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Zuletzt aktualisiert: 31.12.2011 um 15:13 UhrKommentare

Bunter Familienzauber am Himmelszelt

Hans Matthias Liebenwein ist Österreichs einziger Hersteller von pyrotechnischen Produkten. Seit dem Jahr 1476 ist seine Familie nachweisbar. Seit dem 19. Jahrhundert wirtschaften die Liebenweins als Gewerke, Händler und Feuerwerker in Kärnten.

Hans Liebenwein mit seiner Gattin Sabine und seinen Kindern Stephanie, Johannes und Kathrin

Foto © PhinoHans Liebenwein mit seiner Gattin Sabine und seinen Kindern Stephanie, Johannes und Kathrin

Alles Übermaß ist Sünde." Diesen Leitspruch führt die Familie Liebenwein seit 1476 in ihrem Wappen. Bescheidenheit prägt die Familie - ausgenommen ein ungeheurer Kinderreichtum, den die Familienchronik offenbart. Die Familie von Österreichs einzigem Erzeuger von Feuerwerkskörpern ist im Laufe der Jahrhunderte über Savoyen und die Schweiz nach Böhmen ausgewandert.

"Das Leben meiner Vorfahren kennzeichnet Kinderreichtum und die Bereitschaft zur Weiterbildung", sagt der Unternehmer Hans Liebenwein (52). So stellte die Familie Liebenwein im tschechischen Untermoldau 142 Jahre lang ohne Unterbrechung Schulmeister, Organisten und Zolleinnehmer in Personalunion. Diese Tradition des Lehrens hat sich über fünf Generationen hingezogen. Mathias Liebenwein (1777-1847) war eines von sieben Kindern des 1740 geborenen Schulmeisters Johann Liebenwein aus Untermoldau. Ausgestattet mit einer juristischen Ausbildung heiratete Mathias Liebenwein 1801 in Salzburg die Kaufmannstochter Theresia Arminger. Das Ehepaar begründete den Kärntner Zweig der Familie.

"Aktenkundige" Familie

Am 8. Mai 1813 wird Mathias Liebenwein in Kärnten "aktenkundig". Die Kärntner Landtafel (das damalige Grundbuch) verrät, dass Liebenwein im Schloss des Grafen Lodron Laterano in Himmelberg einen Vertrag aufsetzte. "Dieser Vertrag entließ den Bauern des Köraushofes aus der Leibeigenschaft. Liebenwein trat dabei als Notar des Französischen Kaisers Napoleon auf", zitiert Hans Liebenwein die Geschichte seiner Familie, die während der Franzosenkriege in Kärnten wirtschaftlich Fuß fasste.

Mathias und Theresia Liebenwein hatten acht Kinder und waren sehr geschäftstüchtig. Die Familie kaufte in Poitschach und Rottmansdorf (Gurktal) Besitzungen sowie ein Hammerwerk - und ließ sich dort auch nieder. Bald gehörten eine Draht- und Nagelfabrik sowie ein Kupferhammer zum Imperium. Kein Wunder, dass die Liebenwein-Töchter sehr gute Partien für Kärntens Gewerkendynastien waren. So haben die Liebenwein Schwestern Genovefa (1806-1870) und Pauline (1804-1875) die Brüder Ferdinand und Friedrich von Knapitsch geheiratet. Damit gewannen die Liebenweins durch Heirat Zutritt zu den Mittelkärnten prägenden Besitzungen Töscheldorf, Rabenstein, Krumfelden, Silberegg, Mayerhofen sowie zu den Herrschaften Friesach und Grünberg.

Brauerei und Pyrotechnik

"Die 1813 geborene Aloisia Liebenwein heiratete Leopold Obersteiner und wurde so Ehefrau des Brauereibesitzers zu Hirt", erklärt Hans Liebenwein eine durchaus formidable Liebenwein'sche Heiratspolitik nach Vorbild der Habsburger. Der Gewerke Vinzenz Liebenwein (1809-1887), Sohn von Mathias hatte wieder sechs Kinder. Sein Sohn Johann Liebenwein (1844-1881) ließ sich als Kaufmann in St. Veit nieder. Dessen Sohn Josef (1874-1958) lebte in St. Veit und gründete einen Lebensmittelhandel in Klagenfurt.

Er wurde vom Herzogstädter Feuerwerker Franz Süßbauer mit der Pyrotechnik infiziert. 1891 zündete Josef Liebenwein, nach vielen Experimenten, in der Steiermark sein erstes Feuerwerk. Josef Liebenwein avancierte im Ersten Weltkrieg zum Militärfeuerwerker. Am 16. August 1917 erhielt Josef Liebenwein die Konzession zur Fertigung und zum Verkauf von Feuerwerkskörpern. Das Familienunternehmen war gegründet und lässt seither die Menschen bei festlichen Anlässen über bunten Lichtzauber am Himmel staunen.

Josef Liebenwein und seine Frau Karolina hatten acht Kinder. Die Söhne Erich und Hans bildeten mit ihrem Vater die Firma Josef Liebenwein & Söhne. Im Zweiten Weltkrieg fanden hier bis zu 200 Menschen Arbeit. Leucht- und Signalmunition wurde produziert. 1955 stieg der Seniorchef 81-jährig aus dem Betrieb aus, die Brüder Erich und Hans führten ab 1957 die Feuerwerksproduktion in zwei Betrieben weiter. Hans Liebenwein (1913-2003) fand in seinem Sohn Hans (52) einen Betriebsnachfolger, der seine Karriere als Bankkaufmann aufgab, um die Feuerwerkstradition seiner Väter weiterzuführen.

Umweltverträglich

Sein Bruder, Karl Liebenwein (49), lebt mit Frau und zwei Kindern in Wien, er ist dort als erfolgreicher Wirtschaftsanwalt tätig. Mittlerweile ist Hans Liebenwein der einzige Erzeuger von Feuerwerkskörpern in Österreich. "Wir haben es geschafft, rechtzeitig auf sichere und umweltverträgliche Produkte umzustellen", sagt Hans Liebenwein. Den Betrieb verlegte er 1989 nach Meiselding, wo 35 Mitarbeiter beschäftigt werden.

Liebenwein kooperiert seit 2010 mit dem größten Feuerwerksproduzenten Europas, der WECO-Pyrotechnischen Fabrik nahe Köln. Er ist in zweiter Ehe mit Sabine (49) verheiratet. Mit Sohn Johannes (11) steht die nächste Feuerwerkergeneration parat. Die Töchter aus erster Ehe, Kathrin (20) und Stephanie (23), studieren.

Liebenwein, der international Fachhandel, Diskonter und Baumärkte beliefert, ist ein Unternehmer, der hinter dem bunten Lichterzauber am Neujahrshimmel steht. Seine Feuerwerkskörper stürmen zum Himmel, verglühen sternschnuppengleich und sorgen für begeistertes Staunen. Die ehemalige Lehrer- und Gewerkenfamilie Liebenwein aber ist bodenständig geblieben und seit rund 200 Jahren Teil des Kärntner Wirtschaftslebens.

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