konstantinopel zurückgeht und auf der das orthodoxe Schutzmantelfest basiert, zweifellos gelungen.
Ausnahmecellistin. Das klare, schlichte Stück, in dem auch byzanthinische Kirchentonarten verwendet werden, war jetzt in der Ossiacher Stiftskirche in einer exemplarischer Interpretation zu erleben: Aus dem Solocello, das die Mutter Christi und ihren unendlichen Bittgesang für die Menschheit repräsentiert, wurden von der Ausnahmecellistin Maria Kliegel sensibelste, nuancenreiche, hochstilisierte, aber auch höchst virtuose Töne entlockt, die dem meditativen Charakter voll gerecht wurden.
Spitzenensemble. Unter Claudius Traunfellner bewies die Wiener Kammerphilharmonie, dass sie ein Spitzenensemble ist: Auch schon bei den "Metamorphosen", die ein tief deprimierter Richard Strauss 1945 schuf. Verinnerlicht und ernst im Ausdruck, mit unglaublich variierenden, warmen Farben und einer sagenhaften Homogenität wurde die musikalische Substanz unaufhörlich auf höchst kunstvolle Weise "verwandelt", bis sie am Ende nach einer Steigerung zu höchster Intensität wieder ins "Molto lento" und in den Trauermarsch aus Beethovens "Eroica" mündet. Riesenapplaus für ein Konzert, dass sich mehr Zuschauer verdient hätte.











