Ein Meister am Herd - und an der Schreibmaschine
Wini Brugger, "Kochmopolit" aus Feldkirchen, wurde in London für das beste "Küchenchef-Buch 2007" ausgezeichnet. Was er kann, lässt sich auch in Wien goutieren.
Achtung, großes "Lukullust"-Risiko! "Essen ist der Inbegriff von Genuss, ist tägliche Leidenschaft, Meditation und Lebensfreude", schwärmt Wini Brugger von dem Weg, auf dem seine Arbeitsergebnisse verschwinden. Und was ist Kochen? Auch da lohnt sich sein kurzes Nachdenken: "Mythologische Herstellung von Speise, ein sinnlicher und - im Umgang mit Lebensmitteln - fast religiöser Akt."
Erster Ausflug Frust.
Kaum zu glauben, dass Bruggers erster Ausflug in die Welt des Kochens ziemlich frustrierend endete. Mutter Notburga: "Mit fünf wollte Wini als Cowboy zum Kindergarten-Fasching. Ich halte nichts von Waffen und überredete ihn, als Koch zu gehen. Hinterher warf er die Kochhaube in die Ecke und sagte ,Nächstes Jahr gehe ich als Cowboy!'" Auch sonst hielt Wini seine Mutter in Atem: "Einmal kam er stolz aus der Küche und sagte ,Der Kaffee ist fertig'. Mich hat fast der Schlag getroffen, als ich in die Küche ging und sah, dass er mit dem kochenden Wasser auf einem Fußschemel hantiert hat. Der Kaffee war gut."
Ausgezeichnet. Heute gehört der verhinderte Cowboy zu den besten Köchen und Kochbuch-Autoren der Welt. Gerade eben wurde der 47-Jährige, der in Tirol zur Welt und kurz darauf nach Feldkirchen in Kärnten kam, bei der Londoner Buchmesse mit dem ersten "Gourmand World Cookbook"-Preis 2007 ausgezeichnet. In "Die In
dochine Küche des 21. Jahrhunderts" beschreibt Brugger, wie er sich in den vergangenen Jahren entwickelt hat. "Das großartige Buch ist ein Meisterwerk: Der Text, die Rezepte, das Design und die prächtigen Fotos - das alles ist hervorragend!", urteilt die Jury.
Schlechter Schüler. Bruggers Werdegang im Zeitraffer: schlechter Schüler, Schnupperlehre im Wifi, Glocknerhof Heiligenblut ("Die haben mich sehr gefördert!"), Lehre und Berufsschule mit Auszeichnung ("Mit dem Erfolg kam der Ehrgeiz"). Typisch Brugger: "Danach bewarb ich mich bei Werner Matt im Wien Hilton - streng, kompetent und stolz. Damals galt ein Koch nicht viel, aber Matt hatte von den Franzosen übernommen, dass ein Koch einen hohen Status haben kann." Es folgten die Schweiz, Frankreich, Israel, USA. Ab 1985 kam der Durchbruch: "In Hongkong ging mein Stern auf. Das war damals der Mittelpunkt der Hotel- und Gastronomie-Szene; man war im Austausch mit den Besten der Welt."
Österreich retour. Wini Brugger gewann alle Wettbewerbe bis zur Kocholympiade, produzierte - Jahre vor heutigen TV-Kochserien - seine eigene Kochshow "Wild Ginger" in Hongkong, gründete für internationale Geldgeber diverse Restaurants mit dem typischen "pan-asiatischen" Wini-Brugger-Touch. Seit 1999 ist er wieder in Österreich, wo seine Fähigkeiten unter anderem ins "Yohm" und "Indochine", beide in Wien, einflossen.
Japanische Kampfkunst.Wie geht's weiter? Viel Zeit mit Freundin Sabine und Tochter Ginger (3) verbringen, sich auf den 26. Mai, 19.20 Uhr freuen, wenn in 3Sat die in Vietnam gedrehte "Verfilmung" seines Kochbuchs gezeigt wird, gut essen, trinken, kochen, außerdem die japanische Kampfkunst Aikido. "Und ich würde irrsinnig gern ein Hotelprojekt irgendwo am Meer machen, wo es warm ist." Ach ja, das Leben kann so schön sein . . .











